Eine spielbare Horror-Novelle, die den Cthulhu-Kult aufgreift? Wir sind dabei! Warum aus der Vorfreude schnell Langeweile wurde, erfahrt ihr im Test.
Unsicherheit macht sich breit, gefolgt von einem heftigen Stirnrunzeln. Ein unfreiwilliger Lachanfall schließt sich an, um sich Sekunden später in einem lauten Gähnen zu entladen. Warum versteht man den Typen denn nicht, der sich während der quälend langen Ladesequenz wenigstens Mühe gibt, Atmosphäre zu transportieren. Nuschelt er etwa? Spricht er in einer fremden Sprache? Fast, er ist ein Österreicher, der die Geschichte des Ego-Shooters Robert D. Anderson & das Erbe Cthulhus mit dem landesüblichen Dialekt herunterbetet. Für einen kurzen Moment weiß man nicht, was man davon halten soll. Ist das jetzt Absicht? Hatte Jowood keine Kohle mehr, um professionelle Sprecher für diese grafisch hoffentlich explosive Granate zu verpflichten? Nein, vielmehr hat man es hier mit einem waschechten Fanprojekt zu tun. Obwohl der Name Homegrown das Heranzüchten hierzulande nicht allzu gern gesehener Pflanzen suggeriert, handelt es sich bei den Jungs um Nachwuchs-Entwickler, die ihren ersten Beitrag zum Markt der PC-Shooter leisten. Und wer ein echter Fan sein will, der pfeift auf Profisprecher, tritt vors Mikro und legt dem Hauptcharakter die Worte eben selbst in den Mund - mehr oder weniger erfolgreich.
Was auf den ersten Blick gar nicht mal so übel aussieht, entpuppt sich in Bewegung als unzumutbar: Die Grafik.
Den lieben Robert D. Anderson verschlägt es in das unter den Wehen des Zweiten Weltkriegs leidende Deutschland, genauer gesagt: in einen alten Bunker, wo er einem nebulösen Familiengeheimnis auf die Schliche kommen will. Ohne Waffe oder Ausrüstung steht er da, nicht mal seine Zigaretten habe man ihm gelassen, wie er immer wieder zu erkennen gibt. Was tut man also, wenn man ein derart schweres Unterfangen in Angriff nehmen will? Genau, man erkundet zunächst die Umgebung und hält Ausschau nach nützlichen Hinweisen. Dass dem Herrn angesichts dieser grafischen Tristesse nicht sofort die Augen ausfallen, gleicht einem Wunder. Die Optik erinnert an eine Kreuzung aus Medal of Honor (Playstation 1) und Half Life. Kantige NPCs, die beim Sprechen den Mund nicht öffnen; hässliche Levelobjekte; kahle Innenräume; zappelige Animationen, architektonisches Uraltdesign... Man könnte die Liste quasi endlos fortsetzen, dann aber bliebe in diesem Artikel kein Platz mehr.
Fast schon instinktiv greift man zur ESC-Taste, will das Optionsmenü aufrufen und schauen, ob der Detailregler vielleicht in der linken Position verharrt. Dummerweise birgt der Pausebildschirm keinen solchen Unterpunkt - wer die Steuerung konfigurieren, die Grafikeinstellungen nach oben schrauben oder den grässlichen Sound abstellen möchte, läuft in eine Sackgasse. Besonderes Augenmerk verdienen ferner die Schatteneffekte, die sich auf stockdustere Flecken beschränken. Kurios: Läuft man hindurch, bleibt die Waffe mitunter beleuchtet, was nicht nur witzig, sondern vor allem billig aussieht.
Wer die Gegner frühzeitig erkennt und aus allen Rohren ballert, hat vielleicht eine Chance. Ansonsten treffen die Schergen fast immer ins Schwarze.
Okay, optisch ist das Erbe Cthulhus also nicht der wahre Jakob. Aber wen kümmert das, wenn es spielerisch Bäume ausreißt und stundenlang vor den Monitor fesselt? Leider tut es das keineswegs. Obwohl Jowood beteuert, dass der Titel kein Shooter ist, ballert man die meiste Zeit alles nieder, was sich in der alten Festung herumtreibt. Oder besser gesagt: Man lässt sich niederballern, denn die Treffsicherheit der Nazisoldaten, Zombiekrankenschwestern und Skelette pendelt sich irgendwo zwischen Lucky Luke und Lexington Steel ein. Schon ein paar sorgfältig platzierte Salven genügen und Robert kann seinen Opa quasi persönlich nach diesem furchtbar wichtigen Geheimnis fragen.
Der absolut übertriebene Schwierigkeitsgrad wäre nur halb so schlimm, wenn die Quickload-Funktion ihren Dienst ordnungsgemäß verrichten würde. Während das erneute Laden eines Spielstands in jedem anderen Shooter etwa vier bis fünf Sekunden in Anspruch nimmt, sollte man hier locker zwei bis drei Minuten (!) einplanen. Zu allem Überfluss muss man das schreckliche Gebrabbel in jedem Ladebildschirm erneut über sich ergehen lassen - ein Alptraum nimmt langsam seinen Lauf. Wer an einer Stelle partout nicht weiterkommt und immer wieder ins Gras beißt, kann übrigens direkt ins nächste der insgesamt 15 Kapitel springen. Der Startbildschirm macht's möglich.
Waldgeist
27.08.2007, 15:49 Uhr