A Vampyre Story - Test
Adventure mit Biss
Der Charme der Charaktere hebt A Vampyre Story angenehm von anderen Adventures ab. Mona, die einfach nicht einsehen möchte, dass sie ein blutsaugender Vampir ist, bringt oft beinharte Sprüche und kann ihre Herkunft nicht leugnen. Ihr Begleiter Froderick ist auch immer wieder für die eine oder andere mehr oder weniger intelligente Phrase zu haben. Selbst die Nebendarsteller sind allesamt liebevoll und detailliert ausgearbeitet. Sei es nun die Eiserne Jungfrau (und ihr Bewohner; es ist eben etwas schmerzhaft, mit Dornen im Fleisch zu sprechen) oder die italienische Rattenmeute, die stimmlich an den Paten erinnert. Im Allgemeinen lassen die Entwickler keinen Seitenhieb auf andere Spiele, Filme oder beliebte Serien aus - egal ob Akte X oder die alten Monkey Island-Teile -, wobei gerade das Vampir-Adventure mit seiner rundum stimmigen Art und Weise an die alten LucasArts-Klassiker erinnert.
Eine Vielzahl von Rätseln steht bereit, um euch den Lebenssaft aus den Adern zu pressen. Neue und innovative Inhalte solltet ihr aber nicht erwarten: Serviert wird klassische Standardkost. Vor allem Kombinationsaufgaben stehen im Mittelpunkt des Adventures, aber auch immer wieder kleine Logikrätsel auf dem Programm. Sicher ist jedenfalls: So manches Gehirn wird vor Anstrengung qualmen! Der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben ist hoch, aber immer logisch und definiert sich zum einen an der Zahl der Gegenstände, die ihr im Laufe der Szenarios in euren Sarg wandern lasst, der übrigens als Inventar dient, und an den Schauplätzen selber. Während ihr in Geheimakte Tunguska oder dem Nachfolger immer eine übersichtliche Anzahl an Items und begehbaren Orten hattet, liegt diese in A Vampyre Story deutlich höher. Ebenso fallen die klassischen Hilfsfeatures weg: kein Einblenden interessanter Objekte in der Umgebung auf Knopfdruck; kein Tagebuch, das wichtige Informationen für euch automatisch notiert oder sogar Lösungshilfen anbietet. Eigentlich schade, denn in so mancher Situation wäre eine Hilfestellung praktisch gewesen.
Berührt alles! Seht euch alles an! Sprecht mit jedem! Insgesamt bietet euch das Spiel vier Möglichkeiten, um mit der Umwelt zu interagieren: Nehmen, Sprechen, Fliegen (Vampire können sich natürlich in Fledermäuse verwandeln) und Betrachten. Auch hier geht A Vampyre Story klassische Wege und lässt euch viel Raum, um alles auszuprobieren. Entweder weist euch Mona mit einem bissigen Kommentar zurecht oder sinniert mit Froderick über den Gegenstand oder die Person der Neugierde.
Die ausgedehnten Dialoge geben oft Hinweise und stoßen euch in Richtung Lösung. Mit anderen Worten: unbedingt die Lauscher aufsperren, wenn die abgefahrenen Charaktere etwas zu sagen haben. Manchmal erweist sich das Zuhören aber als schwierig. Zwar werden die Dialoge, die jederzeit wiederholbar sind, im altbekannten Multiple-Choice-Verfahren geführt, doch die Texte sind manchmal leider auch etwas langatmig; besonders wenn mal kein Scherz über die Lippen der Protagonisten - egal ob Haupt- oder Nebendarsteller - rutscht. Etwas weniger Blabla hätte den markigen Scherzen jedenfalls weiteres Gewicht verliehen.
A Vampyre Story ist auch im Bereich der Technik auf Old-School getrimmt. Die liebevollen und detailverliebten Schauplätze sind von Hand gezeichnet, während die Charaktere in 3D generiert werden, mit viel Tiefe und weichen Animationen begeistern. Die Synchronsprecher klingen nicht nur sehr motiviert und charmant - wer kann schon einer Frau mit einem niedlichen französischen Akzent widerstehen? -, sondern wurden den Charakteren auch mit sehr viel Sorgfalt zugeteilt. Die Musik ist eine Symphonie, die den Hintergrund des Horror-Komik-Szenarios zu jeder Gelegenheit unterstreicht.
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Zup
08.12.2008, 12:21 Uhr
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