Bioshock - Test
Der beste Tauchgang der Videospiel-Geschichte
Man muss kein Genie sein, um zu begreifen, dass dem durchnässten Unglückswurm nichts anderes übrig bleibt, als das kalte Gemäuer anzusteuern. Hätte er sich doch lieber aus seinen eigenen Rippen ein Floß geschnitzt, um gemütlich und in aller Seelenruhe an Land zu schippern. Diese körperlichen Schmerzen wären nichts im Vergleich zu den folgenden 20 Stunden, in denen sich psychische Schockmomente und beherzte Wow-Rufe die feuchte Klinke in die Hand geben. Eine Tauchkugel, an der ein breites "Tritt ein"-Schild nicht fehl am Platz wäre, setzt sich in Gang und bringt Jack nach Rapture, eine pompöse Unterwasserstadt. Erbaut wurde sie in den 40er-Jahren von einem Visionär namens Andrew Ryan. Sie sollte Künstlern, Wissenschaftlern und Freigeistern als Zuflucht dienen; als Ort, an dem sie ihre Ziele verwirklichen, ihren Forschungen nachgehen können, sich keiner Regierung, keinen Sanktionen unterwerfen müssen - einzigartig, utopisch, fantastisch.
Die ersten Früchte lassen nicht lange auf sich warten: Eine Wissenschaftlerin entdeckt die mysteriöse Substanz Adam. Für die Bewohner gleicht sie dem viel zitierten Stoff, aus dem die Träume sind, bewirkt sie doch eine ständige Erneuerung der Zellstruktur. Die Folgen sind verlockend: Übermenschliche Kräfte und ewiges Leben. Wie jede Droge machen sich leider auch beim Adam Entzugserscheinungen bemerkbar: Der Geist vernebelt, Stimmbänder bringen nur noch ein groteskes Gegrabbel hervor, das zarte Antlitz zerfällt zu einer blutdurchtränkten Masse aus Knochen und Geschwülsten. Die prächtigen Bewohner Raptures mutieren zu Splicern, drogensüchtigen Junkies. Sie werden zu durchgeknallten Freaks, die ihre entstellten Fratzen hinter Tiermasken oder notdürftig zusammengehaltenen Bandagen verbergen und psychotisch faselnd durch die verfallenen Gänge des mittlerweile gefluteten Mekkas stromern.
Aber weshalb? Was ist hier passiert? Wieso stapeln sich die Leichen in den blutig roten Korridoren? Wer ist dieser Ryan? Und warum droht seine Stadt unter den Wassermassen zu ersticken? Tonbandaufnahmen, die ihr während des gesamten Spiels findet, künden von den schrecklichen Ereignissen, denen Rapture und die Bewohner zum Opfer fielen. Nach und nach setzen sich die kleinen Puzzleteilchen zu einem großen Ganzen zusammen, während ihr immer tiefer in die bedrohlich düsteren Gänge des gefallenen Metropolis vordringt.
Offene Dialoge gibt es keine. Jack bleibt während der gesamten Spieldauer so stumm wie der Fischschwarm, der sich fernab aller Probleme an der erstbesten Fensterscheibe vorbeischlängelt. Auch freundlich gesinnte Charaktere trifft er hier selten. Fast die gesamte Kommunikation findet über ein altes Funkgerät statt, das ihr in der besagten Tauchkugel aufklaubt. Ein hilfsbereiter Mann ist es, der euch an die Hand nimmt und eure bleiernen Schritte lenkt - nicht ganz uneigennützig, versteht sich. "Rette meine Familie, die in Neptunes Bounty gefangen gehalten wird" - okay, das ist ein Wort. Die jederzeit aufrufbare Karte ist im Menü verstaut, der Richtungspfeil platziert, die Rohrzange griffbereit - auf geht's. Ein paar Fragen brennen zwar wie die Feuer der Hölle, aber was soll's?
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