Clive Barker's Jericho - Preview
Der Monsterzoo öffnet seine Pforten
Wie so oft in der erbarmungslosen Spielebranche kristallisierten sich kleine Meisterwerke heraus, denen der Glanz guter bis sehr guter Wertungen anhaftete, die aber in den Läden verstaubten wie eine Glasplatte. Behandelt wie Stiefkinder, vergessen wie das schimmelige Pausenbrot, schauten sie traurig aus den Regalen der Media Märkte oder Saturns herab - leider ohne Erfolg.Clive Barker's Undying ist so ein sträflich vernachlässigter Kandidat. Trotz hervorragender Kritiken wollte einfach niemand einen Schritt in das herrlich finstere Herrenhaus setzen und den abstrusen Gestalten entgegentreten - vielleicht war es auch einfach seiner Zeit voraus. Wie dem auch sei: Undying sollte nicht Barkers letzter Ausflug in die Ecke der PC- und Konsolenspiele gewesen sein. Mit Jericho hat der bekannte Romanautor, auf dessen Kappe unter anderem die Geschichten der Horrorfilme Cabal oder Hellraiser gehen, schon das nächste Projekt in der Hinterhand. Es soll nicht weniger beängstigend, erschreckend und bizarr werden.
Codemasters lud in den Club Keller nach München, um das Spiel vorzustellen und den anwesenden Gästen eine erste Proberunde zu ermöglichen. Was wir dabei zu sehen bekamen, sprengt teilweise die Grenzen des guten Geschmacks. Und genau das will Barker erreichen. Hier gibt es keinen durch subtile Hintergrundgeräusche aufgebauten Spannungsbogen, keine schemenhaften Gestalten, die sich klammheimlich aus dunklen Ecken schälen. Nein, hier wird man gleich zu Beginn von einem mit enthäuteten Dämonen, abgemagerten Tempelrittern und feurigen Höllenfürsten besetzten Shooter-Zug überrollt.
Oder wie wär's mit einem fettleibigen Kannibalen, der seinen Bauch öffnet und die blitzblanken Innereien zu erkennen gibt, während er eine Blutfontäne nach der anderen auf das aus purer Verzweiflung um sich ballernde Squad-Team herabregnen lässt? Aber warum tun sie das? Wieso setzen sie sich einem solchen Wahnsinn aus? Sie sind eine Spezialeinheit, die sich auf okkulte Geschehnisse und paranormale Vorkommnisse jeglicher Art spezialisiert hat. Genau diese Ausbildung ist es, die ihnen in Al-Khali zugute kommen soll.
Wie aus dem Nichts erhebt sich die mysteriöse Stadt in einer afrikanischen Wüste - und mit ihr das absolute Böse, das jedem Lebewesen auf der Erde, egal ob Pflanze, Tier oder Mensch, nach dem wertvollsten Gut trachtet. Dumme Situation für das Team, das den prall gefüllten Waffenrucksack schultern, allen Mut sammeln und im Laufe der Handlung sogar in der Zeit zurückreisen muss, um das drohende Unheil abzuwenden. Ach was, so schlimm wird's schon nicht sein, in Shootern gibt es schließlich immer einen Ausweg...Auch wenn das Wort "Squad" einen Taktik-Shooter vermuten lässt, handelt es sich bestenfalls um einen mit Taktikelementen angereicherten Ego-Kracher. Die meiste Zeit ist man in einer Gruppe von bis zu sechs Charakteren unterwegs, die sich hin und wieder übrigens witzige Wortgefechte liefern, wodurch die Kämpfe etwas aufgelockert werden. Damit das Team spielerisch im Vordergrund steht, ist es möglich, jederzeit die Rolle zu wechseln. Per Tastendrück schlüpft man somit also kurzerhand in den Körper eines beliebigen Charakters, der mit anderen Waffen hantiert und spezielle Fertigkeiten beherrscht. Die flotte Dame Black ist beispielsweise in Telekinese geschult und somit als Einzige in der Lage, den Steinhaufen aus dem Weg zu räumen, der einen Tunnel versperrt. Um sich gegen die geifernde Dämonenbrut ordentlich zur Wehr setzen zu können, führt sie in der linken Hand eine messerscharfe Klinge, während ihr rechter Finger am Abzug einer konventionellen Schusswaffe weilt.
Church, die zweite Frau im Bunde, erklimmt eine von den Entwicklern vorgesehene Wand, die sie in einen angrenzenden Raum führt. Nach ein paar in Eigenregie ausgetragenen Rangeleien findet sie schließlich den gesuchten Hebel, der das schwere Tor öffnet, hinter dem ihre Gruppenmitglieder schon Nägel kauend auf die nächste Monsterhatz warten. Mit solchen Einlagen bringen die Entwickler etwas Dynamik in den Balleralltag, ohne jedoch mit übertriebenen Rätseln zu überfordern - zumal auch der Name des benötigten Charakters eingeblendet wird, wenn man sich einer entsprechenden Stelle nähert. Ein paar Taktikbefehle wie "Stellung halten" oder "Angriff" sorgen zumindest für rudimentären Tiefgang.
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