MMOG Blog - Special
Definitionsversuch: Was ist ein MMOG?
Wo fängt man mit der Beantwortung dieser Frage an? Vielleicht einfach beim Namen, den dieses Genre ja nicht von ungefähr trägt und welcher auf jeden Fall dazu dient, ein paar Grenzen abzustecken. MMOG steht für "Massively Multiplayer Online Game", was salopp formuliert so viel bedeutet wie, ein Spiel welches von vielen Personen gleichzeitig über das Internet gespielt wird. Die nachfolgenden Gedankenspiele sollen verdeutlichen, welche Definitionsansätze ferner möglich sind.
Nagrach:
Beginnen wir mit dem Begriff Multiplayer, welcher auf den ersten Blick recht selbsterklärend klingt. Multiplayer heißt ja zunächst nur, dass mehrere Spieler an ein und demselben Spiel teilnehmen. Insofern ist Mensch-Ärgere-Dich-Nicht genau so ein Multiplayer-Spiel wie Fußball oder World of Warcraft. Dem gegenüber stehen all diejenigen Spiele, welche man allein und ohne Spieler erleben kann - im Computerbereich werden diese für gewöhnlich als Singleplayer-Spiele bezeichnet.
Lucille:
Klingt an sich simpel und einleuchtend. Wobei ja nun viele Singleplayer-Spieler auch einen Multiplayer-Modus haben. Aber sie zählen ja wegen der geringen Anzahl an Spielern auf einem Server bzw. einer Map nicht zu den MMOGs. Damit wären wir schon beim zweiten "M", welches für "Massively" steht. Massively drückt ja etwas schwammig die Eigenschaft eines Spieles aus, nicht nur einige wenige Spieler zusammenzuführen, sondern gleich einige Hundert, Tausend oder Zehntausend davon. Wenn ich also im Internet z.B. einem kleinen Pokerspiel fröne, dann ist das zwar ein Multiplayer-Spiel jedoch keinesfalls "Massively". Wenn dagegen in EVE Online 30.000 Spieler gleichzeitig in derselben Spielwelt aktiv sind, sehr wohl. Da stellt sich mir aber auch gleichzeitig die Frage, was denn wirklich "massively" ist. Es gibt ja durchaus ältere MMOGs, die noch immer gespielt werden. Allerdings tummeln sich dort auf den Servern nur noch 50 - 100 Spieler...
Zitronenhai:
Mag der Begriff "Multiplayer" noch klar verständlich sein, so lässt der Begriff "Massively" schon viel mehr Platz für Interpretationen und diese Deutungsmöglichkeiten werden gerade in Asien frei genutzt. "Massively" muss sich ja keineswegs auf die Anzahl der Spieler beschränken, welche sich in der virtuellen Welt vergnügen. Betrachtet man den Begriff einzeln, so bedeutet "Massively" nichts anderes als "massiv". Folglich wäre ein MMOG ein massives Onlinespiel für Mehrspieler. Das Spiel bzw. die Spielwelt ist massiv, ist dauerhaft - ein MMOG muss folglich eine persistente Welt besitzen.
Von einer persistenten Welt spricht man, wenn der Spieler zumindest grundsätzlich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche die Möglichkeit hat, diese Welt zu betreten. In dieser Welt laufen Ereignisse ab, welche unabhängig vom Vorhandensein der Spieler geschehen. Lassen wir den Aspekt der technischen Verfügbarkeit außen vor, so können Titel wie World of Warcraft oder Vanguard eine persistente Welt vorzeigen, Guild Wars kann dies nicht.
Auf der anderen Seite reden wir bei einem MMOG von einem "Massen Mehrspieler Onlinespiel". Wäre dann Guild Wars nicht die Mutter aller MMOGs? Bei zuvor aufgeführten Titeln sind die Spieler aufgeteilt auf Server, die Spieleranzahl ist beschränkt und es besteht nicht einmal die Möglichkeit, mit seinem besten Freund zu spielen, falls er sich zu Beginn für einen anderen Server entschieden hat. Das leistungsfähige Netzwerkprotokoll von ArenaNet erlaubt es hingegen, dass tatsächlich Jeder mit Jedem spielen kann - zeitgleich haben zehn- oder hunderttausende Spieler Zugriff - das würde ich als wirklichen "Massively Multiplayer" bezeichnen.
Lucille:
Dein Argument, dass Guild Wars keine persistente Welt vorzeigen kann, verstehe ich ehrlich gesagt nicht ganz. Ich kann doch auch jeden Tag zu jeder Zeit ins Spiel einloggen. In den Outposts etc. kann ich immer jede Menge andere Spieler treffen und sogar die Distrikte wechseln. Also zumindest diese sind doch dann persistent. Lediglich in den Instanzen bin ich alleine oder mit meiner Gruppe unterwegs und bekomme von den anderen Mitspielern nichts mit.
Zitronenhai:
Wie schon gesagt kann man, wenn man sich auf die vorhandenen persistenten Bereiche von Guild Wars beruft, das Produkt aus dem Hause ArenaNet als das MMOG schlechthin bezeichnen. Jedoch, durch den hohen Anteil an instanzierten Gebieten, wählen selbst die Macher des Spiels eine andere Bezeichnung und sehen ihr Produkt nicht als MMOG. Wobei zu einem MMOG meiner Meinung nach weitaus mehr gehört, als eine persistente Welt, denn dann könnte ich auch jedes Browsergame als MMOG bezeichnen.
