Kettenhemd? Sitzt! Bogen? Gespannt! Breitschwert? Gewetzt! Tagebuch? Bis obenhin voll! Auf ins Abenteuer! Aber wo bleiben Charaktere, epische Quests und Nervenkitzel?
Vor kurzem kramte ich mal wieder Planescape Torment aus dem Schrank, machte Sigil zusammen mit Morte, Grace, Dak'kon und Co unsicher. Und wurde fast erschlagen von all den Informationen, dem geschichtlichen Stoff zum Stöbern, den abertausenden erzählerischen Anspielungen auf das wichtige Schicksal des Vernarbten. Aber nicht, weil ich über die Jahre hinweg verweichlicht bin oder mich für gewöhnlich in der storylosen Hack-&-Slay-Ecke herumdrücke. Der Grund liegt vielmehr darin, dass Drakensang in den letzten Wochen das PC-Laufwerk in Beschlag nahm. Dieses Party-Rollenspiel von Radon Labs, das den Zauber der alten Schule mit taktischen statt hirnlosen Kämpfen, mit Herz und Seele eines echten Abenteuers wiederbringen wollte. Ein aventurischer Ausflug, der einen wochenlang nicht mehr schlafen lassen, eine Achterbahnfahrt aus emotionalen Höhen und Tiefen starten wollte. Wollte? Verdammt, WOLLTE?
Viel erfahrt ihr über eure Begleiter nicht. Sie bleiben meist stumm, mischen sich so gut wie nie ein.
Ja, denn all diese süßen Versprechen, die das Genre aus der langsam zum Himmel stinkenden Armut erwecken sollten, kann Radon Labs nicht vollends einhalten. Es klappt nicht, der Funke glimmt schwach, will aber selbst nach über 30 Stunden nicht komplett überspringen. Mag sein, dass die Entwickler hier mit unglaublicher Tiefe in Sachen Charakterentwicklung punkten. Mag sein, dass die taktischen Kämpfe vor der ansehnlichen Kulisse endlich wieder Geist statt Zeigefinger fordern. Und dass die intuitive Menüführung ein dickes Lob verdient. Es sind auch keine kleinen Bugs, holprige Laufanimationen, vereinzelte Abstürze oder happige Ladezeiten, die Aventurien auf lange Sicht weniger interessant machen. Es ist das Geflecht aus blassen Charakteren, lebloser Heldenparty, Sammelquests und schwacher städtischer Fassade. Zugegeben, der Vergleich mit Black Isles Meilenstein kann heutzutage und vor allem unter den genannten Gesichtspunkten eigentlich nur schief gehen. Aber selbst wer hier "nur" ein Epos vom Schlage eines Baldur's Gate erwartet, dürfte enttäuscht werden. Und sollte BioWares Edel-Fantasy nicht als großes Vorbild dienen?
Diese feinen Sticheleien, das pikante Gemotze und all die ketzerischen Anfeindungen innerhalb der maximal vierköpfigen Gruppe, die in anderen Spielen immer für so ein herrliches Mittendrin-Gefühl sorgten, setzt Radon Labs verdammt sparsam ein. Viel zu selten mischen sich die Begleiter in die Dialoge ein, brechen einen Streit vom Zaun oder pflaumen sich mürrisch an. Man fühlt sich stellenweise wie in der Mitte einer gesichts- und seelenlosen Söldnertruppe. Ihre Kommentare beschränken sich meist auf einen zur Situation passenden Zweizeiler, den sie beispielsweise beim Betreten eines Gebiets zum Besten geben. Als ich von einer Inquisitorin beauftragt werde, einer Hexe das letzte Geleit zu geben, meldet sich die süße Scharlatanin Kladdis zwar, um ihren Unmut zum Thema "Mord" auszuposaunen. Aber wieso kann ich mich im Dialog nicht tiefer reingraben? Wieso folgt hier keine Diskussion über Moral und Ehre? Warum gibt es keine Streitigkeiten, keinen Konflikt? Selbst das im Dialogbereich bestenfalls unterhaltsame Neverwinter Nights 2 brachte die Brisanz des Augenblicks wesentlich besser rüber. Und als die Alte endlich alle Viere von sich streckt, bleibt die gute Kladdis auf einmal stumm wie ein Fisch... Auch wenn man sie direkt anspricht, erfährt man wenig Spannendes, kaum witzige Geschichten. Im Endeffekt entsteht zu keinem Zeitpunkt eine Bindung zwischen Spieler und Begleitern; sie bleiben blass und eindimensional; man vermisst Profil, Ecken und Kanten. Erst später bekommt man eine Quest, die Rückschlüsse auf die Vergangenheit der wortkargen Amazone Rhulana zulässt und erzählerisch interessantere Wurzeln schlägt - warum gibt es nicht ein paar mehr davon?
