Spätestens seit der europäischen Schuldenkrise weiß auch der Letzte, dass das Wort Tragödie hellenistische Wurzeln hat. Behaltet den Begriff einen Moment lang im Hinterkopf, damit ich euch erklären kann, warum Clash of the Titans ein Trauerspiel ist.
Lang sind sie die Zeiten her, als man in Griechenland noch mit der Waffe in der Hand triumphal gegen die Nachbarn zu Felde zog, tapfere Heldengestalten die Fantasie anregten und willfährige Götter den Menschen lösbare Prüfungen auferlegten. Zyklopen zu erlegen und Harpyien zu jagen, hat vermutlich auch mehr Spaß gemacht, als sich gegen raffgierige Spekulanten zu wehren, während eine ganze Armada besorgter Gläubiger mit Argusaugen jeden Schritt beobachtet. Der finanzielle Abgrund der Mittelmeerrepublik hinderte Hollywood jedoch nicht daran, erneut die griechische Mythologie zu bemühen, um die Massen in die Lichtspielhäuser zu locken – mit Kampf der Titanen bereits zum zweiten Mal.
Ich muss gestehen, dass ich den aktuellen Streifen rund um die Perseussage nicht gesehen habe. Zieht man jedoch von der namensgleichen Gameportierung Rückschlüsse auf dessen Qualität, dann war das wohl auch gut so. Obwohl die Versoftung zeitlich etwas versetzt in den Handel kommt, kann man sie nämlich als astreine Videospielumsetzung erkennen. Clash of the Titans besitzt einfach alle Merkmale, die man von billiger Unterhaltungskost dieses Genres erwartet: Bekannte Idee, unnötige Designfehler und technisches Mittelmaß. Heraus kommt im aktuellen Fall ein uninspirierter God of War-Clon, der euch statt in die Haut von Kratos in die des Göttersohnes Perseus verfrachtet.
Wer nicht genug vom Kämpfen bekommt, freut sich über den ordentlichen Spielumfang, der euch ca. 17 Stunden beschäftigen sollte.
Der als Mensch aufgewachsene Zeus-Sprössling lebt auf der ruhigen Insel Paxos und schickt sich an, in die Fußstapfen seines Ziehvaters zu treten und Fischer zu werden. An seinem Schicksalstag jedoch zerstören Soldaten der Stadt Argos eine Zeus-Statue, weil der oberste olympische Gott die Gebete nach mehr Nahrungsmitteln einfach nicht ernst zu nehmen scheint. Die anhaltende Hungersnot lässt die Menschen am Sinn ihrer Religion und der Existenz der Himmelsfiguren zweifeln. So sieht sich Hades genötigt, ein Exempel zu statuieren, und auch die Familie unseres Heroen wird trotz Unschuld nicht verschont. Kurz darauf muss Königin Cassiopeia dran glauben. Bevor der aufgebrachte Herrscher der Unterwelt jedoch die Metropole Argos endgültig vernichtet, bietet er den törichten Menschen eine letzte Chance, ihre elenden Leben zu retten. Entweder die liebreizende Prinzessin Andromeda wird geopfert oder in zehn Tagen wird der furchteinflößende Kraken der Stadt einen Besuch abstatten. Das scheinbar unbezwingbare Monster mit einem Sympathiewert von 10.000 Schwiegermüttern war schon für den Fall der Titanen verantwortlich und versetzt die nunmehr kleinlaute Gesellschaft in Angst und Schrecken. Ihr ahnt es schon – eure Aufgabe ist es, dem Vieh entgegenzutreten.
Kämpfe können im späteren Spielverlauf auch mit Kameraden bestritten werden.