Age of Conan - Test
Zu früh entkorkt
Große Erwartungen lasteten auf Funcoms zweitem Versuch im so verlockenden und gleichzeitig so hart umkämpften MMOG-Markt. Im Gegensatz zu Anarchy Online versuchen es die Norweger diesmal mit einer starken Lizenz und verlagern das Setting von Sci-Fi hin zum allseits beliebten Fantasy. Dazu schicke Grafik und jede Menge Action. Aber reicht das, um die Erwartungen zu erfüllen? Wir haben uns einen Monat lang durch Hyboria geschlagen, um genau das herauszufinden!
Mit einem Spiel über Jahre hinweg von Tausenden oder gar Millionen von Spielern monatliche Gebühren zu kassieren, davon träumen spätestens seit World of Warcraft wohl so ziemlich alle Publisher und sicherlich fast ebenso viele Entwickler. Aber die Messlatte liegt dank eines gewissen Entwicklerstudios, das mit der Ankündigung eines gewissen dritten Teils seine Fans gerade erst wieder in Ekstase versetzt hat (ja, die Rede ist von Diablo 3), hoch - verdammt hoch. Betrachtet man nur die Crème de la Crème, in dem Fall meine ich damit Vollpreis-Onlinerollenspiele, die zusätzlich monatliche Gebühren erheben, dann wird man sehr schnell feststellen, dass die Quote der Spiele, die sich hier durchsetzen können, extrem gering ist. Nicht einmal die Legende Richard Garriott hat es mit Tabula Rasa geschafft, eine Konkurrenz zum Genre-König zu stellen. Auch der große Bill Roper hat mit dem vor dem Launch so viel gepriesenen Hellgate: London dieses Ziel weit verfehlt. Von dem katastrophalen Fehlstart der Vanguard-Entwickler ganz zu schweigen. Einzig Herr der Ringe Online hat sich dank eines runden Starts und einer wohl kaum zu übertreffenden Lizenz jedenfalls ein kleines Stückchen vom so begehrten MMOG-Kuchen abschneiden können. Dennoch: Der Thron von World of Warcraft ist bisher nicht einmal ansatzweise ins Wanken geraten. Langsam, ganz langsam wird aber auch der scheinbar unsterbliche Genre-Primus alt und nicht wenige seiner Anhänger sehnen sich inzwischen nach Abwechslung. Eigentlich also perfekte Voraussetzungen für Age of Conan. Die Zeit ist mehr als nur reif für ein neues Top-MMOG. Aber hat das Barbaren-Spiel überhaupt das Zeug dazu? Wir haben uns für die Beantwortung dieser Frage Zeit genommen. Denn wer tatsächlich glaubt, ein MMORPG nach gerade mal einer Woche wirklich bewerten zu können, der sollte sich noch einmal unseren Eingangssatz zu Gemüte führen. Nach dieser kleinen Beschreibung der Rahmenbedingungen nun aber direkt zum Eigentlichen: Dem Spiel.
So viel Story passt in ein MMOG
"Wow! Jeder NPC verfügt über Sprachausgabe und die ist sogar richtig gut!", war mein Gedanke beim Erkunden von Tortage. Sowas ist klasse und fördert die Atmosphäre ungemein. Umso enttäuschender dann die Ernüchterung, wenn man das Startgebiet um Stufe 20 herum hinter sich lässt und die Welt plötzlich zu verstummen scheint. Die Sprachausgabe steht dabei symbolisch für einen deutlichen Wandel im Spielverlauf, sobald man die höheren Levels erreicht.
Aber bevor wir zum Negativen kommen, zunächst ein Lob für den absolut gelungenen Spieleinstieg. Egal ob Anfänger oder alter MMOG-Hase - ihr werdet euch spätestens mit Erreichen der Stadt Tortage in der rauen und gleichzeitig wunderschönen Welt von Hyboria zurechtfinden. Denn das Tutorial ist in eine ansprechende Geschichte verpackt, die zu fesseln weiß. Mittlerweile funktionieren im Gegensatz zur Beta auch die Textinformationen in Form eines Buches, in denen ihr euch zusätzlichen Rat zum Kampfsystem und allen weiteren Spielfeatures holen könnt. Auch das Interface - wenn auch nicht sonderlich hübsch - ist den üblichen Genrestandards angepasst und damit schnell verstanden. Die Minimap zeigt euch sogar stets ganz exakt, wohin euch ein Auftrag führt. Verlaufen ist damit also vollkommen ausgeschlossen.
