Prince of Persia - Test
Mit Netz und doppeltem Boden
Es erinnert an Twilight Princess, wenn sich in einer von Schwärze überzogenen Welt plötzlich dunkle Löcher öffnen, aus denen Schattenkreaturen kriechen. In seinen hellen Momenten irgendwie auch an Wind Waker mit seinem sympathischen Cel-Shading-Stil, den kräftigen Konturen und grafischen Finessen. All diese Spiele gehören zu meinen absoluten Lieblingsabenteuern. Und genau deswegen habe ich mich auch riesig auf den neuen Prinzen gefreut, der viel Faszinierendes in sich vereint. Er hat seine speziellen Momente, in denen man Ubisoft einfach Respekt zollen will, in denen das Abenteuer durchschimmert, das es hätte sein können.
Oberflächlich strahlt es so hell, so betörend, dass man sich erst mal gefangen nehmen lässt und mit staunendem Blick auf die Reise geht, die in guten Momenten verflucht viel Spaß macht. Aber nach wenigen Stunden schleicht sich dieses merkwürdige, die Hoffnung aufs orientalische Epos verschlingende Gefühl ein. Erste Abnutzungserscheinungen zeichnen sich ab, die Fänge der Routine greifen um sich, Überraschungen bleiben aus. Und ganz wichtig: Es fehlt die Herausforderung. Man ist zwar immer noch entzückt von der grafischen Wucht jedes Abschnitts. Man wird immer noch gut unterhalten, wenn man auf dem Weg zum Ziel über Balken hangelt und springt. Aber sobald der zwanzigste Wandlauf fast ohne Zutun glückt, sobald man ein und dieselbe Halle auf der Suche nach Lichtkeimen durchforstet und den nächsten ernüchternden Bosskampf hinter sich bringt, verfällt das Spiel in ein Muster. Eines, das es bis zum Ende nicht verlässt.
Es ist nicht mal die in Schwarz-Weiß-Gefüge gezwängte Story, die für Enttäuschung sorgt. Die nämlich unterscheidet sich strukturell nicht merklich von Clovers mutigem PS2-Meisterwerk Okami. Als der Prinz irgendwann keine Lust mehr auf all die Aufregung, den Stress und ermüdende Kämpfe hat, tritt er mit seinem treuen Esel die lange Reise in Richtung Heimat an. Schlimm genug, dass der Vierbeiner inmitten eines Sandsturms verloren geht. Noch schlimmer, dass der Blaublütige unmittelbar in die Arme des hübschen Frauenzimmers Elika stolpert, das von finsteren Kerlen verfolgt wird. Ohne lange Vorrede oder Begrüßung verstrickt ihn die geheimnisvolle Schönheit in eine Hetzjagd, die man erst mal akzeptieren muss. Nach dem umfangreichen Tutorial gibt's erste Antworten: Die dunkle Gottheit Ahriman verschandelt das Land mit seiner unheiligen Gegenwart und überzieht die herrlichen Fleckchen Persiens mit verdorbenen Schatten. Ähnlich wie Amaterasu und Issun aus Okami ziehen auch Elika und der Prinz los, um die 24 ohne Ladezeiten verbundenen Abschnitte des Reichs wieder zu reinigen. Aber im Gegensatz zur verschmähten PS2-Perle kann PoP nach wenigen Stunden leider keine neuen spielmechanischen Kapitel mehr aufschlagen.
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