Idyllisch: Dieses Anwesen geht in euren Besitz über. Hier könnt ihr die restlichen Begleiter oder Ausrüstung "lagern".
Dass dtp nur einen Bruchteil der gesprochenen Dialoge vertonen ließ, ist angesichts älterer, wesentlich textlastigerer Rollenspiele à la KotOR zwar etwas schade. Aber auch nicht allzu schlimm, wenn man die fehlenden Sprecher mit einer Prise Fantasie ausgleichen kann. Machen die Kerle dann doch mal den Mund auf, wünscht man sich oft, sie hätten es bleiben lassen. Wie soll eine Beziehung entstehen, wie sollen Emotionen zum Vorschein kommen, wenn einige der Sprecher bestenfalls ausreichende Arbeit abliefern? Die Partymitglieder und wichtige Charaktere klingen durch die Bank recht ordentlich. Aber schon eine Minute später krächzt ein Händler, wimmert ein mächtiger Magier, während sein Novize wie ein schluchzendes Schulkind krakeelt. Wenn genau dieser Erzmagier Rakorium mit "oioi"-, "hui"- und "äh"-Lauten um sich wirft, dann ist das vielleicht DSA-typisch, aber er schindet nicht gerade Eindruck. Und wenn man von einer geretteten Kröte mit einem irgendwo zwischen gequält und verschnupft angesiedelten "Quak quak" begrüßt wird, fühlt man sich wie in einem digital gewordenen Märchenbuch für Kinder.
Dennoch: Auf rein textlicher Ebene kann man den Autoren bis auf ein paar infantile Peinlichkeiten nicht viel vorwerfen. Was aber, wenn die emotionale Dynamik des Augenblicks durch dilettantische Patzer zunichte gemacht wird? Nach mehreren Stunden stelle ich endlich den Mörder von Ferdok, der einige wichtige Stadtbewohner auf dem Gewissen hat. Noch während der Dialog startet, sehe ich hinter ihm eine Frau, die ebenfalls dran glauben sollte. Rettung in letzter Sekunde? Wenn man sich die Gute anschaut, könnte man meinen, hier sei gar kein Schwert, kein Zauberspruch vonnöten. Während mir der aalglatte Kerl seine persönlichen Motive offenlegt, steht sich die Grazie seelenruhig die Beine in den Bauch, räuspert sich und hustet. Äh... hallo!? Wie soll an derart wichtigen Schlüsselszenen Nervenkitzel und ein Gefühl der Bedrohung entstehen, wenn man das Drama nicht spüren, nicht hören kann?
Drakensang ist ein wirklich gutes atmosphärisches Spiel, kann dem Test nur zu 34 % zustimmen! Quests der marke, töte soundsowviel gibt es nun mal in jedem Rollenspiel, trotz allem hat DSA eine wirklich gute stimmungsvolle Geschichte!
Ich finde du hast mit einem Review den Nagel auf den Kopf getroffen. Wo bei 4Players, die eine ähnliche Wertung vergeben haben, die Kritikpunkte aber teilweise fragwürdig erscheinen, erläuterst du ausgezeichnet warum dieses Spiel es nicht auf den Gipfel schafft. Genau das selbe Gefühl hatte ich beim Spielen auch, auch wenn ich es noch nicht durch habe (die Chancen stehen schlecht dass ich es jemals schaffe, aufgrund der wenig mitreißenden Story/Inszinierung). Was ich im Review vermisst habe ist, dass du auf die stark eingeschränkte Charaktergenerierung hinweist. Aber das muss ja jeder für sich selber gewichten.
