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Plattformen:
PC
Release:
PC: 26. Oktober 2007
Status:
Released
Publisher:
Atari
Entwickler:
CD Projekt
Genre:
Rollenspiel
USK:
Keine Jugendfreigabe
Offizielle Seite:
thewitcher.com
Fanseite:
keine Angabe

Sebastian Thor | 25.10.2007, 17:26 Uhr

The Witcher
Ein polnisches Wunderkind?

1 2 3 4 5 Wertung »

Die Tage werden kürzer, die Nächte kälter. Der Herbst klopft an die Tür und Abenteurer erwachen aus ihrem Sommerschlaf. Als erster Kandidat des diesjährigen Rollenspiel-Herbstes tritt The Witcher an. Konnte uns Hexer Geralt wirklich verzaubern?
Hier ist kein Platz für nette Worte oder neckische Gefühlsduseleien, verzückte Elfenballaden und keusche Liebesgedichte. Diese Welt ist rau, ihre Bewohner pflegen einen derben Umgangston und nehmen kein Blatt vor den Mund. Hört ihr das? Dieses rüpelhafte Gemecker? Der grimmige Trunkenbold dort hinten stellt einen Strahl in die Ecke und beschwert sich lauthals, dass "seine Eier jucken". Unerhört! Aber was soll das? Die traumhaft tiefen Dekolletés der weiblichen Bevölkerung sind der Grund, warum sich der Wachmann am liebsten "eine Flasche Schwarzgebrannten und zwei dralle Huren" wünscht. Nebenan moniert sein Kollege, dass das Bier aus der örtlichen Spelunke wie "gepanschte Hundepisse" schmeckt.

Das Gegnerdesign ist stellenweise exzellent. Besonders dieses Scheusal, das im Sumpf auf euch wartet, sieht ekelhaft aus.

Ein paar Meter die dreckige Straße hinunter spielen einige Kinder "Kehle aufschlitzen" Und wer nicht aufpasst, stolpert schnell in eine zusammengerottete Halunkenbande und wird von allen Seiten als "Sohn einer Elfenhure" verspottet. Was für eine Bescherung! Wo ist all die Wärme hin? Was ist mit Gefühlen? Sonnenschein? Die Bewohner von Temerien können schon froh sein, wenn ihnen nicht der Himmel auf Kopf fällt. Diese Welt ist ordinär, zotig und sehr anrüchig. Wer hier überleben will, braucht ein scharfes Schwert, ein kaltes Herz und ein loses Mundwerk - willkommen in The Witcher.

Der Einstieg beginnt ohne Umschweife und gehört zweifelsohne zu den Höhepunkten des gesamten Spiels. Ein stämmiger Mann mit weißem Haar und abgerissener Kleidung hetzt angsterfüllt durch einen dunklen Wald. Kameraführung, Musik und Soundeffekte deuten bereits an, dass der arme Kerl von etwas richtig Bösem verfolgt wird. Er hastet durch meterhohes Gras, wirre Echos dringen aus dem Schatten, Donnerschläge dröhnen durchs Dickicht, Blitze zucken. Plötzlich stolpert er und bleibt regunglos auf dem Boden liegen. Zwei stämmige Gestalten treten ins Bild, gehen langsam auf ihn zu und legen ihn auf einen Sackkarren. "Du siehst aus, als wärest du gerade dem Tod von der Schippe gesprungen", entgegnet ihm einer der Beiden. "Ich.... kann mich an nichts erinnern.", erwidert er. Langsam legt sich der Regen wieder, das Lachen der Morgendämmerung kriecht hinter dem Horizont hervor, die Kamera zoomt heraus und lenkt euren Blick auf eine imposante Festung, deren Opulenz von orchestralen Klängen umspielt wird.

Gleich zum Anfang wird die Hexerfestung Kaer Morhen von üblen Gestalten überrannt - was mag es mit dem Angriff auf sich haben?

