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Dragon Age: Origins - "Die beste unserer Storys!"

Lead Designer Brent Knowles ist seit Baldur's Gate 2 bei Bioware. Sein neuestes Project kehrt zurück zur Epischen Fantasy, ist aber dunkler und kommt ohne AD&D-Regeln aus. Jörg Langer hat mit Knowles über die Besonderheiten von Dragon Age gesprochen, und wieso es heutzutage keine 6- oder 8-Helden-Gruppen mehr in Computerrollenspielen gibt. Dragon Age soll im ersten Quartal 2009 erscheinen, später sollen Konsolen-Fassungen folgen.

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Lead Designer Brent Knowles has been with Bioware since the days of Baldur's Gate 2. His new baby returns to the genre of Epic Fantasy, but is darker and doesn't follow any AD&D rules. Jörg Langer spoke with Knowles about the highlights of Dragon Age, and why there are no longer 6 or 8 party members in modern solo RPGs. Dragon Age is set for a 1st quarter 2009 release, and console versions are to follow later one.

OnlineWelten: Mal abgesehen von der Grafik und den fehlenden AD&D-Regeln: Was ist die größte Verbesserung von Dragon Age im Vergleich zu Baldur's Gate 2?

Brent Knowles: Wenn ich weder die Grafik noch unsere Lernfortschritte in den letzten paar Jahren mitrechne, ist es wohl, dass alles aufregender ist. Das neue Kampfsystem erlaubt uns Dinge, von denen wir früher nur geträumt haben. Als ich an Baldur's Gate 2 gearbeitet habe, warfen wir uns oft Sätze zu wie "Könnten wir größere Kreaturen haben? Unterschiedliches Verhalten? Unterschiedliche Taktiken?" Aber wir konnten das damals nicht umsetzen: Zum einen kannten wir noch nicht alle Tricks, zum anderen war die Technik noch nicht reif dafür. Unser neues Kampfsystem ist genauso taktisch wie in Baldur's Gate, aber noch aufregender. Es vermittelt stärker ein heroisches Gefühl, es ist etwas realistischer. Sogar das Zaubersystem passt besser in "historische Fantasywelt", die wir geschaffen haben. Diese neue Welt ermöglicht uns aufregende Kreaturen, ein tiefgründiges, detailliertes Magiesystem und eine Historie, die Tausende von Jahren umfasst. Ich würde also sagen, diese neue Welt, statt der alten AD&D-Welt, ist das Wichtigste. Sie macht Dragon Age einzigartig.

OnlineWelten: Gibt es etwas Bestimmtes, das dich am AD&D-Regelwerk gestört hat?

Brent Knowles: Ehrlich, ich liebe die Dungeons&Dragons-Regeln! Aber sie fußen viel zu sehr auf Ausnahmen. Du musst ständig im Handbuch nachschlagen oder in einer Untersektion. Doch es gibt andere Wege, einem Regelwerk Tiefe zu verpassen, als ein ständiges "wenn dies, dann tu' das". Für Leute, die mit den AD&D-Regeln auf Du und Du stehen und all die kleinen Tricks kennen, waren die Kämpfe in Baldur's Gate 2 klasse. Aber andere Rollenspielfans konnten sie als schwierig und frustrierend empfinden. Dragon Age hat ein komplexes Regelwerk, die Leute werden darüber nachdenken müssen, was sie tun. Aber wir präsentieren die Regeln auf eine logische Weise, man kann sie verstehen, ohne ein 800-Seiten-Handbuch zu wälzen.


OnlineWelten: Die E3- and GC-Demos zeigten viele Cutscenes und Storysequenzen. Ist das typisch für das fertige Spiel? Wird dadurch die Story nicht zu linear?

Brent Knowles: Wenn man auf einer Messe etwas präsentiert, legt man größeren Wert auf die filmartigen Aspekte. Aber das war nicht repräsentativ für das tatsächliche Spiel! Die Demo, die du gesehen hast, war verkürzt, es fehlten Gameplay- und Dialogszenen. Selbstverständlich werden wir viele Filmszenen haben in Dragon Age, aber ich glaube fest daran, dass ein Spiel den richtigen Rhythmus haben muss. Es wird also Phasen geben, in denen du viele Zwischensequenzen siehst, und solche, in denen du viel kämpfst, und dann wieder solche, in denen du deinen Charakter ausbaust. Ich habe viele Leute im Team, die Alarm schlagen, wenn wir uns zu sehr auf Zwischenszenen zu verlassen beginnen. Sie sagen dann: "Lasst uns an dieser Stelle Interaktion einfügen, und an jener einen Dialog". Diese Sorte von Verbesserungen nehmen wir selbst jetzt noch vor, aus diesem Grund spiele ich ständig die einzelnen Teile des Spiels durch.

OnlineWelten: Wie lang dauert der reine Lösungsweg durch das Spiel im Vergleich zum "Ich will alles sehen"-Ansatz?