Von gleicher Wertigkeit ist meines Erachtens die (Weiter-)Entwicklung des Charakters. Die eigenen Spielfigur mit neuen Gegenständen auszurüsten, durch Questen und Erschlagen von Feinden und Ungeheuern die Levelleiter emporsteigen etc. Lucille:
Ja, ArenaNet bezeichnet Guild Wars ja selbst als CORPG (Competitive/Cooperative Online Roleplaying Game). Also eine besondere Abwandlung des MMOGs.
Die Entwicklung eines Charakters ist für mich ebenfalls ein wichtiger Inhalt in einem MMOG. Das, und die fehlenden anderen Inhalte wie das Questen und Beute machen, sind für mich zum Beispiel auch schlagende Argumente gegen Second Life. In SL kann ich mir zwar einen Charakter anlegen sowie diesen optisch verändern, mit ihm durch eine Onlinewelt reisen, andere Spieler treffen und Rollenspiel betreiben etc. Aber sonst?
Zitronenhai:
Bei Second Life fallen natürlich die typischen Elemente eines MMOGs weg. Dennoch vom Grundsatz her ist auch der Spielercharakter in SL mit denen aus anderen MMOGs zu vergleichen. Anstatt Charakterentwicklung im Sinne von Levelaufstieg erfolgt der Aufstieg bei SL über wirtschaftlichen Erfolg, Einfluss oder Bekanntheitsgrad. Ganz wesentlich in diesem Zusammenhang ist auch, dass der Spieler keine Chance hat, das Spielgeschehen pausieren zu lassen oder einen bestimmten Zeitpunkt zu speichern bzw. wieder aufzurufen.
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Scythor
03.05.2007, 12:06 Uhr
Es ginge jedoch auch ohne Characterentwicklung und mit einer nicht 100% beständigen Welt.
Nehmen wir mal z.B. an es gäbe ein MMO-Strategiespiel ähnlich mancher Browsergames in dem jede aufstrebende Armee auf ihrem kleinen Asteroiden ankommt und dann versucht sich die Herrschaft über Teile des Universums zu sichern im Kampf gegen Zehntausende andere Fraktionen (Spieler). Ich denke auch so etwas würde unter den Begriff MMOG fallen selbst wenn die Welt mit jedem Spieler um einen Asteroiden erweitert wird und es eigentlich gar keine richtigen Charaktere gibt bei denen eine Entwicklung stattfinden könnte.
Der obige Text repräsentiert meine persönliche Meinung zu dem Thema und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit ;)
Grüße Scythor
longa
02.05.2007, 22:57 Uhr
Baira
29.04.2007, 22:01 Uhr
@ Yverddon, ehüm, das stimmt so nicht ganz, jedes MMOG, auch MMORTS/MMOFPS Games haben eine Charakterentwicklung, auch ganz ohne den zusatz RPG, was übrigens, in meinen Augen, auch ein wichtiger Punkt ist wenn man MMOs definieren will, eine simulierte gesselschaft innerhalb derer ein Spieler anhand seiner Spielfigur eine Rolle übernimmt und einen gewissen Status innehat, denn dass ist eine Gemeinsamkeit die alle MMOs haben, egal ob MMOFPS (Planetside als beispiel) bei dem ich irgendwann Commander bin, innerhalb einer sich dynamisch entwickelden Spieler Geselschaft, oder MMORTS (Tactical commanders) in welchem ich ein Politisches Amt bekleiden kann (konnte? hab die letzten patches verpasst) indem ich mich zum Overlord einer Fraktion wählen lasse usw.
Im endeffekt, definiert sich ein MMO meiner meinung nach vorallem dadurch, dass eine Virtuelle Realität geschaffen wird, die unabhängig von setting/Monatlicher Gebühr/Instanzierung oder freier Welt, ein Spiegelbild unserer Realen Geselschaft schafft, in welcher man als Spieler eine Rolle wählt und aufgrund der Pesistenz der Spielwelt, seine eigene Rolle Ausbaut und verbessert, ähnlich wie man IRL als Lehrling anfängt und sich evtl. zu einem Meister Titel hocharbeitet, hat man in jedem MMO einen anfang mit einer schwachen Figur, die sich im laufe der Zeit, innerhalb der Künstlich geschaffenen Gesselschaft, einen Namen macht ud einen Titel verdient (z.B. UO mit dem Grandmaster wasauchimmer system usw.)
Yverddon
29.04.2007, 20:08 Uhr
ruapho
29.04.2007, 19:59 Uhr
Und Persistente Welt ist auch nicht immer so eindeutig. Eine Welt in der ich mir ein Häuschen bauen, einen Shop eröffnen oder Teretorien erobern kann ist meiner Meinung nach deutlich persistenter als zB die Welt von WoW wo man mich nach meinem Ausloggen höchstens noch 24Stunden durch meine Auktionen warnimmt.