Symphonic Shades

Symphonic Shades - Der Abend des Soundmagiers

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Manchmal wurden die auffälligsten Stilmittel ins Gegenteil verdreht. An der Stelle, an der die Original-Titelmelodie des Jump and Shoots "Jim Power in Mutant Planet" mit harten, rockigen Kadenzen voranschreitet, zog Arrangeur Yuzo Koshiro nicht nur zarte, gezupfte Stakkatos auf den Violinen vor. Er verlangsamte das gesamte Werk und bettete obendrein das Hauptthema auf einem seidenen Schal aus hauchzart entlockten Streicherklängen, die zusammen mit den Flöten vor sich hin säuselten. Aus dem actionreichen Spiel wurde eine Blumenwiese voller leichter Düfte, die man in vollen Zügen einatmen wollte. Erst später, als die Hörner vermehrt einsetzten und aufdringlicher wurden, ließ sich die filmmusiktypische Heldenstimmung des Ursprungswerks heraushören.


Grafik und Sound der Spiele von damals mögen heute antiquiert wirken, doch Turrican II war 1991 ein Musterbeispiel für gute Hardware-Ausnutzung. In Symphonic Shades wurden Stücke aus Turrican 2 und 3 neu aufgelegt.

Doch bei Symphonic Shades ist es wirklich schwer, von Höhepunkten zu sprechen. Die allgemeine Qualität der Darbietung, egal ob in rein akustischer oder kompositorischer Hinsicht, war stellenweise wirklich phänomenal für ein Konzert dieser Art. Natürlich wurde kein verloren gegangener Schönberg vorgestellt, auch wenn eingangs von Dissonanzen gesprochen wurde. Aber wenn mal hört, wie geschickt man das Turrican II-Hauptthema in einem schrecklich schönen Zerr-Spiegel reflektieren kann, bleibt nichts weiter, als anerkennend zu nicken. Jeder thematische Sprung passte wie angegossen. Selbst der fließende Übergang vom unheilschwangeren Intro zum heiteren und beinahe Big Band-artig beschwingten Oberwelt-Thema in der Adaption von "The Great Giana Sisters" wirkte wie aus einem Guss und schon immer so gewollt. Der Hauptarrangeur, Jonne Valtonen, ließ sich nun mal ebenso wenig lumpen wie alle anderen Beteiligten.

Eigentlich hätte jedes einzelne Musikstück einen Absatz verdient. Zum Beispiel die erstklassigen Turrican 3-Piano-Suite, in der Pianist Jari Salmela den Intro-Song in ein vor Jugendlichkeit und Zuversicht sprühendes, schnelles, aber auch versteckt wehmütiges Thema verwandelte, dessen Tonartwechsel für den B-Teil aus dem Abspann entnommen wurde. Nur ganz abgebrühten Zuhörern blieb da eine Gänsehaut erspart. Vielleicht auch solchen, die diese Version schon von einer früheren Aufführung von Salmela kannten. Ebenso hörenswert war der Track aus dem Intro des futuristischen 3D-Shooters Tunnel B1, der für Sonys erste PlayStation veröffentlicht wurde. Das Stück selbst musste nur minimal umgeschrieben werden, da es bereits orchestral angelehnt, aber mit Synthi-Instrumenten eingespielt worden war.

Der besondere Pluspunkt bei der Symphonic Shades-Version waren die schnellen Finger von Rony Barrak, die schon in der freien Einleitung mit Lichtgeschwindigkeit über seine Darbuka fuhren, um für einen markanten Rhythmus zu sorgen. Ähnlich wie beim von Takenobu Mitsuyoshi arrangierten Apydia II, bei dem der Chor den doch manchmal etwas naiven und intervallisch sehr an amerikanische Filmmusik angelehnten Abfolgen das Quäntchen Leben und Tiefe einhauchte, die sie zum Fesseln benötigten. "Symphonic Shades: Hülsbeck in Concert" war ein wundervolles Symphoniekonzert und ein großes Geschenk. Nicht nur an Chris Hülsbeck, sondern auch an alle, die seine Musik mögen.

Um den Rahmen nicht zu sprengen, empfehlen wir euch allerdings, lieber selbst einen Eindruck zu gewinnen. Einige der besten Darbietungen, wie zum Beispiel das Schicksalsstück "Shades" oder "Karawane der Elefanten", die keinen Spielen zugewiesen werden können, sollen noch eurer Fantasie überlassen bleiben, bis ihr in einigen Monaten die offizielle Symphonic Shades-CD in euren Player legen könnt. Der bisher angenommene Preis von 22 Euro mag nicht sonderlich günstig erscheinen, doch der Datenträger wird dank hervorragender Aussteuerung sicherlich jeden Cent wert sein - selbst für jüngere musikinteressierte Spieler und Komponisten, die auf diese Weise einen Zugang zu Hülsbecks Lebenswerk finden. Immerhin soll die Disc alle Stücke des Konzerts und somit rund 70 Minuten Musik beinhalten. Wer vorbestellen möchte, kann das bereits tun. Auf www.maz-sound.com findet ihr ein Online-Formular.

