Need for Speed: Undercover - Test
Wir brauchen Gas - wir geben Gas!
Vieles ist in Sachen Aufbau beim Alten geblieben: So rasen wir in den ersten Spielminuten in einer edlen Karosse über die Piste und versuchen den Fängen der Polizei zu entfliehen. Mit Glück können wir die Umgebung in die Manöver einbeziehen, und die Ordnungshüter krachen in von uns gelöste Betonplatten. Ob ein stehen gelassener Tieflader mit riesengroßen Rohren oder ein Gerüst mit langen Metallstangen - immer wieder warten Möglichkeiten, die Umgebung zu nutzen. Mit einem kleinen Rempler sind zwar unser Kotflügel oder die Stoßstange dahin, der Fluchtweg ist aber endlich frei. Leider wirken derlei Szenen zu aufgesetzt; eine freie Interaktion mit der Umgebung sieht anders aus. Einen furiosen Auftakt erleben wir im Nissan 350Z dennoch. Und selbst als wir den Superschlitten nach dem heißen Anfang abgeben müssen, bleibt uns für den Spielstart immerhin noch der kleine Bruder 240SX, der übrigens nicht in seiner Kraft zu unterschätzen ist. Gänzlich anders ist es um den Schwierigkeitsgrad bestellt: Mussten wir erst vor wenigen Wochen in Midnight Club: Los Angeles noch mit dem verdammt hohen Anspruch kämpfen, zeigt sich EAs neuer NfS-Spross in einem anderen Gewand. Ob erfahrener Superfahrer oder die Oma aus dem Altenheim - schwierig sind weder besondere Fahrmanöver beim Ausweichen auf den sowieso fast leeren Strecken, noch das Abhängen der Kontrahenten in den Straßenrennen. Viel zu einfach ist es, die gesetzten Ziele zu erreichen und den Gegner mit einem ordentlichen Vorsprung davonzubrausen.
Dabei bietet die neue Stadt im Südosten der USA die besten Möglichkeiten, um die urbane Region mit allerhand Leben zu füllen und immer wieder packende Straßenrennen auszuarbeiten. Vor allem der Mix aus hohem Anteil an Highway- und engen kurvigen Strecken in der Stadt ist eigentlich gelungen. Genutzt wird das Potential allerdings überhaupt nicht. Egal ob ihr als Streetracer rumkurvt oder hinter dem Steuer einer Polizeikarre sitzt und die illegalen Rennfahrer von der Strecke holt - auf Passanten müsst ihr beispielsweise keinerlei Rücksicht nehmen. In der Geisterstadt läuft schlichtweg niemand herum. Und erinnert das noch nicht genug an die Apokalypse, fahren auch nur eine Hand voll Fahrzeuge durch die Stadt. Lediglich bei einigen Highway-Rennen sind dann doch ein paar Dutzend zivile Kraftdroschken auf der Strecke, aber zu einem packenden Erlebnis wird das Spiel nicht.
Fast unverständlich ist auch der Sinn hinter dem freien Fahren in der Stadt. Ihr könnt keinerlei Sondermissionen erfüllen oder zufällige Rennen starten. Nicht einmal zum Sightseeing reicht der Spaß aus, denn neben ein paar imposanten Wolkenkratzen und Baustellen bleibt ein stets identisches und tristes Bild hängen. Noch ärgerlicher ist die Übersichtskarte, auf der ihr die jeweils nächsten Rennen der Story sehen könnt. Da das gute Stück aber immer erst noch lange laden muss, bevor man was sehen kann, verzichtet man bald darauf, selbst durch die Stadt zu den jeweiligen Startplätzen zu gurken. Mit einer einfachen Fingerbewegung gelangt man schließlich per Steuerkreuz sofort zum nächsten Rennen. Damit verbaut sich Electronic Arts jedes Potential, um langfristig mit Überraschungen und Entdeckungstouren zu glänzen. Auch hier sichert sich Midnight Club die Trophäe für sehr viel mehr Spielereien neben der primären Handlung.
Ein Händchen für die Inszenierung der Zwischensequenzen und der eigentlichen Rennen haben die Entwickler allerdings noch immer. Von der kleinsten Reflektion auf den lackierten Spiegelverkleidungen am Fahrzeug bis hin zum rauchenden Reifenabrieb auf dem Asphalt könnt ihr viele noch so kleine Details entdecken. Vor allem die siffigen Industrie-Bereiche mit alten Kränen, rostigen Metallrohren und tristen Betonbauten punkten in Sachen Optik. Mit dem passenden Soundtrack, der von harten rockigen Tönen bis hin zu coolen Hip-Hop-Rhythmen nahezu alles bietet, begeistern die Entwickler ebenso wie mit quietschenden Reifen und vielen weiteren Soundeffekten. Nur die PS-Monster könnten in Hinblick auf die Fahrgeräusche noch ein wenig unterschiedlicher klingen. Zudem hat sich hier scheinbar gar nichts geändert, denn die Funksprüche der Ordnungshüter oder die röhrenden Motoren klingen beispielsweise wie im Vorgänger. Eines hat sich aber geändert: Die leichten Ruckler sind verschwunden. Ihr freut euch über die Aussage? Dann lest lieber weiter. Auf der PlayStation 3 hat das Spiel mit massiven Framerate-Einbrüchen zu kämpfen. Vor allem mit weiteren Fahrzeugen in der unmittelbaren Nähe wirkt das Ganze mehr wie ein Daumenkino als eine Polygon-Schlacht auf einer Next-Generation-Konsole. Beinahe eine Frechheit ist es, dass Electronic Arts so einen Schlamassel zum Vollpreis verkauft.
Als Tuning-Freund könnt ihr auch in Undercover wieder eine Vielzahl an zusätzlichen Bauteilen an den Boliden befestigen. Leider kosten die aber ein kleines Vermögen. Die Entwickler machen euch das Tuning-Leben mit weniger Credits für gewonnene Rennen sehr schwer. Zudem sind die Preise der Einzelteile auch noch kräftig angestiegen. Was das für einen Sinn macht? Eine gute Frage, eventuell wollte man den Spielspaß mildern? Nicht mal gewonnene Fahrzeuge dürft ihr mehr verkaufen. Die müssen in der Garage verbleiben, denn es wäre ja verwerflich, sein Lieblingsauto mit dem so erzielten Geld aufzumotzen.
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