Resident Evil 5 - Test
Zu zweit gegen die Hölle
Bei Teil fünf verhält es sich sehr ähnlich, nur dass Setting und Protagonisten ausgetauscht wurden. Anstelle von spanischen Dorfmutanten schießen wir nun die armen (aber verdammt aggressiven) Seelen eines unbekannten afrikanischen Landstrichs über den Haufen, die für einen Biowaffentest missbraucht wurden. Im Austausch für Leon geben Chris Redfield und seine Partnerin Sheva Alomar die Hauptdarsteller, die im Auftrag einer Anti-Terror-Vereinigung der Fährte eines Biowaffen-Deals folgen. Damit offenbart sich auch gleich die auffälligste Änderung: Man darf sich nun zu zweit ins Abenteuer stürzen. Natürlich noch immer mit viel Knallbumm und spritzigen Details.
Dürfen kommt eventuell nicht ganz hin, denn man hat gar keine andere Wahl. Resident Evil 5 ist voll und ganz aufs kooperative Spiel ausgelegt. Selbst wenn gerade kein Mitspieler über eine Online-Verbindung oder per System-Link (Xbox 360) bereitsteht, folgt euch der zweite Charakter auf Schritt und Tritt, denn die wenigen Puzzles, die es zu lösen gibt, sind meist nicht alleine zu bewältigen. Zumal man spätestens bei den Obermotzen für jede helfende Hand dankbar ist. Selbstredend gibt es keinen echten Ersatz für einen intelligenten Spieler an der Seite, aber die CPU macht ihren Job ganz gut. Auch wenn sie dazu neigt, vorschnell zu heilen bzw. die falschen Heilungspflanzen zu kombinieren.
Apropos Pflanzenkunde: Das Inventar wurde umstrukturiert. Waffen, Kräuter, Heilsprays und Munition müssen nicht mehr der Größe nach sortiert werden, um in die Taschen zu passen. Stattdessen stehen neun gleichwertige Item-Slots pro Charakter zur Verfügung, von denen vier auch mitten im Handgemenge direkt über das Steuerkreuz abrufbar sind. Das nimmt der Inventarpflege natürlich etwas Tiefgang, doch war dieser Schritt durch die Betonung des Multiplayer-Anteils nicht zu umgehen. Keiner will ewig auf den Mitspieler warten, nur weil dieser mit Shotgun, MG und Granaten Tetris spielt.
Mangel an Stauraum besteht sowieso nicht. Da ständig zwei Charaktere präsent sind, stehen 18 Lagerslots zur Verfügung, wobei die CPU sogar willig alles aufnimmt, was man ihr zuteilt. Zwischen den kapitelweise getrennten Spielabschnitten kann man zudem alle überflüssigen Gegenstände und verkaufbaren Schätze in einem unbegrenzten Speicher auslagern. Im Co-Op-Spiel muss man sich natürlich mit dem Partner absprechen, um die beste Arsenal-Aufteilung auszumachen, aber dank Headset-Support sollte das kein Problem darstellen.
Munition und Upgrades gibt es ebenfalls im Überfluss, sofern man sich nach zerstörbaren Fässern und Kisten umsieht, die Items spendieren. Daher fällt schon nach kurzer Spielzeit auf, wie wenig Survival noch in diesem Horror-Adventure steckt. Man steht nie alleine auf dem Feld und metzelt sich verzweifelt durch eine übermächtige Horde. Wenn beide Spieler aufeinander aufpassen, ist es wirklich schwierig zu sterben oder übermäßig viel Lebensenergie durch eine Zombie-Attacke zu verlieren. Gerät der Partner in Not, reicht meist ein Roundhouse-Kick und der Spuk ist vorbei. Dementsprechend niedrig ist der Adrenalinpegel, auch wenn die Action ziemlich dicht ist. Ausnahmen bestätigen die Regel. Deswegen macht Resident Evil 5 nicht zwingend weniger Spaß. Es wurde nur ein Element ausgetauscht, nämlich der Survival-Faktor gegen eine gehörige Portion Teamwork. Speziell bei den Boss-Gegnern kommt das zum Tragen, denn mit simplem Draufballern ist es diesmal in den seltensten Fällen getan. Stattdessen muss einer von beiden oft als vermeintliche Beute für den Obermotz herhalten, während der Andere die richtigen Waffen auspackt oder einen Mechanismus auslöst. Tatsächlich wurde das Gewicht in den Handlungen beider Protagonisten sehr gut ausbalanciert. Es gibt keine Begrenzungen in Sachen Talente oder mögliche Bewaffnung. Wer welche Aufgabe übernimmt, bleibt also reine Verhandlungssache zwischen den Spielpartnern. Schade nur, dass man nicht auch mal für längere Zeit getrennt wird und über die Entfernung miteinander agiert.
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