Heavy Rain - Special
Regen aus Schwermut
In einer Zeit als er noch glücklich, verheiratet und berufstätig war, ereignete sich eines Tages ein schwerer Unfall. Dieser Schicksalsschlag hat seinem Leben den Sinn genommen und jeglichen Antrieb auf Null reduziert. Ethan hat seinen Sohn in einer Menschenmenge aus den Augen und ihn im Zuge dieses Fehlers verloren. Dieses tragische Ereignis belastet ihn emotional bis in die Zeit, in der wir ihn steuern können - zerfressen von Selbstzweifeln, Gewissensbissen und tiefsitzender Trauer. Wir holen unseren verbliebenen Sohn von der Schule ab und fahren mit ihm nach Hause. Es wird nicht viel gesprochen. Der Regen plätschert vor sich hin, trübt das Bild und hüllt die Szene in ein bedrückendes Gewand. In der Wohnung angelangt setzt sich Shaun vor den Fernseher. Lange Gespräche gibt es auch in den eigenen vier Wänden nicht. Wir sehen uns um, entdecken einen Tagesplan für Shaun und erkunden das Haus.
Der Spieler erhält alle Freiheiten des Alltags und ist gewissermaßen auf sich allein gestellt. Keinerlei Missionsvorgaben, Hinweise oder spielerische Richtlinien. Nicht mal ein Story-Pfad ist zu erkennen. Wir haben die Chance, ein Vater zu sein, das Haus zu begehen oder zu tun und zu lassen, worauf wir Lust haben. Was langweilig klingt, ist im Spiel unglaublich passend. Die emotionale Tristesse wird fantastisch in Szene gesetzt und steckt ein Stück weit an. Gerade weil der Grad des Realismus sehr hoch ist und die Reaktionen der Akteure außerordentlich authentisch rüberkommen. Die Szene schafft es, jeden Präsentationsteilnehmer in den Bann zu ziehen und zu fesseln. Und das obwohl im Prinzip nichts passiert.
Wir bereiten das Essen für unseren Spross zu, fordern ihn auf, den Fernseher auszuschalten, halten kleine, unbehagliche Smalltalks oder schicken ihn ins Bett. Und alle der genannten Aktionen beeinflussen die Beziehung zum eigenen Sohn und bestimmen das Schicksal und die Zeit, die übrigens in Echtzeit abläuft. Einfach alle Taten haben ihre Konsequenz und nichts ist in dieser Szene linear. Fast schon wie in einem Rollenspiel. Man kann sogar Jalousien zuziehen, in den Garten gehen, der Waschmaschine beim Waschen zuschauen, Bilderalben betrachten, die Ethan emotional aufwühlen, und sogar (endlich mal) seine Notdurft verrichten. Die so häufig genutzte Floskel, dass ein Spiel wie ein interaktiver Film zu betrachten ist, gewinnt mit Heavy Rain erst seinen vollen Wahrheitswert. Die Kamerafahrten, die Schärfen und Unschärfen, die musikuntermalten Szenen – einfach alles erinnert an einen Film. Einen Film, in dem man selbst die Geschichte bestimmt. Dass die Entwickler genau diesen Effekt erzielen wollten, stellte sich spätestens dann heraus, als Ethan Mars (Pascal Longdale) den Konferenzraum betrat. Ein Schauspieler, der exakt genau so aussah, wie zuvor gesehene Polygon-Figur. Für alle Hauptcharaktere existiert jeweils eine echte Person, die die Szenen im Spiel in langen Sitzungen als Vorlage für den Inhalt schauspielerisch dargestellt haben – sie wollten ihn „klonen“.
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Quietschgurke
27.08.2009, 10:22 Uhr
Die Behauptung, dass die Charaktere darunter zu leiden haben, kann ich gleich mal entschärfen. Die Entwickler sind allein 1 Jahr damit beschäftigt gewesen, die Charaktere auszuarbeiten und ihnen menschliche Züge zu verleihen.
Ich vermute, dass du nicht die Präsentation gesehen hast, die ich sehen durfte. Diese Szenen haben sich komplett von dem spielbaren Detektiv abgehoben, wie im Artikel auch beschrieben wurde.
Lass uns erst mal abwarten, ob das rückblickend ein Highlight war, oder nicht.
trurl
25.08.2009, 11:13 Uhr
An der hübschen Grafik, die übrigens in Bewegung gar nicht mehr so beeindruckend aussieht, hat man sich zudem schnell satt gesehen.
Galhara
22.08.2009, 20:57 Uhr
Ich kann mich noch an Versuche erinnern, die Adventures zu interaktiven Filmen verschmelzen wollten. Irgendwie sind dann die Point&Click Adventures geblieben. Vielleicht war damals der Ansatz falsch und ist hier besser gelöst?
Jedenfalls hört es sich interessant genug an das weiter zu verfolgen.