OnlineWelten - Kolumne
Traumjob: Spieleredakteur
Ist das Spiel beendet, steht der anstrengendste Teil des Testens an: Das Schreiben. Es gibt ganze Diskussionsrunden unter den Kollegen, welche Art und Weise des Schreibstils die beste ist, warum man bei manchen Titeln in wenigen Stunden ein Meisterwerk zu Papier bringt und bei anderen quälende Schreibblockaden hat, warum Entwicklern so wenig einfällt und warum manche Artikel zu Sahnestücken einfach nicht geklickt werden. In puncto Schreibstil sind sich wenigstens alle in einem Teilbereich einig: Ein Text voller Standardphrasen ist ein schlechter Text. Warum man nun gerade unerklärlich gute Ideen hat und ein anderes Mal nicht, ist abhängig von Tagesform, Laune, Erfahrung und Affinität zum Spiel – eine Zauberformel gibt es dafür nicht. Obwohl ich gestehen muss, dass ich bewusstseinserweiterndes Doping bisher nicht probiert habe. Der Entwicklerideenmangel liegt wohl an wirtschaftlicher Denkweise und damit verbundener Kurzsichtigkeit und wenig geklickte Artikel sind einfach kaum zu erklären. Zu jedem dieser Themen könnte man vermutlich eine eigene Kolumne bringen, aber hier geht es erst einmal um die Bewertung.
Noch bevor ein Text entsteht, ist die Meinung über das Spiel weitestgehend in einen Zahlenrahmen übersetzt. Die Quantifizierung wird in erster Instanz vom Gefühl bestimmt, aber nicht dabei belassen. Wir haben zwar keinen Zollstock für exakte Wertungsmessungen, aber halten auch nicht einfach einen feuchten Daumen in den Wind. Eine starre Abwägung von Vor- und Nachteilen halten wir erst recht nicht für sonderlich aussagekräftig, weil Spaß auch mit störrischer Steuerung, schlechter Grafik, dummer Geschichte und Charakteren ohne Ecken und Kanten aufkommen kann – wenn alles zusammenkommt ist das allerdings eher unwahrscheinlich. Zum abschließenden Prozenteschieben dient der Vergleich zu anderen, ähnlichen Spielen. Ein Bad Company 2 muss sich zum Beispiel ohne Chance auf einen Ausweg mit Modern Warfare 2 in den Ring stellen. Ein Fifa kommt mit Pro Evolution Soccer in einen Topf und ein MMO wird gleich mit möglichst allen anderen verglichen. Nicht nur mit WoW. Hat man diese Vergleiche nicht, geht man auf Informantenfang und lässt sich Spiele erklären, schaut sich Videos an, liest sich gut versteckte Texte durch und recherchiert wie bescheuert, um nicht ins Kreuzfeuer der Experten zu geraten. Gegen Serienfreaks stinkt man aber als Redakteur grundsätzlich ab.
Hat man alle Vorkehrungen getroffen, alle Bilder in den Artikel eingesetzt, jeden Fehler korrigieren lassen und schlicht alles fertig, wird der Text freigeschaltet. Man ist mit allem fertig und kann mit dem Projekt Test/Vorschau mehr oder weniger abschließen, einen Haken auf der To-do-Liste machen und den nächsten Auftrag in Angriff nehmen. Aber wie eine besorgte Mutter, lässt man das Kind so schnell nicht aus den Augen und beobachtet die Klickzahlen. Kommen zwei Artikel relativ zeitgleich entbrennt geradezu ein Wettkampf um den erfolgreicheren der beiden. Wie beim Boxkampf feuert man seinen Schützling an und wünscht dem Verlierer einen fairen Kampf, meint aber: "Ich hau dich weg". Würde ich jede Zeile mit Beispielen versehen, wuchsen meine Augenringe mit hoher Wahrscheinlichkeit proportional zur Textlänge, was euch alle gleich beim Hinsehen verschreckt hätte. Damit ihr aber nach einiger Zeit wieder in das Redakteursleben sehen dürft, schreibe ich im nächsten Teil, wo die Augenringe ihre Laichstätten haben. An Orten, die man per Flugzeug ansteuert.
