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Torsten Kägler | 20.03.2009, 11:09 Uhr

Diskussion um Killerspiele - Special
Warum? - Ein Kommentar nach der Tragödie

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Wenn eine quälende Frage eine ganze Nation prägt, dann ist eine Antwort nicht einfach. Auch wir kennen die Lösung nicht.
Der folgende Kommentar beschäftigt sich mit der "Diskussion um Killerspiele" und spiegelt in Teilen Meinungen und Thesen des Autors wider.

Es ist eine Frage, die in diesen Tagen eine ganze Nation quält: Warum? Es sind fünf Buchstaben und ein Satzzeichen, die ein Gefühl der Hilflosigkeit, des unendlichen Fragens und der Suche nach den Hintergründen einer unermesslichen Tragödie in sich vereinen. Was kann einen Jugendlichen von nur 17 Jahren dazu bewegen, eine Handfeuerwaffe von seinem Vater zu nehmen, sich mit Munition auszurüsten, an seiner ehemaligen Schule und in der Öffentlichkeit ein Blutbad anzurichten? Zu erklären ist diese Frage auch nach Winnenden nicht. Sie war es auch schon nach Littleton, nach Bad Reichenhall, Erfurt und Emsdetten nicht. Und dennoch entbrennt erneut eine heiße Debatte um die unterschiedlichsten Hintergründe, die an dem verantwortlich sein sollen, was doch niemand ganz verstehen kann. Zu einfach macht man es sich, wenn in einer großen Schlagzeile in schwarzen Lettern auf weißem Grund geschrieben steht: "Er spielte am Abend vor der Tat ein Killerspiel". Kann es wirklich nur an Spielen wie dem besagten Far Cry 2 liegen, dass ein Jugendlicher in eine Schule stürmt und scheinbar wahllos Jugendliche und Kinder hinrichtet? Die Antwort kann ich nicht geben. Ich kann nur versuchen, dazu beitragen, dass in diesen Tagen nicht wieder nur purer Aktionismus eine Medienlandschaft prägt, die mit Schreckensmeldungen auf Leserfang geht. Ich wünsche mir in diesen Tagen endlich eine sachliche Diskussion.

Sind Videospiele gefährlich? Viele Teilnehmer der Diskussion um ein mögliches Verboten kennen Spiele wie "Far Cry 2" nur aus den Berichten der Boulevard-Presse.

Viele Tage musste ich darüber nachdenken, ob ich einen Kommentar in der Artikelreihe "Diskussion um Killerspieler" schreibe. Schon als ich in einem New Yorker Fast-Food-Restaurant von dem schrecklichen Verbrechen erfuhr, machte sich in mir die Angst breit, dass damit auch wieder die Hexenjagd auf die Ursachen und Hintergründe entfacht. Ich wähle diesen Vergleich nicht ohne Grund. Als im Mittelalter in ganz Europa die Scheiterhaufen brannten, steckte dahinter nur die Angst vor unerklärlichen Geschehnissen. Wie konnte ein Brunnen ein ganzes Dorf vergiften? Warum gab es Missbildungen unter den Neugeborenen? Wieso starben Säuglinge den plötzlichen Kindstod? Anstatt all diesen Problemen auf den Grund zu gehen, loderten die Flammen, fielen unschuldige Frauen einer Jagd der Verzweiflung zum Opfer. In diesen Tagen sieht es in Deutschland nicht anders aus. Anstelle der Scheiterhaufen überschlagen sich große Boulevard-Zeitungen mit riesengroßen Lettern und der Forderung nach dem Verbot so genannter Killerspiele.

Und während sich viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sehr gut mit diesem Thema auskennen, stimmen viele der anderen in die Verbotsforderungen mit ein. Zu verübeln ist das sicherlich niemandem, denn die reißerischen Artikel lassen die Spiele wie das Böse in digitaler Form erscheinen. In Vergessenheit geraten schwierige Themen wie die Medienkompetenz Jugendlicher und ihrer Eltern, die zunehmende Verwahrlosung der Heranwachsenden und eine beinahe unermessliche Medien-Geilheit nach negativen Meldungen.

Mittlerweile ist "Counter-Strike" zu einem Schlagwort für Killerspiele geworden. Wer hat sich aber bisher wirklich einen Eindruck des Titels verschafft?

