Killzone 2 - Test
Genug Blut, Staub und Tod für eine Hölle 2.0
Jeder Versuch, die Umgebung wahrzunehmen und rettende Deckung zu finden, verbleicht im Moment des nächsten Schusses, der uns bis auf die Knochen zerfetzen soll. Wir hören nur dumpfes Dröhnen und sehen die Schemen des Kriegsszenarios, das in unmittelbarer Nähe tobt und sich doch so fern anfühlt. Mit dem Leben bereits abgeschlossen hören wir, wie ein kilometerweit entfernt wirkendes Flüstern -"Sev, geh in Deckung!" - durchs Projektildickicht dringt. Wir realisieren den Ernst des Moments und können uns nur noch hinter die aufgestapelten Blechlawinen improvisierter Schutzbarrieren kauern. Kollege Rico hat uns den Allerwertesten gerettet. Die Zeit für Dankbarkeit zu verschwenden wäre der blinde Lauf ins Bajonett des Feindes. Im Krieg ist kein Platz für Höflichkeit und zeitraubende Floskeln. Im Schutz des für Sekunden sicheren Platzes strecken wir den Lauf unseres metallenen Freundes durch eine winzige Mulde und vergessen den zentimeternahen Tod, dessen Atem wir immer noch im Nacken spüren.
Feinstaub ist das kleinste Problem
Beeindruckend ist, wie die Entwickler das technisch imposante und aus allen Poren Zerstörung verströmende Szenario einfangen: Der wehende Wind lässt Stofffetzen flattern und Staub über die lebensverneinende, karge Einöde des verschrotteten Planeten Helghan wirbeln. Überall giftet uns rostiger Stahl an, auf dem Schlachtfeld braut sich der Geruch von Dreck, Blut und Tod zusammen, während sich Rauchsäulen in die Höhe schälen. Peitschende Blitze zucken durch die dunkle Wolkendecke, als bereite sich die Welt auf den jüngsten Tag vor. Mit ausgefeilten Texturen, dem Bombast Funken sprühender Effekte und der herrlich realistischen Lichtregie lässt Guerrilla diesen rauen Kriegsschauplatz pulsieren und fast überkochen. Der gelebte Weltuntergang stellt sich in Killzone 2 nahezu minütlich in ständiger Abfolge brutalster Wahrheit des Krieges dar. Um dieses Bild zu vervollständigen, fehlen nur noch die vier apokalyptischen Reiter, die die Droschke des Todes gen Hades ziehen. Oder ins Höllenäquivalent von Helghan. Obwohl sich der Besuch beim gehörnten Paarhufer des Fegefeuers wie ein Cluburlaub auf Mallorca anhört, zieht der Überlebenswille am Körper des Sergeant Sevchenko, des Protagonisten, den wir durch die Hölle 2.0 jagen.
Sev und seine Kameraden gehören zur ISA-Einheit, die auf den Heimatplaneten der Helghast entsandt wird, um die ruppigen Dunkelmänner und ihren Imperator Visari zur Strecke zu bringen. Die Kernstory? Tötet sie alle! Viel mehr gibt der erzählerische Faden auch nicht her, dem schroffe charakterliche Konturen à la Marcus Fenix, Baird und Cole und vor allem ein paar Überraschungsmomente richtig gut getan hätten. Besonders im Vergleich mit Epics vor Rasanz triefenden und brillant arrangierten Zwischensequenzen muss Guerrilla den Kürzeren ziehen, wenn man fast ausschließlich von A nach B hetzt und auch nach Stunden spannende Zwischenfälle in den Cutscenes vermisst. Während die optischen Gesichtszüge vor Vielfalt strotzen, ist der Wesen der meisten beteiligten Figuren so dünn wie Esspapier. In Sachen Mimik, Gestik und Bewegungsapparat muss sich Guerrilla allerdings nicht hinter den Genregrößen wie Gears of War verstecken. Angst, Hass und Panik steht im Gesicht der Schachfiguren, als wären die Entwickler selbst als Frontsäue im vietnamesischen Dschungel eingesetzt worden. Wer sich erst mal im furchigen und herrlich lebendig animierten Antlitz von Imperator Visari verliert, denkt sofort an Heavenly Sword, das vor über einem Jahr ein ähnliches Niveau vorlegte. Schade nur, dass man diese Finessen nicht so oft zu Gesicht bekommt wie bei Ninja Theorys PS3-Kollegin.
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