Brent Knowles: Ich kann dir keine exakten Zahlen sagen, aber der direkte Lösungsweg wird etwa gleich lang sein wie der in Knights of the Old Republic, und damit länger als in Mass Effect. Wie lange es dauert, wenn man allen Nebenhandlungen nachgeht, ist schwerer zu sagen, da das sehr von der jeweiligen Spielweise abhängt. Aber das Spiel wird dann definitiv nicht so lange dauern wie Baldur's Gate 2 mit seinen 200 Stunden Spielzeit.

OnlineWelten: Wie würdest du den Wiederspielwert von Dragon Age beschreiben? Es gibt ja die "Origins"-Geschichten, in denen man die Vorgeschichte seines Helden aktiv erlebt - aber wird das ausreichen, um mich zum mehrmaligen Durchspielen anzustacheln?

Brent Knowles: Ich verspreche dir, der Wiederspielwert wird extrem hoch sein! Zunächst einmal sind da die verschiedenen Charaktere und Storys, je nachdem, welchen Background du für deine Hauptfigur wählst. Doch auch wenn du dann ins eigentliche Spiel kommst, triffst du ständig Entscheidungen. Welche Gruppenmitglieder nimmst du mit? Es gibt überall interessante NPCs, also kannst du beim zweiten Durchspielen ganz andere Leute mitnehmen. Du musst darauf achten, dass sich deine Gefolgsleute wohl fühlen. Du kannst also die Dinge etwas selbstsüchtiger angehen und vor allem Söldnernaturen aufnehmen, die zu deinen Entscheidungen Ja und Amen sagen. Bei einer anderen Partie kannst du nobler und hilfsbereiter zu den Leuten sein, und dann nimmst du wahrscheinlich auch andere Gruppenmitglieder mit. Deine Entscheidungen beeinflussen, wie sich die Welt verändert. Es gibt buchstäblich Hunderte von Kleinigkeiten, die du verändern kannst. Und es gibt einige richtig große Dinge, die du beeinflussen wirst. Deshalb werden sich die Leute fragen: "Was wäre passiert, wenn ich etwas anderes getan hätte?" Und genau das können sie beim nächsten Mal machen, und sie erleben dann vielleicht ein anderes Ende. Dann gibt's natürlich noch den reinen Rollenspiel-Aspekt: Du kannst einen anderen Charakter übernehmen als beim ersten Mal. Sogar innerhalb der Magierklasse gibt es so viele unterschiedliche Zauber, dass man die gar nicht alle in einem Spiel erwerben kann.

OnlineWelten: Man spielt ja die Hauptfigur plus drei NPCs. Das ist zwar mehr als in Mass Effect, doch was ist mit den großen Heldengruppen aus sechs oder acht Personen passiert, die es früher in Computerrollenspielen gab? Wären damit die heutigen Spieler überfordert?

Brent Knowles: Es ist eine Frage der Balance. Sechs statt vier Partymitglieder wäre nicht soviel schwieriger für die Spieler. Aber vom Standpunkt des Geschichtenerzählers ist es einfacher, drei andere Personen in der Gruppe zu haben als fünf - wenn man an Dialoge und Auseinandersetzungen denkt. Wir müssen außerdem auch die Performance in Betracht ziehen: Wir haben sehr detaillierte, schöne Grafiken - sechs unterschiedliche Hauptfiguren würden zu häufigerem Performance-Schluckauf führen. Früher habe ich Savegames für Baldur's Gate 2 untersucht, um Dinge auszutesten. Und ich war überrascht, wieviele Leute keine vollständige Party hatten! Also: Vier Helden gleichzeitig gibt dir mehr als einige der jüngeren Rollenspiele. Und vier ist besser für das Ausbalancieren und die Steuerung der Partymitglieder als eine größere Zahl.


OnlineWelten: Neverwinter Nights basierte stark auf User-Content, Knights of the Old Republic und Mass Effect kaum. Dragon Age geht jetzt wieder stark in die andere Richtung, es wird Editoren und Tools mitliefern, um eigene Abenteuer zu erschaffen. Ist User-Content wirklich so wichtig?

Brent Knowles: User-Content ist schon immer wichtig für uns gewesen. Wir haben ein separates Team, dass sich speziell um den Zusatzstoff nach Release des Spiels kümmert. Wir haben bei Neverwinter Nights gezeigt, was für eine großartige Community man aufbauen kann. Da das damals für uns noch Neuland war, haben wir den Fokus klar darauf gesetzt. Jetzt sind wir erfahrener und können uns sowohl auf den Solo-Part als auch die Editoren konzentrieren, mit unterschiedlichen Teams.

OnlineWelten: Ihr habt gerade erst bekanntgegeben, dass es auch Konsolenfassungen von Dragon Age geben soll, irgendwann nach dem Release der PC-Version. Sicher wird es auf den Konsolen Unterschiede beim Interface geben? Wird die Grafik schlechter als auf PC?

