Stranglehold - Test
Der Meister lädt zum feurigen Tanz
An Gegnern mangelt es in Stranglehold wahrlich nicht. In den späteren Abschnitten werdet ihr geradezu überrollt.
Klingt nach einem effektvoll inszenierten Actionfilm, findet ihr? Nach Hongkong-Kino? John Woo? Bingo! Für den Fall, dass ihr unsere Vorschau verpasst haben solltet: Der bekannte Regisseur und Produzent steckt hinter Stranglehold. Er schrieb die Geschichte des Shooters, zeichnet für die Zwischensequenzen verantwortlich und prüfte während der Entwicklung jedes Byte auf Tauglichkeit. Jaja, wer gemeinhin unter dem Namen Mozart der Zerstörung bekannt ist, hat hohe Ansprüche. Der oben genannte Kerl in der Lederjacke ist übrigens Inspektor Tequila, das digitalisierte Gegenstück zu Chow Yun-Fat, Woos langjährigem Weggefährten. Da er in etlichen Woo-Streifen die Hauptrolle übernahm, ist es nur logisch, dass ihm diese Ehre auch in dessen Videospiel-Debut zuteil wird. Als knallharter Cop sollte man natürlich keine Miene verziehen; darf erst schießen und dann fragen - selbst wenn das Leben der Tochter auf dem Spiel steht. Sein eigen Fleisch und Blut wird nebst Gemahlin entführt, was dem stinkigen Gesetzesvertreter ganz und gar nicht in den Kram passt. Aber Tequila wäre nicht er selbst und Stranglehold kein Spiel mit echtem John Woo-Gütesiegel, würden nicht mindestens 124.845 Kugeln die Luft durchsieben und 2350 Mistkerle dabei hops gehen.
Dafür steht ihm ein reichhaltiges Waffenarsenal zur Verfügung: Von Doppel-Berettas, über Pumpgun und Automatikgewehre bis hin zu Granaten verfügt er über alle feinen Mittel der Zerstörung. Leider passen unter seine Kluft nur jeweils zwei verschiedene Schießprügel. Vorbei die Zeiten, in denen man als wandelndes Munitionsdepot für Unheil sorgte. Macht aber nichts, explosiver Nachschub ist in rauen Mengen vorhanden. Jeder erledigte Häscher lässt seine Wumme fallen und großzügig verteilte Holzregale offerieren ein umfangreiches Angebot brandheißer Krachmacher. Bedenkt man die schiere Masse an Gegnern, die die Entwickler auf euch loslassen, habt ihr diese Mittel auch bitter nötig.
Die Gefechte laufen oftmals im Arena-Stil ab. Soll heißen: Ihr befindet euch in einem abgeschlossenen Gebiet, während eine feindliche Welle nach der anderen durch die Türen rumpelt, die sich kurz darauf wieder schließen. Ihr müsst euch der anstürmenden Ganoven so lange erwehren, bis ein Skript ausgelöst wird und ihr euren Weg endlich fortsetzen könnt. Das wäre an sich nur halb so schlimm, hätten die Entwickler an einigen Stellen nicht maßlos übertrieben. Im letzten der insgesamt sieben Levels seht ihr vor Kugeln irgendwann keine Sonne mehr, was in Verbindung mit den sehr sparsamen Speicherpunkten ab und zu in Frust ausarten kann. Zumindest wenn man es in der Hitze des Gefechts nicht schnell genug zu einem der recht großzügig verteilten Medkits schafft. Angesichts dieser Umstände solltet ihr regen Gebrauch von der Tequila Time genannten Zeitlupenfunktion machen, die euch zeitlich begrenzt zur Verfügung steht und das Bild in einen sanft rötlichen Schleier hüllt. Während ihr die Kugeln der Opponenten langsam auf euch zurasen seht, könnt ihr sie genüsslich anvisieren und mit blauen Bohnen vollpumpen.
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