Alone in the Dark - Test
Kokeln, bis die Finger qualmen
Wenigstens bin ich nicht der einzige in dieser misslichen Lage Gefangene. Auf dem Bett gegenüber ächzt ein alter Mann, dem die Kerle ebenfalls an den Kragen wollen. Inkohärente Satzfetzen von irgendeinem Amulett, von uralten Kräften und einer schlimmen Katastrophe machen mich neugierig. Ich blinzele. Und verstehe noch weniger. Das kann als wohl dosiertes Stilmittel auch durchaus ins Geschehen saugen. Immerhin merkt man in den ersten Minuten bereits, wie stark einem Alone in the Dark das Gefühl gibt, in genau diesem geschundenen Körper zu stecken. Auch später müsst ihr von Zeit zu Zeit blinzeln, um beispielsweise die Wirkung von Gift zu kompensieren, das euch die Sicht vernebelt. Aber zumindest die anfängliche Aktionspflicht wirkt etwas aufgezwungen und schmälert den erfreulichen Lichtblick über den zündenden Einstieg ein wenig.
Was es mit dem Klunker auf sich hat, verpetzen wir natürlich nicht vorab. Um einen groben Abriss zu geben, sei nur so viel verraten: Das Ding ist wichtig. Weil das Schicksal des Big Apple damit zusammenhängt. Tief unter dem Central Park brodelt der Kessel des Bösen. Der stechende Mief des Todes windet sich langsam aus dem Boden, gähnende Risse vernarben die Straßen New Yorks. Plötzlich wackelt das Bild, der Controller vibriert. Der Typ hinter mir, der meinen Kopf eben noch in einen Schweizer Käse verwandeln wollte, wird samt Tür und Treppengeländer vom Rahmen verschlungen. Er schreit. Ich gehe in Deckung. Blut rinnt die Wand hinab, als sein Geheul langsam verstummt. Was verdammt ist hier los? Verwirrt und noch immer artig blinzelnd fliehe ich in die dämmrigen Tiefen des Hotels.
Während einer rasanten Autofahrt müsst ihr klaffenden Löchern ausweichen und die Apokalypse hinter euch lassen.
Leider lässt dieses Tempo später nach. Der Einstieg bleibt lange Zeit das Highlight - schnell, überraschend, dynamisch. Danach fährt sich das Geschehen über einzelne Strecken fest, die kinoreife Inszenierung muss ihrer kleinen Schwester weichen. Bis zu dieser Autojagd. In einem Kurzschließen-Minispiel muss ich zwei Drähte mittels beider Sticks zusammenführen, damit der Funke sprichwörtlich überspringt. Die Vehikel steuern sich zwar ein wenig sperrig und bleiben auch gern mal an kleinen Hindernissen hängen. Aber wenigstens werde ich zwei Minuten später mit einer Autofahrt entschädigt, die sich das Prädikat "filmreif" redlich verdient. Neben, vor und hinter mir reißen Straßenzüge auf, reihen sich zu rabenschwarzen Hindernissen aneinander, die ich geschickt umfahren muss. Dadurch ist der Weg zwar von vornherein vorgegeben, und nach dem zehnten Versuch kennt man die Strecke in- und auswendig. Aber hier kracht und scheppert es einfach überall, wenn pompöse Gebäude einstürzen und Busse durch die Luft geschleudert werden.
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lowindustry
24.09.2008, 23:48 Uhr