Anno 1404 - Special
Auch ohne Annomalien glänzend
Kein Wunder: Da wimmeln die Bewohner wie ein Ameisenhaufen, da zerren Händler ihre Karren, vorbei an einer erschlagend wirkenden Kathedrale, durch kleine Gassen und die erdrückende Enge auf dem Marktplatz. Der majestätische Kaiserdom ist umgeben von kleinen Wohnhäusern, von dampfenden Schornsteinen und wallenden Flaggen im Wind der spätmittelalterlichen Metropole. Schimmernde Flüsse ziehen wie pulsierende Adern an staubigen Handelspfaden vorbei und geben den zahlreichen Brücken ihre Daseinsberechtigung. Ist das noch Anno? Ja, die Magie des Versinkens in dieser aus allen virtuellen Poren atmenden Welt konnte das Team aus Mainz wieder herrlich einfangen, aber wie sieht es hinter der geleckten Fassade aus?
Hier knirschen die altbekannten Anno-Zahnräder vor sich hin, die für die 1404er-Ausgabe nur ein wenig geölt wurden. Selten war die abgegriffene Phrase "Anno bleibt Anno" so treffend, wenn man wie damals Warenkreisläufe optimiert, den Bedürfnissen der Bewohner nachjagt und etliche Zivilisationsstufen im Auge behält. Die wurden übrigens von vormals fünf auf insgesamt sieben angehoben. Denn neben dem als Okzident bekannten Glanz lauschiger Bauernhöfe und -siedlungen lockt euch Related Designs später in den südlich gelegenen Orient, wo Palmen die Wüstenei säumen, exotische Waren lauern und Handlungsbeziehungen zu anderen besiedelten Inseln entstehen (sollten). Hier kommen mit den Nomaden und Gesandten zwei Stufen hinzu, während man im Abendland vom Bauern zum Bürger, Patrizier und schließlich zum Adeligen aufsteigt. Aber bis es so weit ist, hat man noch einen weiten Weg und viel Arbeit vor sich, denn jede Bevölkerungsstufe - egal ob klappriger Bettler, Arbeiter oder großspuriger Blaublütiger - schreit lauthals nach Zuwendung und hält euch mit speziellen Bedürfnissen auf Trab.
Während Bauern zum Beispiel schon mit genügend Fisch, einer getränkten Kehle und einem Marktplatz zufrieden sind, lassen sich die höheren Stufen nicht so einfach abspeisen. Hier stehen außer den Grundbedürfnissen vor allem die Wünsche nach Luxusgütern ganz oben: Ein Patrizier will keine Lumpen, sondern ein stattliches Leinengewand, bevor er euch schließlich die Produktion von Lederbeuteln aufdrängt, um vollends glücklich zu sein. Ein Tag und Nacht malochender Bauer braucht nur etwas Fleisch und ein günstiges Gesöff, um den Schrei nach Nahrung in sich verstummen zu lassen; bei anspruchsvollen Patriziern kommt ihr nicht so billig weg, hier braucht es etwas Handfesteres, Leckeres, Teures. Jedes der Bedürfnisse wird in eine Überkategorie gepresst, die von körperlichen über soziale bis hin zu seelischen Wünschen eine überschaubare, aber ernst zu nehmende Palette abdecken.
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Arkitan
26.02.2009, 20:45 Uhr