Fable 2 - Test
Diesmal wirklich fabelhaft?
Dabei war ich nach einer Stunde noch neugierig und gespannt, schließlich beginnt die Geschichte viel versprechend - in den Straßen der Stadt Bowerstone. Die weiße Pracht schmückt Dächer und Bäume, Straßenzüge und Handelsstände. Nach der bis auf die Wahl des Geschlechts nicht existenten Charaktererstellung findet man sich in der winterlichen Kälte Bowerstones wieder. Aber nicht allein, sondern in Gesellschaft der älteren Schwester Rose, die bibbernd neben einer brennenden Tonne steht. Viel mehr als eine spärliche Behausung ist den beiden Bettlerkindern nicht geblieben, deren einziger Wunsch es ist, im Schloss Lord Luciens zu leben. Plötzlich taucht ein zwielichtiger Händler auf, der eine Spieluhr offeriert, die angeblich Wünsche erfüllt. Und hier lässt sich zum ersten Mal diese mysteriöse Frau namens Theresa blicken, die in anfänglichen Dialogen erste Fragen aufwirft. Warum glauben so viele Kinder nicht mehr an Magie? Ist die Spieluhr vielleicht doch kein Schrott? Der Händler will nur fünf Goldstücke dafür, und die sollte man doch leicht auftreiben können, oder?
Die Stadt, in die Lionhead entführt, ist zwar noch nicht komplett geöffnet, bezaubert aber mit einem herrlichen Gespür für Kleinigkeiten, mit schneebedeckten Fachwerkhäusern und verwinkelten Gassen, flackernden Laternen und Handelsständen. All das ist stilistisch nicht so realitätsnah wie etwa The Witcher, sondern immer comichaft überzeichnet, mit markantem Mode-, Architektur-, Charakter- und Waffendesign. Überall tuschelt es, überall dampfen die Gullis, die Schneeflocken fallen und Kinder jagen durch die Straßen. Das passt alles herrlich zusammen, hier fühlt man sich wohl. Besonders da man nach spätestens einer Stunde stolzer Besitzer einer Spieluhr ist, die zudem den Herzenswunsch erfüllt - endlich ins Schloss. Leider ist die Audienz bei Lucien keine lange, als er plötzlich etwas von Heldenblut murmelt, unverständliches Zeug faselt und eine Waffe zieht. Und leider ist dieser frühe Tod eurer Schwester auch kein emotionaler, da ihr im Vorfeld zu wenig erzählerische Aufmerksamkeit gewidmet wurde.
Lionhead schafft hier nicht mehr als die Rechtfertigung für das Motiv der Rache, das der Story mit einem zu früh an die Wand gemalten Feindbild einen großen Teil der dramaturgischen Essenz raubt. Schon im ersten Teil jagte man auf einer Schwarz-Weiß-Spielwiese einen Fiesling namens Jack of Blades. Und auch in Fable 2 legen die Autoren die Karten viel zu früh auf den Tisch, lassen kaum Spielraum für Spekulationen und die Story zu schnell in die Suche nach drei wichtigen Helden ausarten. Ihr fehlt unterm Strich einfach das mysteriöse Brodeln, das Ungewisse, das Spiele wie Gothic 1 oder The Witcher so geschickt nutzten. Dieser Lucien bleibt als Charakter in seinem Elfenbeinturm erschreckend blass, ohne wirklich Angst einzujagen. Immer wieder denke ich gern an Jon Irenicus aus Baldur's Gate 2 zurück, der die Helden in Traumsequenzen mit seinem Auftreten quälte, meinetwegen sogar an Azar Javed und den Professor aus The Witcher. Diese Art von Gegenspieler war scheinbar zu viel für Lionhead, und wenn selbst die späteren Ladebildschirme mitteilen, dass "das Spiel nach dem Tod Luciens nicht zu Ende" ist, weicht die letzte Hoffnung aufs große Epos. Unser Held wird jedenfalls vor dem Tod gerettet und gerät in die Obhut der mysteriösen, fast blinden Theresa, die ihn für diesen einen Tag vorbereitet. Diesen Tag, der nach dem spielbaren Tutorial einen Schnitt macht und euch zehn Jahre später als junger Mann auf Rachefeldzug schickt.