Bis Level 20 durchlebt ihr des Nachts eine spannende und toll inszenierte Storyline. Danach wird diese leider nur noch alle zehn Stufen fortgeführt.
Gehen wir noch einen Schritt zurück zur Charaktererstellung: hier kann das Spiel der Norweger abermals ordentlich Lorbeeren einheimsen, denn in keinem anderen MMOG macht das Zusammenbasteln des eigenen Avatars so viel Spaß wie hier. Perfekt ins Spiel integriert, an Bord einer Sklavengaleere, gestaltet ihr euren Barbaren, Wächter, Mitrapriester, Nekromant oder eine andere der insgesamt zwölf verschiedenen Klassen ganz nach eurem Belieben. Von den einzelnen Proportionen des Körpers über den Gesichtsausdruck, die Frisur, Hautfarbe und weitere Extras wie Tattoos und Narben ist alles ganz nach dem eigenen Geschmack einstellbar. Dass man von diesen hübschen Details im Spiel selbst aufgrund der Rüstungen kaum etwas zu sehen bekommt, stört dabei nur wenig. Man selbst weiß ja, dass da dieses coole Tattoo auf dem Rücken ist. Einziger Wermutstropfen bei der Charaktererstellung: Es stehen nur drei Rassen zur Auswahl - und die sind auch noch alle menschlich. Da ist man sonst mehr Abwechslung gewohnt, aber man hat sich ja schließlich auch an die Vorgaben der Lizenz zu halten.
Schön ist Hyboria ja und vor allem: Es hat seinen ganz eigenen rauen Charme, abseits von Anime-Kulleraugen und kunterbunten Fantasy-Klischees.
Später vollzieht sich die Charakterentwicklung durch das Verteilen von Punkten auf verschiedene allgemeine und klassenspezifische Fertigkeiten wie Klettern, Verbinden oder Konzentration sowie das Auswählen verschiedener Talente. Gerade bei den Talenten muss man sich gut überlegen, welchem Ast der Talentbäume man folgen möchte, um seinen Charakter möglichst effektiv zu gestalten. Leider sind einige Talentbeschreibungen recht ungenau, sodass die Charakterplanung teilweise unnötig erschwert wird.





Fan werden
Newsletter 
RSS 



Soulbutcher
20.07.2008, 22:50 Uhr
Ghaleon
19.07.2008, 09:52 Uhr
ich hoffe mal, dass du recht behälst :-)
Kedrok
18.07.2008, 20:48 Uhr
Von der Spellborn-"Alpha" die dieses Jahrn och kommen
soll fang ich erst garnicht an...
######################################
Spellborn mangelt nur an Content und an Bugs in den Quests/Klassen. Sonst ist es ziemlich geil und vollkommen Bugfrei.
Ghaleon
18.07.2008, 14:00 Uhr
In dem Fall, dass das Spiel ohnehin nich Erfolgsversprechend ist hast du völlig recht, da ist es die richtige Strategie der Schadensbegrenzung.
Im Fall von Spielen die Potential haben das nicht genutzt wurde, ist diese Vorgehensweise nicht nachhaltig und der evtl. Tod für ein Produkt wie AoC.
@Berti jo... Aion ist schon ganz schön bunt, wie ein Wow mit Guildwars/Lineage-Theme. Sieht was die Beta-Videos so zeigen schon recht rund aus. Noch fast garnichts hat man dort aber auch vom Endgame-PvP gesehen.
WH interessiert mich trotzdem auch... wenn du genaueres weisst über den Zustand von WH und wie so der erste Eindruck ist - ich bin sehr interessiert daran ^^.
Ps. EVE Online und Lotro sind doch auch ganz nette Spiele :D
Garian
18.07.2008, 13:58 Uhr
Zu den Vorpostern: Warhammer ist nicht von Sony oder Funcom. Warhammer ist von Mythic und die haben mit DAoC ein ziemlich gutes Produkt abgeliefert damals. Das Problem wird dort nur die Grafik sein. Aber wie soll man sonst 100 oder mehr Spieler im Krieg flüssig darstellen?