Bereite dich schonmal auf eine Menge Flame vor: du hättest es nicht mal durchgespielt, du seist subjektiv, du willst nur Aufsehen erregen... Das wird jetzt ganz hässlich :D
zur Spielzeit: Sorry, aber das stimmt einfach nicht. Wenn man bis weit nach der Drachenqueste spielt, Dutzende Orks, Oger und ein paar richtig gute Bossgegner getötet hat, immer noch Laufarbeit verrichten muss und zu schnöden 0815-Quests verdonnert wird, dann ist das einfach unbefriedigend - zumal es hier wirklich ein paar tolle Ansätze gibt. Ich denke da an den Zwerg im Fass oder die Trolle in der Taverne.
Okay, selbst Baldur's Gate oder NWN konnten in den ersten Momenten wenig Zauber versprühen, kamen stockend in Gang. Aber nach Stunden zog es an, die Quests wurden besser und die kleinen Geschichten interessanter.
Bei Drakensang vermisse ich das einfach; selbst die seelenlosen Söldner in NWN waren witziger, hatten mehr Ecken und Kanten als die Begleiter in Drakensang, das mit seinen taktischen Kämpfen durchaus Spaß machen kann.
Aber man vermisst Gezicke, man vermisst Lebendigkeit, nachvollziehbare Reaktionen, Konsequenzen. Und nicht zuletzt den großen epischen Knall, den es einfach nicht gibt.
Drakensang ist an wichtigen Stellen nicht intensiv genug und lässt den Spieler lange Zeit durch einen Sumpf aus lahmen Quests, schwacher städtischer Kulisse und blassen Charakteren waten. Aber das steht ja auch alles im Text.
Dennoch: da die Meinungen zum Spiel dermaßen pulsieren, ist die Demo keine schlechte Idee. ;)
Stimmt. Spätestens ab der Möglichkeit das ganze per Demo zu testen würde ich meiner eigenen Meinung höheres Gewicht geben als einem Test. Wir folgen leider häufig den Irrglauben, dass wenn irgendwo etwas geschrieben steht es auch wahr sein muss. Falsch! kann ich da nur sagen.
Tut mir leid, aber dieser Test ist genau so schlecht und subjektiv geschrieben wie der von 4 Players.de!
Wer sich dennoch absichern möchte, sollte sich lieber in verschieden Foren umsehen, da könnt ihr Meinung von Leuten
lesen die nicht nur die Oberfläche angekratzt haben.
Ihr sucht ein neues, innovatives und Actionreiches Spiel?
Da seit ihr bei Drakensang auf jeden fall falsch. Wer jedoch auf Klassische RPG´s steht wird an diesem Spiel sicher seine freude haben. Ich empfehle daher den Kauf von Drakensang, da es zum einen deutlich Bugfreier ist als andere Rpg´s die uns in der letzten Zeit "beglückt" haben, die Quests nicht so langweillig sind, wie sie dargestellt werden (Ich bitte euch mal die Quests bei den lezten "Top" Rpg´s an zuschauen, die keineswegs besser sind) und natürlich das flair was bei so einem RPG aufkommt, wie ich es zuletzt bei Gothic 1 hatte.
Deher Rate ich euch ladet euch die Demo, macht euch ein eigenes Bild und verlasst euch nicht auf Meinungen anderer die keine Ahnung von Genre haben.
wollte mir eigentlich das Spiel kaufen, jedoch nach diesen und einigen anderen Tests werde ich mir es noch einmal überlegen, schade, schade habe mich sehr auf dieses Game gefreut.
