Mario Kart Wii - Test
EinzigKartiges Rennvergnügen!
Der Grund für unsere Gegenüberstellung liegt in der einzigen Schnittmenge, die beide Titel aufweisen: Sie sind mit viel Liebe zum Detail programmiert worden und wagen beide erstmals den Sprung zum Onlinegaming - sofern man die letzte Handheld-Episode von Mario Kart außer Acht lässt und nur die Heimkonsolen im Auge behält. Umso witziger ist es, dass Nintendos Kandidat in dieser Hinsicht deutlich besser abschneidet als Sonys Hoffnungsträger. Obwohl sich die Wii bislang nicht unbedingt einen großen Namen bei Onlinespielern machen konnte.
Eigentlich schon fies: Als der Redmonder Titan schon die Tore in die große, weite Welt öffnete, musste Nintendos GameCube in düsterer Abgeschiedenheit verkramter Kinderzimmer versauern. Viel zu selten durfte der sympathische Würfel die Onlinemuskeln spielen lassen und interkontinental zur Sache kommen. Aber was soll's? Auch wenn wir gern träumend an die alten Tage der Nintendo-Vita zurückdenken, hat auch der japanische Hersteller endlich den wichtigen Schritt ins Netz getan. Und genau darum zäumen wir in diesem Review auch das Pferd von hinten auf. Wir belasten euch nicht mit ausschweifenden Lobeshymnen auf die altehrwürdige Serie, die 1992 erstmals das Licht der Welt erblickte, sondern kommen gleich zur wichtigsten Neuerung. Wir gehen einfach mal davon aus, dass jeder, der mit Videospielen zu tun und nicht die letzten zwei Jahrzehnte hinterm Mond gelebt hat, etwas mit dem Namen Mario Kart anfangen kann. Kleine Gedächtnisstützen: Mario, Go-Karts, Schildkrötenpanzer, ungeheurer Multiplayer-Spaß, hämische Lacher, Suchtfaktor. Haben wir etwas vergessen?
Die Grafik ist nicht viel besser als beim GameCube-Vorgänger, glänzt aber erneut mit vielen liebevollen Details.
Bevor ihr die Reifen mit schnellen Drifts zum Qualmen bringen könnt, müsst ihr euch für einen der drei Schwierigkeitsgrade entscheiden. Der 50ccm-Modus beschränkt sich auf Karts und eignet sich am besten für Anfänger, die mit dem dicken Klempner bisher nur auf Schusters Rappen unterwegs waren. Wer's ein bisschen schneller mag, startet ein 100ccm-Rennen, kann sich aber ausschließlich hinters Steuer eines der vielen Motorräder schwingen, die den Fuhrpark aus der von Vierrädern dominierten Diktatur erlösen. Echte Virtuosen wagen sich in den 150ccm-Sektor und können sowohl mit Karts als auch Bikes loslegen. Überhaupt wurde der komplette Fuhrpark angenehm aufgestockt: für jedes Vehikel - egal ob Kart, Bike oder eines der seifenkistenähnlichen Autos - stehen mehrere Modelle zur Verfügung, die sich hinsichtlich verschiedener Attribute wie Beschleunigung, Driftverhalten oder Offroad-Tauglichkeit unterscheiden. Wer sich im Solomodus seine Sporen verdient, kann sogar weitere Wagen und Charaktere freischalten.
Während ihr den eher zur netten Dreingabe degradierten Grand Prix nur allein bestreiten dürft, zückt Nintendo diesmal den wichtigen Online-Joker. Zwar könnt ihr mit bis zu drei weiteren Spielern am Splitscreen in heimischer Wohlfühl-Stimmung die Remotes zum Knacksen bringen. Ihr könnt euch in den altbekannten Wettkämpfen die Luftballons oder Münzen abluchsen. Aber seinen vollen Reiz entfesselt dieses Mario Kart erst im knallharten Kopf-an-Kopf-Rennen mit zwölf menschlichen Online-Fahrern. Sowohl auf globaler als auch kontinentaler Ebene könnt ihr nach Gegnern Ausschau halten, Matches beitreten und eure Fertigkeiten unter Beweis stellen. Hier gibt es kein Gezeter, keine Ausreden mehr. Mit "echten" Kontrahenten gewinnen die Rennen eine wohlige Dynamik, die in den Vorgängern für den einen oder anderen Wutausbruch verantwortliche Gummiband-KI der CPU-Fahrer wird zum Relikt der Jugendzeit. Gleichwohl dürft ihr kein ausgefeiltes Multiplayersystem wie Xbox Live erwarten. Und für gute Leistungen wird lediglich euer mit 5000 Punkten startendes Konto aufgestockt. Aber es ist unheimlich launig, sich immer wieder Hals über Kopf in rasante Onlinerennen zu stürzen. Wer gerade einen guten Freund zur Hand hat, kann die Internetpisten auch im Duett unsicher machen.
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