Game Developers Conference - Kolumne
Die unnütze Suche nach dem nächsten Level
Warum nicht? Schließlich waren es im letzten Jahr doch gerade die alten, ja fast schon angestaubten Genres, die uns mit ihrer frischen Art überzeugten. Nintendos roter Klempner springt noch immer fröhlich im Jump and Run hohen Wertungen entgegen, während sich Rapture durch eine beeindruckende Atmosphäre als Shooter dutzende Awards sicherte. Doch statt auf traditionellen Werten aufzubauen, scheinen sich die Entwickler dem Trend des WorldWideWebs anzuschließen. Hauptsache neu, Hauptsache innovativ, Hauptsache 2.0.
Warum mich das stört? Klar, ich habe nichts gegen einen kreativen Rundumschlag wie Spore einzuwenden und freue mich wie ein Kind auf Sonys Little Big Planet. Aber wenn eine unumstrittene Qualität branchenübergreifend - der Innovation sei Dank - in ein laues Lüftchen verwandelt wird, hege ich große Zweifel, ob das der richtige Weg ist. Oder habt ihr schon anno 2005 ein Bauklötzchenspiel erwartet, als sich Regisseur-Größe Steven Spielberg für drei Spiele verpflichtete? Wohl kaum.
Statt einen Blick auf die Verkaufscharts zu werfen, sinnt Gordon Walton von BioWare in seiner Diskussionsrunde nach einer Konflikt-Lösung ohne Kampf. "Designing Conflict Resolution without Combat" soll einladen, zusammen nicht-traditionelle und innovative Methoden zur Konflikt-Bewältigung innerhalb von Spielen zu finden. Klingt wahnsinnig euphorisch, erklärt aber nicht, warum Call of Duty in seiner vierten Ausgabe mit einem Kriegs- und Gewalt-Szenario mal so eben über sieben Millionen Einheiten verkauft. Selbst in den so beliebten Arcade Games auf Xbox Live wird gewildert und innovativisiert, was das Zeug hält. Scott Austin vom Redmonder Konzern erklärt, wie man die Arcade Games "to the Next Level" bringt. Die Frage aller Fragen ist: Warum? Warum das Flair alter Zeiten austauschen und bei einem Klassiker hier und da an der Grafik-Schraube drehen? Nur zu gerne schwelge ich doch in Erinnerungen an die guten alten Zeiten. Bedarf es wirklich einem "Pimp my Arcade Game", um Erfolg auf Xbox Live zu haben? Sind es nicht genau die groben Pixel, die uns damals begeisterten? Und hat nicht erst der unverkennbar nervige und penetrante Sound dafür gesorgt, einer Melodie Kultstatus zu verleihen?
Sogar Kreativ-Muffeln verschafft die GDC Abhilfe. Der 20-Minuten-Workshop "Defeating Designer's Block, Tools to Boost Creative Output" hilft neue Methoden, Ideen und Konzepte schneller und besser umzusetzen. Die Folge für uns Spieler daraus dürfte aber wohl kaum eine Fülle neuer Toptitel sein, die nun noch schneller auf dem Markt erscheinen.
Liebe Entwickler, für gute Spiele müsst ihr das Rad nicht neu erfinden. Ihr benötigt auch keine neuen Methoden, um eure Kreativität zu pushen. Selbst utopische Hardware-Anforderungen sind noch längst keine Garantie, um das Prädikat Toptitel zu erhalten. Und auch der noch so innovativste FPS-RTS-MMORPG-Mix mit Cel-Shading-Look und YouTube-Upload-Funktion für Nintendos Wii ist nicht automatisch ein Kassenschlager. Ihr müsst ja noch nicht mal die Kristallkugel aus dem Schrank holen, um zu wissen, worauf wir Spieler stehen. Ein einfacher Blick auf die Release-Liste genügt, um zu wissen, dass ein stinknormales Rennspiel wie Gran Turismo 5 Sonys Absatzzahlen der PS3 steigern wird. Auch Mario Kart wird - oh mein Gott, wie kann das nur sein? - ohne große Innovationen sehnlichst erwartet. Es sind die ach so langweiligen Genres, die uns vor den Bildschirm oder auf die Couch locken. Egal ob packende Stealth-Action mit Snake, taktisches Salventanzen in Las Vegas oder MMO-Power in Warhammer Online - Spielspaß geht auch 2008 vor Innovations-Geilheit.