Kaum habt ihr erfahren, dass euer Held auf den Namen Geralt von Riva hört, den Beruf des Hexers bekleidet und diese Festung als letzte Zuflucht jener ausgestoßenen Gruppe dient, bricht das helle Chaos aus. Bewaffnete Truppen exotisch anmutender Angreifer dringen durch die Tore - allen voran ein sinistrer Magier und sein bebrillter Begleiter, die zu allem Überfluss einen Furchtbringer im Schlepptau haben. Diese Grauen erregende Kreatur, die entfernt an eine Mischung aus Minecrawler (Gothic) und Spinne erinnert, wäre selbst im 360-Kracher Lost Planet gut aufgehoben. Logisch, dass ihr nicht tatenlos zusehen könnt, wie die Schergen euren vom Aussterben bedrohten Bund dem Erdboden gleichmachen. Im Rahmen eines ausführlichen und vorbildlich inszenierten Tutorials lernt ihr die Grundzüge der Bewegung, des Kampfes und der Interaktion mit der Spielwelt kennen. Erstere sind insofern wichtig, da ihr zwischen zwei verschiedenen Steuerungsarten wählen könnt. In der isometrischen Ansicht scheucht ihr Geralt wie in einem Action-Rollenspiel der Marke Loki oder Dungeon Siege mit Mausklicks durch die Gegend, während Oblivion-Veteranen der 3rd-Person-Ansicht den Vorzug gewähren.

Trotz aller Mühe gelingt es euch nicht, die Schurken davon abzuhalten, ins Herz des Gemäuers einzudringen. Anscheinend hatten es die Kerle auf die Mutagene abgesehen, die im schummrigen Hexerlabor schlummern. Nach einem mit etlichen Leichen gepflasterten Weg erreicht ihr schließlich den Keller, müsst aber mit ansehen, wie sich die Bösewichte mit einem lauten Knall verabschieden. Glückwunsch, CD Projekt, in Sachen Regie und Soundkulisse beginnt dieses Abenteuer erstklassig und erinnert irgendwie an den Anfang von Dark Messiah. Damit endet auch schon der spielbare Prolog, in dem ihr erfahrt, dass der mysteriöse Salamandra-Kult für den Angriff auf die Enklave verantwortlich ist. Anschließend entlassen euch die Entwickler in dieses angenehm obszöne Reich, die Geschichte kann beginnen.

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Kommentare (5)

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Monin

29.10.2007, 22:32 Uhr

Das einzige was an diesem Spiel mehr als unschön ist, ist die Synchronisierung, besonders Geralt klingt um einiges mieser als in der englischen Version/den Videos aus eben dieser. Wie im richtigen Leben merkt man immer erst zuspät wenn man was falsch gemacht hat, mit dem Unterschied das hier die Fehler meist Klingen, Klauen, Zähne oder Gifte besitzen ;)

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Waldgeist

28.10.2007, 10:40 Uhr

@Alex
Da die Grafik-Engine ( aka Renderer ) nicht nur komplett neu geschrieben wurde, sondern sogar ein Schnittstellenwechsel von OpenGL zu DirectX vollzogen wurde, glaube ich kaum das da auch nur ein Schatten von Aurora zurückblieb :).

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seb

27.10.2007, 19:04 Uhr

Danke für das Lob, das geht runter wie Butter ;)
Und danke für den Hinweis mit der Engine.

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Alex

27.10.2007, 18:49 Uhr

als Grundbasis ist die Aurora Engine auch die Grafikengine. Aber stimmt schon, dass da kaum etwas übernommen worden ist ;) Wäre auch schrecklich, wenn the Witcher so aussehen würde, wie NwN 1 :)

Sind wir aber Mal ehrlich, ist ja nur ne Kleinigkeit. Also weg gedacht. Spiel ist geil :D

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Waldgeist

27.10.2007, 17:07 Uhr

Excellentes Review, endlich mal eine glaubwürdige Auslegung des Spiels und keine übertriebene Fehlersuche wie von Gamestar und Kritik an Dingen die in ISO RPGs schon IMMER so waren wie sie auch hier sind ( kein Schwimmen, Zäune sind Hindernisse usw..).

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich jedoch. Die Aurora Engine ist die GAME Engine, nicht die Grafik Engine :), die wurde komplett 100% neu geschrieben und deswegen ist es unnötig ständig zu betonen das es auf der betagten Engine beruht, denn Game-Engine technisch ist Aurora sicherlich excellent und auch die Basis für NwN2 gewesen.

Gruß
Waldgeist

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