de Blob - Test
Bunt, verspielt, witzig
Angeführt werden sie von einem gewissen "General Schwarz", der nur vom Helden namens "de Blob" und seiner Rebellenarmee drolliger Farbkleckse aufgehalten werden kann. Wenn man dann in der Missionseinleitung noch Sätze wie "Ich vermisse die Fischis" zu lesen bekommt, fühlt man sich als erwachsener Wii-Spieler vielleicht nicht ganz ernst genommen. Vor allem als einer, der als Zielgruppe so lange von der kleinen Weißen verschmäht wurde. Aber es lohnt sich, am Ball zu bleiben, denn hinter der kindlich verspielten Fassade versteckt sich ein freches, forderndes und richtig ansehnliches Abenteuer farbenfroher Schönheit. Nach dieser faden Casual-Suppe der letzten Monate wird endlich mal wieder was Bissfestes, etwas mit viel Geschmack und kräftig duftendem Spielspaßaroma serviert.
Ausgefallene Aufgaben erfordern ausgefallene Helden. Der besteht in diesem Fall aus einer Farbkugel, rennt und springt wie Nintendos Latzhose in den besten Tagen. Was mit Nunchuk und Remote auch denkbar einfach funktioniert: Der Analogstick gibt die Bewegungsrichtung vor, mit dem Digikreuz dreht man die Kamera, und eine zackige Remote-Bewegung lässt unseren Helden über Hindernisse hüpfen. Hinzu kommen eine Taste, um die Kamera hinter Blob zu zentrieren, und eine, die euch in der Ego-Ansicht die Umwelt genau unter die Lupe nehmen lässt. Durch die freie Justierbarkeit und die angenehm präzise reagierende Steuerung geht nur selten mal ein Sprung ins Leere - sehr schön. Wildes Gefuchtel sucht man fast vergeblich; bis auf ein paar Ausnahmen und die Sprünge hätte ich mir das Ganze auch super mit dem alten GameCube-Pad vorstellen können.
Der Grundstein für einen unterhaltsamen Wii-Familienabend ist also gelegt, die Rettung aller zehn Stadtteile das Ziel. In den Straßen tummeln sich überall Farbbots in rot, gelb und blau, die Blob den entsprechenden Anstrich verpassen. Jetzt müsst ihr lediglich ein Gebäude, ein Straßenschild, Plakat oder einen Baum berühren, um die Farbe sprudeln zu lassen und den hässlichen Grauschleier zu vertreiben. Das ist die wohl einfachste Möglichkeit, um an die nötigen Punkte zu gelangen. Und eine verflucht spaßige, da man die musikalische Begleitung der ohnehin sehr gelungenen, entspannt vor sich hin plätschernden Stücke beeinflussen kann. Je mehr Teile des aktuellen Abschnitts man von der Blässe befreit, desto dichter wird auch die akustische Untermalung. Zudem steht jede Farbe für ein Instrument oder ein anderes Stilmittel, das immer dann zu hören ist, wenn man etwas mit dem deBlob-Stempel überzieht. Dadurch entwickelt die Musik eine herrliche Dynamik, die immer wieder zum Mitwippen und Kopfnicken anregt. DeBlob ist das ideale Spiel für relaxte Couchhüter mit einem Faible für faule Stunden vor dem Fernseher. Hier erwartet euch keine akustische Wucht, kein Orchester. Wie in Eledees lassen sich zudem verschiedene, meist entspannte Töne anschlagende Themen freispielen, die man vor jeder Mission selektieren kann.
Und auch auf optischer Seite zücken die Entwickler dieser charmanten Farbgaudi ihre Trumpfkarten. Wenn man großzügig Kleckse auf dem Boden verteilt oder zwischen zwei gelb gesprenkelten Gebäuden einen Weg nach oben finden muss, dann strahlt Chroma City auf einem technischen Niveau, das man vorher bestenfalls von Metroid Prime 3 oder Super Mario Galaxy kannte. Aber nur, um die Aussicht über die teils richtig umfangreichen Areale oder das bis dato beste Wasser der Wii-Spielebibliothek zu genießen. Außerdem haben die Entwickler überall Muster versteckt, mit denen man den Gebäuden nicht nur eine andere Farbe, sondern gleich noch einen "funkigen" Stil verpassen kann, wie uns das Programm mitteilt. Dadurch wandern mehr Punkte aufs Konto, bevor sich nach dem Erreichen einer bestimmten Grenze ein weiteres Gebiet öffnet. Und das kann in späteren Abschnitten richtig lange dauern, teils über eine Stunde. Verglichen mit anderen Familienspielen wie Eledees ist der Storymodus von deBlob also nichts für die schnellen fünf Minuten mit der Mischpoke - besonders da der Spielstand nur zwischen den Stadtteilen fest gespeichert werden kann. Immerhin: Innerhalb der Stadtteile gibt es Rücksetzpunkte, und Extraleben wurden recht spendabel verteilt. Wer übrigens gleich eine ganze Straße aus der Eintönigkeit erlöst, befreit eine Gruppe im Grau versackender Stadtbewohner, die sich für den neuen Teint überschwänglich im Punkte-Eifer bedanken.
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