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Diskussion um Killerspiele

Diskussion um Killerspiele - Interview mit Professor Warkus

Wir haben mit Professor Warkus, Medienpädagoge an der Universität Leipzig, gesprochen und uns über das Thema Killerspiele unterhalten.

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OnlineWelten: Guten Tag Professor Warkus, vielen Dank, dass Sie sich so kurzfristig Zeit genommen haben, um mit uns die Thematik "Killerspiele" zu diskutieren und zu begutachten. Sie sind Medienpädagoge an der Universität in Leipzig und auf dem Bereich der Computerspiele auf einem aktuellen Stand. Wie sehen Sie die mittlerweile fast von jeder Seite angeheizte Diskussion um "Killerspiele"?

Professor Warkus: Diese Diskussion ärgert mich sehr, vor allem weil ich das Gefühl habe, dass Menschen urteilen ohne zu wissen und sie verwenden auch noch Bezeichnungen die diffamieren und verurteilen. Erwachsene sollten das besser wissen.

OnlineWelten: Wie betrachten Sie die Reportagen in den General Interrest Medien? Denken Sie, dass dort wirklich objektiv und richtig berichtet wird? Herr Beckstein stellte die so genannten "Killerspiele" sogar auf eine Stufe mit der Kinderpornographie. Die Beiträge von Herrn Fromm und Frontal21 sind fast schon legendär in der Gaming-Szene.

Professor Warkus: Meist werden kontextlos verkürzte Ausschnitte aus der Wirklichkeit gezeigt oder besprochen, die dann für die "Wirklichkeit" herhalten müssen. Das ist "Krawalljournalismus", der nicht hilfreich ist. Man sieht was man sehen will und das ist nicht diskursfähig. Immer mal wieder werden Dinge zusammengerückt bei denen man den Beweis schuldig bleibt, dass es so und nicht anders zusammengehört. Menschliches Verhalten ist viel komplexer als einfach mit Ursache und Wirkung zu erklären.

OnlineWelten: Worin liegt ihrer Meinung nach der Grund für die Amokläufe von Jugendlichen? Ist die Wurzel allen Übels wirklich die Gewaltdarstellung in Computerspielen oder versucht man hier nicht vom eigentlichen Problem, die Erziehung, abzulenken?

Professor Warkus: Die Gründe sind sehr vielfältig und nicht schnell und mit wenigen Worten zu erklären. Wenn überhaupt, liegt die "Wurzel allen Übels" ganz sicher nicht allein bei den Computerspielen oder im Internet, wenngleich hier Gefahren liegen können. Wenn man die Ursachen für Fehlentwicklungen in den Medien sucht und immer wieder ganz schnell auch findet wird gar nichts geschehen. Das dürfte aus der Vergangenheit hinlänglich bekannt sein und ich bin nicht der Meinung, dass das so bleiben darf.

OnlineWelten: Welchen Schritt sollte die Politik gehen, um zukünftig potenziellen Amokläufern vorzubeugen? Worin sehen Sie die Lösung des Problems vieler verzweifelter Jugendlicher?

Professor Warkus: Um gefährdeten Menschen zu helfen, muss man aufmerksam sein. Wir brauchen aufmerksame Eltern und PädagogInnen aber auch Einrichtungen, die eine solche Hilfe leisten können. Hier muss Politik tätig werden und Möglichkeiten schaffen. Es bedarf grundsätzlich einer Politik in der nicht die Ökonomie sondern der Mensch im Mittelpunkt der Bemühungen steht. Die Möglichkeiten von Ganztagsschulen sind noch längst nicht ausgeschöpft.

OnlineWelten: Wie halten Sie es persönlich mit Computerspielen? Im Laufe der letzten Woche haben Sie bereits von einem positiven Einfluss von Computerspielen geredet. Welche Spiele sehen sie als Hilfe für die Entwicklung eines Jugendlichen an?

Professor Warkus: Ich spiele gern am Computer und hätte auch mehr Zeit dafür. Grundsätzlich stellt man sich beim Spiel einer Herausforderung. Man muss eine Aufgabe lösen. Der Spielende muss Strategien und Lösungsalgorithmen entwickeln, um im Spiel bestehen zu können. Auch Fähigkeiten müssen trainiert werden. Zum Teil muss man sogar Wissen und Kenntnisse einsetzen, wie zum Beispiel bei Spielen der ANNO Serie. Diese Tatsachen lassen die Vermutung zu, dass im Spiel Potenzen enthalten sind, die förderlich sein können, also einen positiven Einfluss ausüben könnten. Die Aufgabe ist, diese im Virtuellen angelegten Kompetenzen in der realen Welt nutzbar zu machen. Das geht nicht von allein aber es sollte gehen. Wir sollten daran arbeiten anstatt auf Spiele und Spieler verbal einzuprügeln.

OnlineWelten: Haben Sie so genannte "Killerspiele" schon mal selbst gespielt? Wenn ja, was halten sie davon und wie ist Ihre Meinung bezüglich den Zielen des Spiels? In den Medien liest und hört man oft, dass es nur um das Töten von Menschen geht und man Leichen besteigt. Dabei zeigt beispielsweise ein Counter-Strike, dass man durch die Rettung von Geiseln oder auch das Entschärfen einer Bombe zum Sieg gelangen kann.

Professor Warkus: Das Spiel "Counterstrike" spielt man seit 1999. Wenn das dann eines dieser "Killerspiele" sein soll, dann habe ich das auch schon gespielt. Ich mochte das Spiel nicht so sehr, ich war und bin zu langsam. Ich habe das Spiel immer als einen Taktik-Shooter angesehen. Das heißt, man muss sich taktisch einiges einfallen lassen, um bestehen zu können. Das sah ich als mein Spielziel an, nicht das Töten von Menschen.

OnlineWelten: Wie stehen Sie zur Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), welche durch ihre Einstufungen immer mehr in die Kritik gerät. In Deutschland haben wir bereits sehr strenge Auflagen für Computerspiele - viele werden sogar indiziert und erst gar nicht hierzulande veröffentlicht. Gibt es dennoch zu viele Spiele auf dem Markt, welche Gewalt darstellenden?

Professor Warkus: Aus meiner Sicht leistet die USK die ihr zugedachte Aufgabe in hoher Qualität. Die Kritik an der USK ist für mich nicht nachvollziehbar. Offenbar wird auch hier wieder schnell ein "Schuldiger" gesucht. Die Zahl der indizierten Computerspiele ist eher gering angesichts der Veröffentlichungen. Das Verfahren sorgt nur für Aufmerksamkeit, die die indizierten Spiele nicht wirklich verdienen.

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KOMMENTARE

FuGe
  

FuGe

07.12.2006, 09:04 Uhr

Tolles Interview!! Endlich mal ein Experte, der vieles richtig stellt :)

Aber was wäre zum Beispiel mit GTA? Was würdet Herr Warken dazu sagen?

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Gwildor
  

Gwildor

05.12.2006, 17:08 Uhr

Solche Artikel sollten mal veröffentlicht werden.

Aber dass wird ja wohl nicht geschehen, denn dass interessiert die Politiker und den meisten Medien sowieso nicht.

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Marcel
  

Marcel

05.12.2006, 14:20 Uhr

Endlich mal eine gutes Interview zum Thema. Danke!

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