Fast schon wie eine Warnung vor den neuen Schrecken klingen zwei Artikel aus der ELTERN family (02/2009). Unter der Überschrift "Und Lehrer mobben auch" beschreibt die Redakteurin Isabella Hoffinger, dass Drangsalierungen in deutschen Schulen längst nicht nur von Schülern ausgehen. Und zu gut kann auch ich mich noch daran erinnern, dass zu meiner Schulzeit viele Lehrer gerne gehässige Kommentare über anwesende Mitschüler abgelassen haben. Wozu eine fehlende Aufnahmebereitschaft führen kann, zeigen nicht nur verzweifelte Taten wie in Erfurt und Winnenden, sondern bereits eingeschüchterte Kinder, die sich immer mehr zurückziehen. Multipliziert sich sowas auch noch mit überforderten Eltern, wie sie Xenia Frenkel in dem Artikel "Ich glaub, ich steh im Wald" umschreibt, entflammt ein kleiner Konflikt zu einer lodernden Depression. Verschließen die Eltern ihre Augen vor dem, was im Kinderzimmer geschieht, dann sollten die Warnleuchten angehen. Aber wer kann sie jetzt noch sehen? Vermutlich auch keiner der geforderten Streetworker und Vertrauenslehrer an Schulen. Schön, dass Vorzeige-Schüler solche im Fernsehen befürworten, aber die schweren Problemfälle bleiben so auch künftig unentdeckt. Ich für meinen Teil habe meinen Vertrauenslehrer nur einmal in der neunten Klasse sprechen müssen, aber mit Problemen hätte ich mich wohl nie an ihn gewandt.

In diesen Tagen ist die Trauer und Erschütterung in der gesamten Bundesrepublik unermesslich. "Warum?" - Eine Frage, die eine ganze Nation quält.

Einfacher scheint es aber, die Probleme in der virtuellen Welt zu suchen, die beinahe kein Elternteil richtig zu verstehen weiß. Klingt das Wort "Killerspiel" nicht schon schrecklich genug für ein Verbot? Eigentlich schon, aber in Kinderzimmern haben diese Titel gar nichts zu suchen. Fast alle Spiele, die zur Diskussion stehen, sind erst ab 18 Jahren frei erhältlich und gehören niemals in die Hände von Jugendlichen. Wenn Eltern das Spielverhalten ihrer Kinder prüfen würden, wären die größten Probleme sicherlich schnell behoben. Nicht umsonst sind Spiele wie World of Warcraft mit Zeitsicherungen versehen, nicht umsonst haben Konsolen wie die Xbox 360 Kontrollfunktionen für die Alterseinstufungen, und auch auf dem PC lässt sich steuern, welche Inhalte spielbar sein sollen. Schiebt aber jeder die Verantwortung von sich, bleibt nur die Hexenjagd - und das trotz positiver Beispiele auf dem Markt. Niemand scheint sich dafür zu interessieren, dass es weltweite Proteste vor dem Release von Manhunt 2 gab. Bis heute erschien das Spiel in nur wenigen Ländern und erntete selbst in der Branche grobe Schelte für die sinnlosen Gewaltszenen.

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Warum? - Ein Kommentar nach der Tragödie Kommentare (3)

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Hyphistos

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Friendinvite

20.03.2009, 17:59 Uhr

Ein sehr guter Kommentar, der viele meiner Ansichten wiedergibt. Auch schafft er es, trotz klarer Verteidigungshaltung für die Computerspiele nicht polemisch und auf einem sachlichen Niveau zu bleiben - Ein Qualitätsmerkmal, das man sich in diesen Zeiten nur allzu oft von beiden Seiten wünschen würde.

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Rochenkoenig

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Friendinvite

20.03.2009, 15:44 Uhr

interessanter artikel zu einem schweren thema!

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Ingramm

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Friendinvite

20.03.2009, 12:10 Uhr

Eigentlich ist jegliche Diskussion ob Killerspiele oder sonst was an einem Amoklauf schuld seien, komplett absurd.
Wenn jetzt jeden Monat oder jede Woche ein Amoklauf wäre, dann könnte man sich Gedanken machen ob irgendetwas bestimmtes der Auslöser für selbigen ist, aber gewisse menschen sind einfach psychisch krank, und da kann es vereinzelt schon mal passieren dass so jemand durchdreht. Beim einen ist die Ursache Mobbing in der Schule, beim anderen Geldsorgen ect...

Aber pauschal zu sagen, dass eine Art von Medium dafür schuld sein soll, bzw. die Tendenz für einen Amoklauf zu erhöhen ist soweit bei den Haaren herbeigezogen, da würde sogar Rapunzel neidisch!

Aber man hat ja sonst nichts zu tun als sich über so etwas gedanken zu machen, und gerade in Deutschland ist es schon extrem schlimm was Zensur angeht, da bin ich wirklich froh in Österreich zu leben, wo es hoffentlich soweit nicht kommen wird und man sich noch selber entscheiden kann welche vorlieben man hat.

Aber die Leute die sich nicht auskennen machen immer am schnellsten und am lautesten den Mund auf wenns um irgendwelche Meinungen oder Anschuldigungen geht, das wird sich wohl nie ändern. Es gibt glaube ich nichts harmloseres als ein Computerspiel, und wenn es irgendwann einmal soweit kommen wird, dass man nurmehr Blümchenpflück Simulationen vorgesetzt bekommt, kann man sich bei diesen Leuten die keine Ahnung von irgendwas haben, bedanken.

Nur weil vielleicht einer von Millionen Computerspielern nicht damit klar kommt, dass es auch manchmal etwas härter zugeht, dafür können alle normalen Leute, die sowas einfach als Hobby sehen seeeehr viel dafür.

Gratuliere!

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