Die Siedler: Aufbruch der Kulturen - Test
Zurück zu den Wurzeln?
Undankbare Kerle
Ja, richtig gelesen: Mit Aufbruch der Kulturen halten einige neue Funktionen Einzug in die Welt der Siedler, die durchaus viel versprechend klingen. Dazu aber gleich mehr, wenden wir uns jetzt kurz der Story des Spiels zu. Viel darf man hierbei allerdings nicht erwarten, denn über etwas Slapstick kommt die Geschichte rund um die griechischen Götter und den Ärger ihres Bosses Olympus auf die Menschen nicht hinaus. Mehr Tiefgang als ein paar simple Zwischensequenzen (animierte Charakterportraits samt Kameraflug) gibt es nicht, was letztendlich auch etwas schade ist. Aber immerhin etwas besser als die ansonsten gebotene Story-Kost früherer Siedler-Spiele.
Man übernimmt im Zuge der elf Missionen umfassenden Kampagne die Geschicke der Bajuwaren (Bayern), Ägypter und Schotten. Die drei Völker trumpfen erfreulicherweise mit einigen spürbaren Unterschieden in Bezug auf das Gameplay auf. Zwar ist die Grundversorgung bei allen Fraktionen identisch, doch die Würze liegt im Detail. So bilden beispielsweise die Schotten bärenstarke Kämpfer aus, die im Kampf nur schwer zu bezwingen sind. Allerdings kommt ihre Wirtschaft nur schwer in Gang, und die Rekrutierung der Soldaten frisst mehr Rohstoffe als bei den anderen Völkern. Die Ägypter hingegen sind emsige Bauherren und basteln ihre Hütten aus Lehm. Im Kampf sind sie allerdings eher schwach bestückt. Die Bajuwaren sind quasi die Allrounder im Spiel, die sowohl im Kampf als auch in der Wirtschaft mittelprächtig postiert sind.
Zudem gibt es einige völkerspezifische Gebäude: Bajuwaren schwören auf ihre Brezelbäckerei, während Schotten fleißig Schafe züchten. Diese kleinen aber feinen Unterschiede sorgen für etwas frischen Wind im leicht abgestaubten Siedler-Uhrwerk und erfordern stellenweise Umdenken bei alten Serienliebhabern. Die grundlegende Spielmechanik bleibt davon jedoch weitestgehend unbehelligt: Die möglichst effiziente Planung der Siedlung steht nach wie vor im Fokus des Geschehens.
Auf halbem Weg gescheitert?
Auch das Missionsdesign macht anfangs einen frischen Eindruck. So muss man beispielsweise das olympische Feuer zum Lodern bringen, einen Staffellauf per Schiff für sich entscheiden oder für ausreichende Mengen Gerstensaft bei einer Feierlichkeit sorgen. Das alles wurde recht gut in das bekannte Aufbauprinzip der Siedler eingefügt und bringt Abwechslung ins Geschehen. Allerdings wirkt das Missionsdesign stellenweise etwas unausgegoren. Oder besser gesagt: Die Entwickler haben gut angefangen, dann aber stark nachgelassen. Warum sieht man beispielsweise nichts von dem Fest, für das man fleißig Bier braut? Warum errichtet man schnöde Festungen, obwohl doch eigentlich Behausungen für die Olympia-"Sportler" gefordert wurden? So nett die Ideen auch sein mögen, sie täuschen nicht darüber hinweg, dass man letztendlich doch nur wieder ziemlich stur dem Prinzip "Bauen, Expandieren, Bauen, Kämpfen..." folgt.
Schade, denn viele Ansätze bieten deutlich mehr Potenzial als letztlich ausgeschöpft wird. Da wäre zum Beispiel die neue Opferstätte, an der man im Tausch gegen Rohstoffe besondere Boni "erkaufen" kann. Darunter fällt unter anderem die zeitweilige Verlegung der Grenzsteine, das Auffüllen des Lagers mit frischem Bier oder die Stärkung der eigenen Soldaten. Diese Boni sind allesamt nett, doch schafft man die meisten Missionen auch locker, ohne die Opferstätte überhaupt zu aktivieren. Ähnliche Gefühlsschwankungen lösen die leicht überarbeiteten Kämpfe aus. So rücken auf Wunsch erstmals auch Fernkämpfer aus, um den Feind zu stellen. Das hat in so manchem Gefecht einen gewissen Einfluss auf dessen Verlauf. Da man die Soldaten jedoch nach wie vor nicht selbst steuern kann, halten sich die Aktionsmöglichkeiten arg in Grenzen. Alte Siedler-Hasen werden das lieben, Neueinsteiger kratzen sich etwas ratlos am Kopf.
Vom Wuselfaktor und mangelnder Übersicht
Unverständlich ist vor allem die Steuerung - zumindest bezüglich der Bauvorhaben. Während man Straßen direkt am Mauszeiger in Auftrag gibt, müssen Gebäude aus einer Leiste am unteren Bildschirmrand gewählt werden. Überhaupt sind viele Funktionen, Menüs und Statistiken etwas wirr verteilt. Da es keine einführenden Übungsmissionen gibt und die Tooltipps nicht immer hilfreich sind, haben vor allem Einsteiger oftmals mit Verwirrung zu kämpfen.
Das klingt jetzt alles teilweise arg negativ, soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Aufbruch der Kulturen ein gelungenes Spiel in alter Siedler-Tradition ist. Dazu trägt vor allem der unvergleichliche Wuselfaktor bei, der aufgrund der grafischen Runderneuerung nochmals verstärkt wird. Die detailverliebten Gebäude und putzigen Animationen der Bewohner verführen immer wieder dazu, das eigentliche Missionsziel aus den Augen zu verlieren. Diese haften dann nämlich lieber auf dem Bäcker, der sich bei seiner Arbeit die Finger am heißen Ofen verbrennt. Ähnlich putzig ist die Soundkulisse: Die Musikstücke decken thematisch jedes der drei Völker ab, wiederholen sich allerdings recht schnell wieder. Auch Multiplayer-Fans kommen auf ihre Kosten: Die neue Online-Lobby sieht nicht nur gut aus, sondern bietet auch Zeitvertreib in Form von Minispielen. Überhaupt ist das Siedeln mit mehreren Spielern etwas spaßiger, als alleine zu spielen.
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