Deadly Creatures
Dad(l)y, darf ich die Tierchen füttern?
Was übrigens schon sehr intuitiv wirkt: Mit Z- und B-Taste an Remote bzw. Nunchuk steuert ihr die linke sowie rechte Zange eures krabbelnden Kerlchens; mehrere aneinander gereihte Schläge ergeben eine Kombo. Mit A nehmt ihr Gegner gezielt in den Fokus, während die C-Taste zum Blocken dient. Das beste Stück eines Skorpions, quasi das Königswerkzeug macht Gebrauch von der Bewegungsfunktion: eine flott nach vorn geschwungene Remote leitet eine Attacke mit dem Stachel ein. Hinzu kommen freischaltbare Special-Moves, die ebenfalls gezielte Bewegungen eurerseits erfordern und Finishing-Moves, bei denen euer Krabbeltier den Gegnern besonders grausam das Lebenslicht ausbläst. Wie es sich für das Reich der kreuchenden Lebewesen gehört, fließen hier natürlich keine blutroten Sturzbäche. Wäre ja auch komisch. Stattdessen werden die insektoiden Innereien mit gelb-grünlich schimmernder Genauigkeit auf dem Boden verteilt.
Sämtliche Kreaturen, denen wir bisher begegneten - egal ob Vogelspinne, Echse oder Käfer - wurden detailreich animiert und orientieren sich stark an ihren Frauenzimmer in verzweifelte Panikattacken treibenden Realvorbildern. Feine Details wie Schattenwurf auf dem Körper oder die mit flaumig-ekeligen Haaren besetzten Beine einer Spinne machen sie zum echten Hingucker und rufen selbst mit der vergleichsweise beschränkten Wii-Hardware eine angenehme Gänsehaut hervor. Überhaupt fungiert die Kulisse als gewichtiger Gegenpart zu all den oft als kunterbunter Kinderkram verschrienen Spielen, die sich sonst in Nintendos Konsole breit machen. Hier wartet keine zuckersüße Zeichentrick-, sondern eine sehr erwachsene, von düsteren Tönen und langsam einsetzendem Verfall geprägte Welt auf euch. In siffigen Räumen stapelt sich der Müll, die verblasste Tapete schält sich von der dreckigen Wand und graue Schatten spiegeln eine beängstigende Tristesse wider.
Allein die erzählerische Ausgangslage, in die euch die Rainbow Studios einführen, schlägt mysteriöse Wellen und wirft unzählige Fragen auf. Mitten in der staubigen Abgelegenheit einer Wüste fliegt eine Tankstelle in die Luft. Noch bevor das Rätselraten um die Ursache so richtig in die Vollen gehen kann, erfolgt eine Rückblende, nach der ihr abwechselnd in die Rollen von Skorpion und Spinne schlüpft. Wie zum Beispiel in Remedys bittersüßem Actiondrama Max Payne legen die Entwickler vor dem eigentlichen Spiel einen rätselhaften Köder aus, während ihr nach und nach die Vorgeschichte dieses tragischen Ereignisses aufdeckt.
Auf euch warten übrigens nicht nur kämpferische Herausforderungen, sondern auch die eine oder andere Rätseleinlage. Oft müsst ihr bestimmte Routen freilegen, um den Weg fortzusetzen. Durch geschicktes Auf- und Abschwingen der Steuerungsgeräte gräbt der Skorpion seine Klauen in den Boden und erschließt somit neue Wege, die immer tiefer in die von gegnerischen Insekten bekrabbelten Gänge führen. Das sind alles sehr viel versprechende, die Vorfreude anheizende und vor allem unverbrauchte Ansätze. Aber nach der kurzen Proberunde bleiben noch allerhand Fragen offen: Inwiefern ändert sich das Spielgefühl mit der Tarantel, deren Schwerpunkt auf dem Schleichen liegt? Welche weiteren Kreaturen stellen uns die Entwickler in den Weg? Wie funktioniert die Erzählweise, die euch die Geschichte aus zwei Perspektiven heraus erleben lässt? Welche Überraschungen hinsichtlich Bosskampf, Rätseleinlagen und Schauplätzen tischen uns die Rainbow Studios im Laufe des Spiels auf?
Der Grundstein ist gelegt, die Neugierde angeheizt. Wenn das Spiel im Herbst erscheint, muss es uns packen und mit seiner erfrischend bizarren Art in seinen Bann ziehen. Aber vor allem muss es beweisen, dass auch kleine Wesen ganz große Dinge bewegen können. Ich jedenfalls freue mich auf dieses tierische und auf den ersten Blick erfreulich anders tickende Wii-Abenteuer.











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