Naruto: Ninja Destiny - Test
Lustloser Ninja
Europäer sind schneller
Genau diesem Problem hat sich Tomy Corp. beziehungsweise das Entwicklerteam von Dream Factory angenommen, um zumindest die US- und Europa-Version von Naruto: Ninja Destiny etwas besser aussehen zu lassen - mit Erfolg. Wer beide Fassungen direkt miteinander vergleicht, dürfte freudig überrascht sein. In der European Version erstrahlt die Grafik in einem neuen Celshading-Look, der deutlich mehr hermacht als die grobpixelige Variante aus Japan. Zudem sind die Kämpfe spürbar schneller und flüssiger - nervige Slowdowns gibt es stellenweise dennoch zu beobachten. Diesbezüglich haben die Entwickler also ihr Hausaufgaben gemacht, doch war das schon alles, was in über einem Jahr zusätzlicher Arbeitszeit auf das Modul gequetscht wurde?
Prinzipiell ja. Ok, es gibt ein paar neue Outfits für die insgesamt 16 Charaktere aus der Manga-Serie und die eine oder andere Zusatzattacke; letztendlich jedoch keine großartigen Neuerungen, die das Spielgeschehen merklich aufpolieren würde. Apropos Spielgeschehen - was bietet Naruto: Ninja Destiny European Version eigentlich inhaltlich? Dem geneigten Naruto- und/oder Beat'em Up-Fan stehen nur relativ wenige Spielmodi zur Auswahl. Neben einem Übungs- sowie simplen Versus-Modus (einzelne Kämpfe gegen CPU-Gegner) nehmen der Multiplayer-Part und der Story-Modus wohl den größten Teil des Moduls ein. Obwohl diese Aussage fast schon wieder an eine große Portion Hohn grenzt, denn umfangreich ist das Spiel auf gar keinen Fall. Ohne bereits an dieser Stelle allzu viel vorweg zu nehmen: Nach wenigen Stunden hat selbst ein durchschnittlich begabter Prügelspiel-Fan den gesamten Inhalt des Moduls zu Gesicht bekommen - inklusive aller freischaltbaren Charaktere.
Story-Modus ohne Story
Besonders gravierend trifft dieser Umstand den so genannten Story-Modus. Klingt nach spannenden Stunden vor dem Nintendo DS mit Anlehnungen an die gleichnamigen Mangas und Animes mit dem kleinen Ninja - weit gefehlt. Man erlebt lediglich eine mit lieblosen Standbildern verknüpfte Abfolge von Einzelkämpfen, die es sowohl an Abwechslung als auch Herausforderung vermissen lassen. Manchmal schlüpft man zwar in die Rolle anderer Charaktere - man ist nicht ständig als Naruto unterwegs - doch ein neues Spielgefühl ergibt sich dadurch noch lange nicht. Zudem agiert die Gegner-KI nicht gerade clever und lässt sich mit der stets gleichen Taktik überrumpeln - selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Der somit einzige Grund für ein erneutes Einlegen des Spiels in den Nintendo DS ist das Freischalten sämtlicher Bonuscharaktere. Erst wenn man den Story-Modus auf allen Stufen durchgespielt hat, steht die gesamte Truppe zur Auswahl. Ein weiterer Kritikpunkt ist das lächerliche Speichersystem: es gibt nämlich keins. Will man den Story-Modus durchzocken, muss dies an einem Stück geschehen; zwischendurch den Spielstand abspeichern ist nicht. Angesichts der Kürze dieses Modus ist das nicht unbedingt ein Nachteil - ärgerlich aber allemal.
Macht das Spiel also überhaupt keinen Spaß? Doch, schon, wenn halt auch im begrenzten Maß. Die Kämpfe an sich sind recht unterhaltsam und bieten zahlreiche Combos, Spezialangriffe und eine neue Teleportationsfähigkeit. Mit dieser ist es auf Knopfdruck möglich, direkt hinter einen Gegner zu springen - genügend Chakra-Energie vorausgesetzt. Allerdings hat das Kampfsystem mit großen Balancingproblemen zu kämpfen. So fügen die Spezialattacken der einzelnen Charaktere unterschiedlich viel Schaden zu, so dass man schnell seinen Liebling auserkoren hat. Zudem ist die Teleportation eindeutig zu mächtig ausgefallen, da man mit ihrer Hilfe nahezu jeden Kampf locker für sich entscheiden kann. Ein weiteres Beispiel nach dem Schema "nett gedacht, aber schlecht gemacht" ist der Einsatz von diversen Power Ups. Diese stehen auf dem Touchscreen zur Verfügung und verleihen dem eigenen Kämpfer nach deren Aktivierung einen Bonus. Dazu zählen unter anderem ein Boost für die Lebensenergie oder mehr Angriffskraft. Da man jedoch bei dem hektischen Spielgeschehen selten dazu kommt, die Finger auf den Touchscreen zu tippen, macht man sehr selten von den Power Ups Gebrauch. Zudem ist es aufgrund des geringen Schwierigkeitsgrades auch gar nicht nötig,
Spaß zu zweit?
Bleibt also noch der Mehrspieler-Modus, der - ähnlich wie der Story-Modus - eher mager ausgefallen ist. Es gibt lediglich die Möglichkeit für 1 vs. 1-Kämpfe, für die sogar ein Modul pro Teilnehmer verlangt wird. Einen 1-Modul-Modus sucht man ebenso vergeblich wie Online-Matches. Dennoch machen die Scharmützel gegen einen menschlichen Kontrahenten spürbar mehr Spaß als gegen die KI-Probanden. Zwar nagt auch hier das Balancingproblem ein wenig am Spielgeschehen, doch vor allem Naruto-Fans können sich richtig austoben. Absolut unverständlich: Im Gegensatz zur Japan- und US-Version des Spiels gibt es in der European Version keinerlei Sprachausgabe!





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