Die Diskussionen im Doping hören nicht auf, doch Crimson Cow lässt sich nicht irritieren und veröffentlicht Radsport Manager 2007. Siegreiche Etappe oder Kettenriss beim Schlussspurt?
Die Fahrradkette ist gespannt, am Straßenrand jubeln die Menschen, der Tritt wird noch ein letztes Mal erhöht. Es ist ein schöner Sommertag, doch jetzt auf dem Rennrad sitzen - das ist längst mehr Qual als ein freudiges Ereignis. Noch ein letzter Anstieg, dann kommt nur noch die Abfahrt vom Berg und schon wartet das idyllische Bergdorf mit tausenden begeisterten Fans und der sehnsüchtig erwarteten Zieleinfahrt. In diesen Tagen schaut die ganze Welt nach Frankreich und die Etappen der berühmten Tour de France. Doping ist erneut ein großes Thema und ARD sowie ZDF steigen aus der Live-Berichterstattung aus. Zurück zu glorreichen Tagen: Es ist 1997 und das Jahr für Jan Ullrich. Deutschland fiebert mit und erhofft einen Toursieg. Als er da ist, kennt der Jubel keine Grenzen mehr. Nur zehn Jahre später sieht es in der Welt das Radsports gänzlich anders aus: Jan Ullrich ist in seinem Ansehen abgerutscht, die Dopingvorwürfe stehen weiterhin im Raum und auch Saubermann Erik Zabel gibt unter Tränen zu, dass er einmal Dopingmittel zu sich genommen hat. Mit ihm geben in den Wochen vor der Tour de France dutzende Fahrer zu, dass sie in der Vergangenheit nicht ehrlich waren. Der Radsport befindet sich in einem Tal der Unglaubwürdigkeit, welches nur mit viel Arbeit verlassen werden kann.
Im Fernsehen muss man auf ARD und ZDF auf die Live-Berichterstattung verzichten. Auf dem PC kann man die Tour allerdings selbst in die Hand nehmen und das ohne Dopingsünder.
Die Tour de France findet dennoch statt, die Berichterstattung rund um das Großevent ist allerdings anders. Doping steht weiter im Vordergrund und vermag mehr Schlagzeilen zu machen, als der Prologe in der Hauptstadt Paris. Glücklicherweise findet man aber noch eine Enklave vor, die sich vor Doping bestmöglich zu schützen weiß: Die Videospielwelt ist beinahe rein von Leistungssteigerungen. Einmal von Cheats und Hacks abgesehen, um in Shootern das eigene Können zu verbessern. Mit Radsport Manager 2007 veröffentlicht Crimson Cow pünktlich zur berühmtesten Radtour der Welt den neuesten Ableger des Managers. Dabei beschränkt man sich aber nicht nur mit den Etappen rund um Paris, sondern bietet ebenso weitere Rundfahrten. Darunter die Italien-Rundfahrt und viele weitere Ereignisse.
Erfreulich ist, dass die Entwickler in der aktuellen Auflage des Managers daran gedacht haben ein Tutorial einzubauen. So treffen Neulinge im Radsport auf sechs kleine Einführungen, die den Ablauf der Organisationen vor und während der Etappen sowie das Team-Management erklären sollen. Zwar sind die Ausführungen sehr kurz gehalten, bieten aber dennoch einen stimmigen Einstieg in einer einfachen Form. Wer sich aber schon in der Welt der Pedale heimisch fühlt und einen der Vorgänger gespielt hat, kann diesen Menüpunkt gerne überspringen. Geheimtipps oder andere Informationen beinhaltet das Tutorial nämlich nicht - alte Hasen sparen sich also die Zeit. Erfreulich ist weiterhin, dass das Handbuch nicht nur aus wenigen Seiten besteht. Fast 60 Seiten helfen im Notfall weiter, wenn der Schuh drückt oder die Kette reißt.
An der Grafik hat man erneut gearbeitet, die Präsentation sieht dadurch ein wenig besser aus. Sicherlich kann man aber noch immer das eine oder andere optimieren.
Ein wenig ernüchternd ist der Einstieg in das Spiel: Das Menü erstrahlt in babyblau und ansonsten zieren nur die Menüpunkte und das Logo den Bildschirm. Wer Einstellungen vornehmen will, findet eine übersichtliche, aber sehr einfache Darstellung vor. Schade, dass man trotz der Installation auf Deutsch auch im Spiel noch einmal die Sprache festlegen muss. Ist dies geschehen, kann im Tutorial erste Erfahrung gesammelt werden oder man startet direkt in die Karriere. Eben jene ist der Kern von Radsport Manager 2007. Sind die Eckdaten des Alter-Ego festgelegt, geht es daran die Bewertungspunkte zu verteilen. Beziehungen, Finanzen, Management und Nachwuchsarbeit gilt es nach eigenem Belieben mit Punkten zu verteilen. Wer bei Beziehungen viele Punkte angibt, hat seine Fahrer und Mitmenschen besser im Griff und kann auch harte Themen ansprechen ohne, dass die Motivation sinkt. Dies ist allerdings selbsterklärend und dürfte auch anderen Managern bereits bekannt sein.
Nicht einfach fällt die Qual der Wahl für ein Team. Fast alle Teams, die aktuell bei den Topevents starten, sind auch im Spiel vertreten. So darf man selbst beim Discovery Team als Teambetreuer anheuern und hat hier natürlich ein gutes finanzielles Polster, um Investitionen vorzunehmen. Allerdings erwartet der Sponsor auch deutlich mehr Erfolge. Wer keine Siege mit dem Team einfährt, sitzt schnell wieder auf der Straße. Sind alle Einstellungen vorgenommen, stellt sich erneut ein Gefühl der Ernüchterung ein. Das Interface ist sehr einfach und beinahe steril aufgebaut. Hier hätten die Entwickler in jedem Fall dafür sorgen müssen, dass es farbenfroher und ansprechender ist, was hier geboten wird. Erfreulich ist hingegen, dass die Übersicht mit den neuen Drop-Down-Menüs verbessert wurde. Ebenso ist der 14-tägige Kalender am unteren Bildschirmrand eine Erleichterung, um zu wissen welche Etappen oder Termine in den nächsten Tagen folgen.
Radsportsüchtig alias kaiserslautern1900
31.07.2007, 18:58 Uhr
HeavenandHeller
22.07.2007, 17:34 Uhr