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Ghaleon
23.02.2008, 10:19 Uhr
"Hauptsache neu, Hauptsache innovativ, hauptsache 2.0." - Muss da sein ? ich liebe z.B. Rollenspiele,
hauptsache die Story ist mindestens so packend wie ein tolles Buch, noch bisschen nette Grafik z.b. im
Anime-Styl und ich bin glücklich.
"Warum das Flair alter Zeiten austauschen und bei einem Klassiker hier und da an der Grafik-Schraube
drehen?" Weil unsere Ansprüche - auch wenn wirs uns nicht gerne eingestehen wollen massiv gestiegen sind.
"Nur zu gerne schwelge ich doch in Erinnerungen an die guten alten Zeiten."
Geh mal in dich, sinne zurück und schau dir die Spiele von Früher gut an. Was die "gute alte Zeit"
ausmacht ist nicht unbedingt die Qualität der Spiele damals, sondern unsere tollen Erinnerungen: unsere
Gefühle die wir mit unseren Gamer-Herz daran gehängt haben. Alles war neu, alles war meistens soviel
revolutionärer als das vorherige.
Wenn ich mir die Spiele heute mit den augen von damals sehe... würde ich sagen "scheisse!!! sind die geil !"
Tatsächlich haben wir wircklich richtig viele gute Spiele , spiele die nach den Standarts von früher heute
alle die 80'er und 90'er %-Marken übersteigen würden. Doch unsere Ansprüche und Erwartungen sind erheblich
gesteigen. Deswegen kommen uns viele Spiele die erscheinen und nich "innovativ" sind die nicht wieder eine
Revolution sind so blass, öde, alt vor. Und wir denken an die gute alte Zeit.
Es erscheinen heute Spiele in einer Geschwindigkeit die uns früher den Atem geraubt hätte, ich komme
im moment mit den ganzen Titeln längst nicht mehr hinterher - mein Geldbeutel kann das garnicht mehr
mitmachen. Allein was die ganzen mmopgs an Zeit brauchen um die highs zu kommen und das Spiel größtenteils
zu erkunden. Wenn ich heute LAN mit freunden mache (kommt langsam außer mode?) ist unser größtes Problem ein gemeinsames Spiel zu finden...
"Spielspaß geht auch 2008 vor Innovations-Geilheit."
Word!
Innovation vs. Fließband:
Innovation lässt sich nicht erzwingen, wenn man krampfhaft versucht geners am Fließband zu mixen muss da
nicht unbedingt ein kassenschlager herauskommen. Ich begrüße jeden Spieletest der ein Spiel das die "altbackene" Spielweise richtig macht - auch immer noch super bewertet.
Gnoos
21.02.2008, 01:30 Uhr
klar sollen sich spiele weiterentwickeln - aber dafür braucht man kein neues genre. call of duty 4 ist ein gutes beispiel...es hat ein komplett anderes setting und ist durch die tolle inszenierung ein actionerlebnis. die wertungen sind hoch, die verkaufszahlen sind hoch und das alles hat das spiel wirklich verdient - ohne neue features, ohne innovation...es ist ein "einfacher" shooter, aber ein sehr guter.
Mike814
20.02.2008, 21:44 Uhr
Der verbreitetste Ansatz der Spieleentwickler scheint ja im Moment zu sein aus Teil 2 mach 3...
Hier ein Klon eines beliebten Ego-shooters dort noch ein WoW-Klon und natürlich der 4 Teil einer bekannten Spieleserie usw...
Ich find es wirklich erschreckend das die Umsatzzahlen trotzdem in die Höhen schnellen...
Also ich persönlichen hab die Nase voll davon ewig den gleichen Braten zum 5ten mal aufgewärmt vorgesetzt zu bekommen. Wie ein ehemaliger GIGA-Moderator so schön formuliert hat:"sucht das wichtigste Element im Spiel und lasst es Weg..." zB.: nen Shooter ohne Knarren oder Rennspiel ohne Autos etc.
Schön das es doch eineige Entwickler gibt die das mitbekommen haben und sich bei der GDC zusammen setzten um endlich mal was dagegen zu unternehmen.