Family Ski - Test
Nicht nur die falsche Jahreszeit
Kaum das erste Mal den Anfänger-Abschnitt heruntergesaust, war die Freude am Spiel gleich ganz dahin. Mit Wiimote und Nunchuck als virtuelle Skistöcke in der Hand und mit dem Board unter den Füßen erwartete ich eigentlich eine rasante Abfahrt, auf der ich sicherlich Mühe haben würde, mein Mii auf den Beinen zu halten. Doch weit gefehlt. Family Ski ist wirklich so familienfreundlich, dass es sogar auf die vertikale Aussteuerung des Gewichts verzichtet. Der Einfluss auf eure virtuellen Skier beschränkt sich also auf das Verlagern eures Gewichts von links nach rechts, wobei die Empfindlichkeit deutlich niedriger ist als bei Wii Fit.
Da die Abfahrt eher gemächlich vonstatten geht, ist von einem Geschwindigkeitsrausch so gut wie nichts zu merken. Das verführt unter anderem dazu, mitten auf dem Hang mit den Skistöcken herumzufuchteln, um an Fahrt zu gewinnen, was in der Realität sowohl für euch als auch eure Umgebung ziemlich gefährlich wäre. Aber in Family Ski hat das offensichtlich keine Auswirkung. Im Gegenteil, es ist die einzig wirksame Methode, um ein wenig an Fahrt zu gewinnen. Da wollte man es den Anfängern wohl besonders leicht machen, wie?
Also rauf auf den höchsten Punkt des Hangs, der für Profis reserviert sein soll, letztendlich aber nur einen kurzen gefährlichen Abschnitt bietet und anschließend in einen bereits bekannten, leichteren Kurs mündet. Bei den kilometerlangen Strecken eines Ridge Racer lässt man sich ja sowas noch gefallen, aber bei Family Ski war Schmalhans Küchenmeister. Nach rund 15 Minuten kennt ihr den kompletten Kurs mit allen Gabelungen - das ist einfach zu wenig. Bei einer derart simplen und überzuckerten Grafik, die viel eher auf winterliche Magie als auf Details setzt, hätten locker fünf oder noch mehr solcher Abhänge auf die DVD gepasst. Sogar mit den ganzen herumstehenden NPCs, mit denen ihr sinnlose Schwätzchen halten könnt, um euch jedes offensichtliche Detail des Spiels noch mal breit treten zu lassen.
Wer es irgendwann satt hat, den herumstehenden Mii-Klonen kleine Lieferantendienste zu leisten, kann höchstens auf die arcadigen Skirennen zurückgreifen, bei denen unterschiedliche Abschnitte mit enger Begrenzung in Bestzeit herunterfahren werden sollen. Oder ihr nehmt euch Buckelski-Parcour vor. Doch herrschen auch hier die gleichen Regeln wie beim Abhang. Sprich, ihr müsst euch mit dem einen Kurs zufriedengeben, der lediglich in drei Abschnitte für jeden Schwierigkeitsgrad aufgeteilt wurde.
Ihr könnt Family Ski übrigens auch ohne Balance-Board spielen. In diesem Fall signalisiert ihr den gewünschten Drehungsgrad der Skier und alle anderen Aktionen über die Neigungssensoren von Wiimote und Nunchuck. Ein wenig EIngewöhnung vorausgesetzt, lässt sich die Steuerung schnell adaptieren. Mit der Funktion als virtuelle Skisticks und parallelem Neigungssensor sind die Bedienelemente allerdings überbelegt. Zu oft passiert es, dass man beim Anstoßen unbeabsichtigt die Richtung ändert.
Der Einsatz der Standardsteuerung erlaubt zwar Mehrspielerpartien per Splitscreen, mehr Spaß macht die hingehudelte Abfahrt aber trotzdem nicht, weil es insgesamt einfach an Herausforderungen fehlt. Hier mal ein kleiner Abschnitt Buckelpiste, da mal eine enge Passage mit steiler Kurve - mehr steht nicht auf dem Programm. Zumal man gerade als Einzelspieler überwiegend gegen die Zeit fährt. Selbst wenn man kleinen Story-Aufgaben wie einem Fastfood-Service nachgeht.
Warum Namco Bandai so viel Wert auf Kleinigkeiten wie Tageszeiten und Kommunikation mit NPCs legt, wenn das Grundgerüst des Spiels derart dünn ausfällt, liegt auf der Hand: Die Zielgruppe sind blutige Anfänger und extreme Casual Gamer, die mehr Spaß am lustigen Nachahmen des Skifahrens haben als an einer virtuellen Herausforderung.





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