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daryosh
03.03.2010, 18:40 Uhr
http://www.onlinewelten.com/user/profile/daryosh/blog/a
daequatio-intellectus-et-rei-523/
Quietschgurke
02.03.2010, 16:16 Uhr
Danke. Die Klischees lagern in Form von Pfandflaschen und Pizzaschachteln in der Küche :)
Ghaleon
02.03.2010, 14:57 Uhr
Nettes Büro, nicht zu voll gestellt und die Farben-Lampe von Gnoos da in der Eeck find ich ne schöne sache.
Wo sind die Klischee-Pizzaschachtel-Stapel ???
JimWest
02.03.2010, 13:56 Uhr
flosN
02.03.2010, 10:17 Uhr Artikel
Gimpel
01.03.2010, 19:21 Uhr
wenn du Interesse hast, mein Tipp:
Einfach mal bei einem kleinen Portal oder Fansite deines Vertrauens anfragen, ob sie noch redaktionelle Verstärkung suchen. Wenn du verlässlich bist, solltest du keine Probleme haben, schnell Kontakte zu knüpfen. Mit der Zeit entwickelt man dann seinen eigenen Schreibstile, da würde ich mir erstmal nicht so viele Gedanken machen.
Am Anfang macht man das Ganze eben ehrenamtlich, etc., aber wenn man Spaß an der Sache hat "rutscht" man schnell in die Branche rein ;-)
Ich hab etwa 1 1/2 Jahre ehrenamtlich für ein kleines Portal geschrieben (jeden Tag News und ab und zu ein Artikel), bekam dann Kontakt zu einer Firma die Redakteure gesucht hat und so kam dann eines zum anderen. Ist bisher aber auch nicht mehr als ein netter Nebenverdienst für mich :-)
Schminho
01.03.2010, 19:14 Uhr
super artikel michos!
JimWest
01.03.2010, 18:59 Uhr
ich dachte immer man müsste etwas wie germanistik studiert haben bzw erfahrung im redaktionellen bereich vorbringen, aber anscheinend reicht es wohl ne kartoffel im bikini zu sein.
ahh schade ich bin ein zertifizierter chaot, dann ist natürlich klar das ich nirgends hand anlegen darf. wie bitte, einen tag der offenen tür gibt es (noch) nicht?
nach deinem obligatorischem smiley folgt selbstverständlich meiner: :D
Quietschgurke
01.03.2010, 17:04 Uhr
danke und bitte
Da es keine Ausbildung dafür gibt, rutscht man da auch nur irgendwie rein. Viele über Fanprojekte, ein Studium oder sonst irgendwas. Bei mir war's ganz unspannend durch ne Bewerbung nach einer tollen Ausbildung im Bereich Werbung. Edit: Ich werde gerade darauf hingewiesen, dass man sich mit einem Studium oder einem Volontariat qualifizieren kann. Das stimmt natürlich.
Wir haben Akten, die nur zertifizierte Nicht-Chaoten anrühren dürfen. Insgesamt kommen hier aber recht wenige Ordner unter, weil wir die praktische Seite eines Servers für uns erkannt haben und Waldsterben doof finden.
Tag der offenen Tür gibt's nicht ;)
JimWest
01.03.2010, 16:38 Uhr
sach ma alte gurke mit quietschgeräusch, kannste ma näher auf eure vorgeschichte eingehn, den weg bis zum spieleredakteur etc.
ihr seit in berlin, habt ihr da sowas wie nen tach der offenen tür? ach scheiß drauf, wenn auf euren türen "drücken" oder "ziehen" steht müsste ich selbst klar kommen. ich werd all eure akten durcheinander bringen, wenn se nich schon durcheinander sind
wartet, kein moderner text kann ohne smileys beendet werden, hier ist er: :-)