Weitere Infos zum Konzert findet ihr auf der offiziellen Homepage: www.symphonicshades.com

Der Ablauf in chronologischer Reihenfolge:

1. Grand Monster Slam (Opening Fanfare), 2. X-Out (Main Theme) , 3. Jim Power (Main Theme), 4. Tower of Babel , 5. Turrican 3 (Piano Suite), 6. Gem'X (Main Theme), 7. Apydia (Suite), (Pause), 8. R-Type (Amiga Title-Theme), 9. Licht am Ende des Tunnels, 10. The Great Giana Sister (Suite), 11. Tunnel B1 (Suite), 12. Symphonic Shades, 13. Karawane der Elefanten, 14. Turrican II (Main Theme Renderings)


Die japanischen Kult-Spielekomponisten Takenobu Mitsuyoshi (links) und Yuzo Koshiro waren für die Vertonung von jeweils einem Hülsbeck-Song verantwortlich

Interview mit Yuzo Koshiro und Takenobu Mitsuyoshi

Herr Mitsuyoshi und Herr Koshiro. Wie sind Sie dazu gekommen, ein Stück für Symphonic Shades zu arrangieren.

Yuzo Koshiro:
Ich kannte Jim Power vorher eigentlich nicht. Thomas (Böcker) hat mich wegen Symphonic Shades angeschrieben. Er gab mit Teile des Soundtracks zu hören und ich mochte die Musik. Ich fand die Idee gut, und so habe ich zugesagt.

Takenobu Mitsuyoshi:
Auch ich kannte die Apydia- Musik nicht. Thomas verwies mich auf Youtube-Videos, da habe ich den Soundtrack zum ersten Mal gehört.

Sie haben aus der sehr harten und rockigen Jim Power-Melodie ein überraschend sanftes und samtiges Thema gemacht. Ein Hilfsmittel war dabei scheinbar, die Geschwindigkeit stark zu drosseln. Wie kam es dazu bzw. wie sind Sie an das Arrangement herangegangen?

Yuzo Koshiro:
Ich mag das Original, doch es schien mir schwer, das ursprüngliche Tempo mit dem Orchester halten zu können. Ich liebe den Orchesterklang des 19. Jahrhunderts wie bei Brahms oder Bruckner, und wollte speziell bei diesem Arrangement die Original-Melodie in ihrer Struktur unverändert lassen. Das brachte mich zu der Verlangsamung.

(An Takenobu Mitsuyoshi) War es beim Apydia-Soundtrack ähnlich?

Takenobu Mitsuyoshi:
Ja, und es war teilweise nicht einfach. Ich musste die Stimmung des Stücks ein wenig abändern. Es musste etwas bombastischer und auch emotionaler werden, um dem Orchester gerecht zu werden. Das erlaubte das Einflechten weiterer Stimmen, ohne die Original-Melodie anzutasten. Ein hilfreiches Stilmittel dafür war der Chor, dem ich japanische Texte zu singen gab.

Die Originalmusik basiert ja nur auf vier Soundkanälen bzw sieben Stimmen. War das ein Problem beim Herausschreiben eines orchestralen Arrangements?

Takenobu Mitsuyoshi:
Überhaupt nicht. Letztendlich spielt es eigentlich keine Rolle, solange die Melodie brauchbar ist. Einiges mache ich sogar streng nach dem Lehrbuch für Orchestration. Ich schaue mir natürlich auch die Szene, für die der Soundtrack geschrieben wurde, in Videos genau an und analysiere die Noten der ursprünglichen Komposition. Auf diese Weise versuche ich mir ein Bild des Gesamtwerks zu verschaffen.

(An Yuzo Koshiro) Wie oft haben Sie eigentlich schon einen klassischen Videospiel-Soundtrack für ein Orchester umarrangiert?

Yuzo Koshiro
Das ist mein viertes oder fünftes Mal. Das erste Mal war 2004 beim PLAY!-Eröffnungskonzert der Games Convention 2004, da habe ich ein Stück aus Sonic the Hedgehog bearbeitet.

Ihre Arrangements haben uns sehr gefallen. Vielen Dank für ihre Zeit.

Yuzo Koshiro & Takenobu Mitsuyoshi:
Gern geschehen. Es hat uns gefreut, an Symphonic Shades teilhaben zu dürfen.

Das Interview führte Denis Brown

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