Brent Knowles: Wir werden auf jeden Fall das Interface verändern müssen, wir wollen ja die Konsolenspieler nicht frustrieren. Dragon Age wird also kein reiner Port vom PC auf die Konsolen. Die Umsetzungen werden grafisch wunderschön werden, aber ich kann zu diesem Zeitpunkt dazu noch keine Details sagen. Wir werden sicherstellen, dass die Konsolenfassungen von Dragon Age richtig gute Spiele werden. Und wir werden uns die Zeit nehmen, die wir dafür brauchen.

OnlineWelten: Aber es wird dasselbe Spiel sein, und nicht etwa eine Light.Version?

Brent Knowles: Ja, es wird dieselben grundsätzlichen Spielmechanismen enthalten. Wir wussten in unseren Köpfen schon immer, dass es eine Konsolenversion geben würde. An einem bestimmten Zeitpunkt des Projekts habe ich sogar ein Xbox-Gamepad eingestöpselt, und wir haben das Interface entsprechend verändert. Für eine Weile war dieses Gamepad-Interface sehr beliebt im Team. Wir wissen also, das Interface lässt sich so anpassen, dass man auch auf Konsole eine Gruppe durch ein RPG steuern kann. Aber natürlich liegt noch eine Menge Arbeit vor uns, damit wir es richtig gut hinbekommen. Dragon Age auf Konsole wird definitiv keine Light-Version!


OnlineWelten: Lange Zeit hieß es, Dragon Age bekäme einen Co-op-Modus. Plötzlich wurde dieser Plan fallen gelassen. Geschah das, weil euch auffiel, dass ihr damit nicht rechtzeitig fertig werdet? Ist der Modus für immer draußen, oder könnte er nachgeliefert werden?

Brent Knowles: Wir wollen eine aufwändige Solospieler-Story erzählen. Multiplayer-Aspekte würden das schwierig machen. In Neverwinter Nights sind wir dafür Kompromisse eingegangen, und damals war es uns das wert. Aber in Dragon Age wollen wir vor allem eine solide Geschichte präsentieren. Unglücklicherweise bringt ein Co-op-Modus viele Schwierigkeiten mit sich. Stell dir nur vor, einer der Spieler sieht eine Zwischensequenz. Was machen solange die anderen Spieler, was sehen sie? Unter Umständen wäre das nicht spaßig für sie gewesen. Nach dem Relase wird es Zusatzinhalte geben, wir werden eine große, aktive Online-Community haben. Das Zusatzcontent-Team hat tolle Ideen, wie sie die Spieler bei der Stange halten können. Aber letztendlich geht es bei Dragon Age um eine Solospieler-Erfahrung. Dragon Age hat meiner Meinung nach die beste Story, die wir je hatten.

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KOMMENTARE

nizzie
  

nizzie

23.10.2008, 18:36 Uhr



Da ist schon was dran. Aber die Spielzeit zugunsten von Grafik und Sound zu opfern halte ich für falsch. Egal, wir werden sehen.. ich bin trotzdem auch zuversichtlich dass da ein hammergeiles Spiel kommt.

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Hugimon

20.10.2008, 12:23 Uhr

Bei dem was ich bisher über DA mitbekommen haben bin ich mir ziemlich sicher das es das absolute Hammer-RPG für 2009 werden wird. Besonders auf die Partyinternen Dialoge freue ich mich riesig.

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RohanReiter

19.10.2008, 19:16 Uhr

@nizzie

Hast du dir mal die Dialoge in Dragon Age angesehen? Wenn es eine ähnliche Diaologdichte wie in BG2 gäbe, dann wären Entwicklungszeit und Kosten wohl astronomisch. Irgendwo muss man heute Abstriche machen - und das ist im Zeitalter von lippensynchronem 3D-Gepose eben die Spielzeit.

Mir würde ein 200-Stunden-Epos auch gefallen. Aber selbst wenn sie die 80 vollmachen, ist das weit über dem heutigen Durchschnitt.

Und wieso nicht auf Konsole? KotOR hat doch da auch super funktioniert. Warum also nicht auch Dragon Age. Ok, stelle mir das etwas schwer vor, dort so so einfach und taktisch wie mit der Maus zu spielen. Aber die werden sich schon was einfallen lassen.

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Ravaella

19.10.2008, 11:05 Uhr

Stimme ich mit überein.

Wobei man aber noch sagen muss, dass der mitgelieferte Editor wohl nachträglich für genug Stunden Spielspass sorgen wird, sobald sich die Community mit dem befasst hat ;-)

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Valve

19.10.2008, 09:56 Uhr

es kommt ja leider auch für konsole, und das publikum dort will wohl nicht 200 stunden lang das selbe spiel spielen.

der konsolen port, wird das game ehe unnötig kaputtmachen, damit die simpletons mit ihren joypads damit auch zurecht kommen.

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