All das könnte bei echten Rollenspielern und Story-Genießern, die das erzählerisch geschliffene Kleinod erwartet haben, schnell für Ernüchterung sorgen. Aber wie alle Molyneux-Spiele blitzen auch in Fable 2 viele klasse Ideen auf, die es zu etwas Besonderem machen. Etwas, womit man sich trotz massiver Story-Schwächen, trotz des einfach gestrickten Questdesigns stundenlang beschäftigt. Nehmen wir das One Button Combat-System, das über die farbigen Knöpfe des Pads sowohl Schwert- als auch Fernkampf- und Magieattacken ermöglicht. Allein der X-Knopf genügt, um die Klinge herrlich flott tanzen zu lassen. Anfangs kann man nur simple Schläge aneinanderreihen, später durch längeres Gedrückthalten sogar Spezialangriffe vom Stapel lassen. Das funktioniert aus jeder Position in alle Richtungen und ruft immer andere Animationen hervor. Wenn der Held dabei an einer Wand steht, stößt er sich davon ab; an Klippen stehende Feinde befördert er per Tritt nach unten. Und besonders spektakuläre Hiebe werden in Zeitlupe inszeniert, wobei die Gegner nicht selten dank Ragdoll-Physik schmerzhaft verkrampft in die Tiefe segeln.
Es kommt martialische Spielfreude auf, wenn man gerade zwei Untote in Zeitlupe enthauptet, die stöhnend auf den Boden krachen. Später kann man sich auch seitlich wegrollen, blocken, kontern und sogar assassinenhafte Angriffe von hinten starten. Schade hingegen, dass Lionhead den Moment des feindlichen Ernstkontakts nicht immer brillant inszenieren kann. Jeder Gegner wird bei der ersten Begegnung mit einem kleinen Video vorgestellt. Und dann schälen sich da ein paar müde Untote aus dem Boden, die einfach keine Angst einjagen. Als mir hingegen der Balverine aus dieser nächtlichen Stille ins Gesicht kreischt, zucke ich vor Schreck zusammen und denke nur: Yeah baby, warum nicht immer so? Später kommen Kultisten, dunkle Wachen oder moosbedeckte Trolle dazu, die aus dem Boden schießen und bei jedem gelungenen Treffer hämisch lachen.
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Chiaro
27.10.2008, 09:38 Uhr
Guildmaster89
21.10.2008, 16:09 Uhr
LegoJoe
21.10.2008, 12:37 Uhr
der tester scheint sich ja mit der materie auszuukennen. besonders der vergleich mit irenicus sagt eine menge aús.
dieser neue bösewicht scheint ja nicht vielmehr als der aus fable 1 zu sein. schade eigentlich...
mal sehen ob ichs mir noch hole ^^
Belder
21.10.2008, 09:52 Uhr
Ich sehe Tests sowieso immer nur als Leitfaden an, denn Geschmäcker sind verschieden. Hab bei so vielen Spielen schon gelesen das die Story total toll ist und als ich es mir dann gekauft habe, war ich total enttäuscht weil ich sie zu durchsichtig und ereignislos empfand und so schlecht ist der Test nun mal auch nicht ausgefallen.
@Valve Soweit ich weiß, wurde mal gesagt, das es von Fable 2 keine PC Version geben sondern es kompellt 360 Exklusiv bleiben wird. Aber heutzutage ist sowas ja auch nicht mehr in Stein gemeißelt
LongdongJohnson
20.10.2008, 22:05 Uhr
wer sich beim kauf nur auf einen einzigen test eines einzigen magazins verlässt ist eh nicht mehr zu retten. wie viele perlen wären mir dadurch entgangen ...^^
@Fotomoloman
hast du fable 2 denn überhaupt schon gespielt? anstatt hier rumzuflamen, solltest duabwarten und erstmal selbst spielen bevor du hier so ein fass aufmachst.
Fotomoloman
20.10.2008, 21:45 Uhr
RohanReiter
20.10.2008, 18:15 Uhr
Und da sieht man mal wieder: es ist nicht alles Gold was Molyneux zum Glänzen bringen will.
Der kerl muss endlich mal begreifen, dass große Ideen nix bringen, wenn man sie nicht gescheit umsetzt.
Schade eigentlich, hätte ja was werden können ^^
Senaca
20.10.2008, 17:26 Uhr
die dialoge sind zum teil herrlich.
wenn sich die ein wache z.b. von einem meiner mitstreiter anlabbern lassen muss, dass sein name keinen sinn ergibt. und dieser dann auch recht beleidigt ist.
mir machts auf jeden spass. so wie der erste teil.
Danke für den test.
Valve
20.10.2008, 17:18 Uhr