AOC jedenfalls braucht noch viel Zeit zu reifen. Wenn es das nicht schafft bis zum Release von War sind die Ex-Daoc-Spieler jedenfalls auch verloren :)
Morin
18.07.2008, 13:11 Uhr
Die Manager haben nicht versagt. Die sind sogar sehr gut!
Die sagten sich nämlich, rausbringen, Leute abzocken und den Verlust gering halten.
Berti
18.07.2008, 12:31 Uhr
Ich verspreche mir von Warhammer eigentlich nichts mehr. Ich werde in Zukunft nur noch vorsichtiger sein was die Versprechen der Spieledesigner angeht. Bei WH werde ich wohl die Chance haben einmal in die Beta hineinzuschnuppern um zu sehen ob es überhaupt etwas für mich ist. Leider ist dabei nie zu sehen, was im Highendbereich alles passiert/möglich ist. Aber zumindest das Crafting und Gameplay läßt sich schonmal beurteilen.
Ainon ist mir etwas zu kitschig gestaltet (ist aber wie so oft eine reine Geschmackssache), macht mir aber derzeit auch einen guten Einndruck. Mal schaun, vielleicht schau ich da mal rein, wenn es heraus kommt. Solange genieße ich erstmal den Sommer ohne ein MMO :)
Gruß, Berti
Ghaleon
18.07.2008, 10:09 Uhr
@Berti
Warte mal ab wie wir alle mit Warhammer Online dann enttäuscht werden. Ich befürchte sogar, dass WH ein noch weit größeres Fiasko werden wird als AoC. - Wenn sie es denn um jeden Preis noch dieses Jahr releasen wollen.
Von der Spellborn-"Alpha" die dieses Jahrn och kommen soll fang ich erst garnicht an...
Einzig die Macher von Aion scheinen im moment etwas mehr Verstand in der Birne zu haben - die haben es kurzerhand verschoben um ein (hoffentlich) fertiges Spiel zu präsentieren.
Ghaleon
18.07.2008, 10:06 Uhr
Den Start eines mmopgs zu versauen ist wie in der Gastronomie: ein Restaurant, dass bei der Eröffnung eine grandiose Vorspeise liefert, einen schlechten Hauptgang und eine kastrophale Nachspeise. Das wieder gut zu machen wird nicht funktionieren... die Vergraulten Spieler die umsteigen wollten , werden so schnell nicht wieder kommen.
Geld & Publisher-Druck hin oder her - die Manager die beschlossen haben AoC vorzeitig zu releasen haben auf der ganzen Linie versagt.
Berti
18.07.2008, 07:40 Uhr
Mich hat das Spiel bis Level 50 gut unterhalten, danach habe ich mich mehr oder weniger nur noch über Bugs und Ginding geärgert. Ab 80 war dann nichts mehr zu tun, das hoch angepriesene PvP ist ein echter Lacher, die Raidinstanzen meist verbuggt oder extrem eintönig und *gäääähn* "ganz doll aufregend", das Craftingsystem ein Witz.
Mir ist die Zeit zu wertvoll um noch 11 weitere Twinks hochzuspielen (was auch sehr langweilig ist) nur um noch einen Sinn im Spielen von AoC zu sehen.
Meines Erachtens waren die ersten 20 Level klasse zu spielen, bis 40 noch zu empfehlen und wenn dann der erste Abbomonat abgelaufen ist, dann verpasst man auch nichts, wenn man dann kündigt.
Ich habs sogar 2 Monate ausgehalten.
Klar kann man argumentieren das andere Spiele auch so angefangen haben, aber die sind auch auf die Nase gefallen und aus deren Fehlern kann man lernen. Und wenn das vielgerühmte Spiel von Blzzard damals auch so angefangen hat, muß man es dann dem gleich tun? Die Leute sind heute halt etwas anderes gewohnt, es gibt Alternativen und da kann man es sich nicht erlauben noch "Schrott und halbfertige Spiele" heraus zu bringen. Wer gern 15€ für ne Beta bezahlt, der soll es doch tun, aber bitte auch die Leute akzeptieren, deren Meinung es ist, daß man in der heutigen Zeit ein nahezu fertiges Spiel heraus bringt. Lieber so wie bei WH jetzt .. 4 Klassen und Hauptstädte weglassen, den Kunden dies mitteilen und dann herausbringen, als mit Features zu werben die dann gar nicht im Spiel enthalten sind.
Ich war sehr enttäsucht.