Baldora
13.08.2008, 11:22 Uhr
nicht laden
o weeee
VirtualZeraphine
08.08.2008, 00:52 Uhr
Nathaniel22
07.08.2008, 20:44 Uhr
Ich finde du hast mit einem Review den Nagel auf den Kopf getroffen. Wo bei 4Players, die eine ähnliche Wertung vergeben haben, die Kritikpunkte aber teilweise fragwürdig erscheinen, erläuterst du ausgezeichnet warum dieses Spiel es nicht auf den Gipfel schafft. Genau das selbe Gefühl hatte ich beim Spielen auch, auch wenn ich es noch nicht durch habe (die Chancen stehen schlecht dass ich es jemals schaffe, aufgrund der wenig mitreißenden Story/Inszinierung). Was ich im Review vermisst habe ist, dass du auf die stark eingeschränkte Charaktergenerierung hinweist. Aber das muss ja jeder für sich selber gewichten.
Bereite dich schonmal auf eine Menge Flame vor: du hättest es nicht mal durchgespielt, du seist subjektiv, du willst nur Aufsehen erregen... Das wird jetzt ganz hässlich :D
seb
07.08.2008, 18:02 Uhr
zur Spielzeit: Sorry, aber das stimmt einfach nicht. Wenn man bis weit nach der Drachenqueste spielt, Dutzende Orks, Oger und ein paar richtig gute Bossgegner getötet hat, immer noch Laufarbeit verrichten muss und zu schnöden 0815-Quests verdonnert wird, dann ist das einfach unbefriedigend - zumal es hier wirklich ein paar tolle Ansätze gibt. Ich denke da an den Zwerg im Fass oder die Trolle in der Taverne.
Okay, selbst Baldur's Gate oder NWN konnten in den ersten Momenten wenig Zauber versprühen, kamen stockend in Gang. Aber nach Stunden zog es an, die Quests wurden besser und die kleinen Geschichten interessanter.
Bei Drakensang vermisse ich das einfach; selbst die seelenlosen Söldner in NWN waren witziger, hatten mehr Ecken und Kanten als die Begleiter in Drakensang, das mit seinen taktischen Kämpfen durchaus Spaß machen kann.
Aber man vermisst Gezicke, man vermisst Lebendigkeit, nachvollziehbare Reaktionen, Konsequenzen. Und nicht zuletzt den großen epischen Knall, den es einfach nicht gibt.
Drakensang ist an wichtigen Stellen nicht intensiv genug und lässt den Spieler lange Zeit durch einen Sumpf aus lahmen Quests, schwacher städtischer Kulisse und blassen Charakteren waten. Aber das steht ja auch alles im Text.
Dennoch: da die Meinungen zum Spiel dermaßen pulsieren, ist die Demo keine schlechte Idee. ;)
und @Valve:
Sorry, aber das ist einfach Blödsinn... :)
Valve
07.08.2008, 16:59 Uhr
-20%
Nestro
07.08.2008, 12:18 Uhr
basti1407
07.08.2008, 12:02 Uhr
Wer sich dennoch absichern möchte, sollte sich lieber in verschieden Foren umsehen, da könnt ihr Meinung von Leuten
lesen die nicht nur die Oberfläche angekratzt haben.
Ihr sucht ein neues, innovatives und Actionreiches Spiel?
Da seit ihr bei Drakensang auf jeden fall falsch. Wer jedoch auf Klassische RPG´s steht wird an diesem Spiel sicher seine freude haben. Ich empfehle daher den Kauf von Drakensang, da es zum einen deutlich Bugfreier ist als andere Rpg´s die uns in der letzten Zeit "beglückt" haben, die Quests nicht so langweillig sind, wie sie dargestellt werden (Ich bitte euch mal die Quests bei den lezten "Top" Rpg´s an zuschauen, die keineswegs besser sind) und natürlich das flair was bei so einem RPG aufkommt, wie ich es zuletzt bei Gothic 1 hatte.
Deher Rate ich euch ladet euch die Demo, macht euch ein eigenes Bild und verlasst euch nicht auf Meinungen anderer die keine Ahnung von Genre haben.
mfg
plissken
07.08.2008, 10:20 Uhr
Seradest
07.08.2008, 09:20 Uhr
TheFireWolf
07.08.2008, 07:45 Uhr