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OnlineWelten Kolumne47 ![]() Jörg Langers JuniNichts konnte Spanien von unserem Strafraum fernhalten, nichts kann das große Böse auf Dauer aufhalten, und nichts hat mich im Juni stärker vom Arbeiten abgehalten als der Drachengesang einer Berliner Spieleschmiede.
Gerne hätte ich den Titel dieser Kolumne (ich schreibe sie kurz nach einem gewissen Endspiel in Wien) den "deutschen Jungs" gewidmet, aber im Fußball gewinnt dann eben doch häufig die bessere Mannschaft. Tja, hätten die Deutschen triumphiert, wäre mir die Überleitung zu meinem eigentlichen Thema viel leichter gefallen ("vom einen Sieger zum anderen"), beziehungsweise die meisten von euch hätten den folgenden Bruch im anhaltenden Siegestaumel gar nicht bemerkt. Aber so muss ich mich aus dem Nähkästchen von Monty Python bedienen: "And now to something completely different."
Hype des Monats: Diablo 3 Diablo 3 ist angekündigt worden! Aufgrund einer Job-Anzeige auf blizzard.com wenige Tage vorher hat mich diese Ankündigung während des Blizzard Worldwide Invitational nicht überrascht. Wer sich das ziemlich lange Gameplay-Video anschaut, weiß erstens, dass offensichtlich typische Spielemagazin-Videos weniger gestelzt vertont sind und dass zweitens trotz 3D-Engine das alte Feeling erhalten bleiben dürfte. Ein paar kleine, aber feine Verbesserungen kann man bereits ausmachen: Es ist anscheinend leichter, die diversen Spezialattacken durchzuschalten, und stärkere Gegner lassen eine Art "Blutblase" zurück, die die Hitpoints wieder auffrischt - das viertelsekündliche Nachwerfen von Heiltränken mit dem verbundenen Zeigefingerentzündungsrisiko sollte dadurch stark abgeschwächt werden. Ansonsten gibt's noch beeindruckendere Riesengegner als früher, darunter das Armoured Siegebreaker Beast, was übrigens nicht "amoröser Siegpausierer" heißt, sondern in etwa "gepanzertes Belagerungsbrecherbiest" (hätte doch Frings diese Rolle übernommen am Sonntag!). Und natürlich viele nette Ideen. Da wäre etwa die neue Klasse des Hexendoktors, der mit Vorliebe Insektenschwärme als Waffe einsetzt, die ganze Gegnerhorden im Nu vertilgen. Und der nicht die übliche Defensivmagie wie "Flammenwand" oder "Eismauer" beherrscht, sondern einen Schutzwall aus zappelnden Zombies zaubern kann. Blizzard, die erfolgreichste Kopistenfirma der Computerspielgeschichte, scheint sich selbst mal wieder klasse zu kopieren! Ich freue mich trotzdem auf Diablo 3. Worauf ich mich aber gar nicht freue, ist der ganze zu erwartende Hype, der mindestens die nächsten 14 Monate jedes neue Detail wie die Hintergrundfarbe des Pause-Buttons zum Top-Ereignis stilisieren wird.
Wasteland und andere "kleine Spiele" Wetten, dass 99,8% der zukünftigen Spieler von Diablo 3 gar nicht wissen, dass dessen Spielprinzip schon rund drei Jahrzehnte vorher erfunden worden ist, nämlich von Spielen wie Hack und Temple of Apshai? So langsam fühle ich mich mit meinen 14 Spieleredakteurs-Jahren wie ein verschrumpelter Weiser in Mittelerde, der nicht fassen kann, dass sich jeder um ihn herum einen goldenen Ring mit feuriger Schrift arglos auf den Finger stecken möchte. Das Wissen der Altvorderen geht sozusagen auch in der Spieleszene langsam verloren. Erst vor einigen Wochen habe ich in einem Fallout-3-Forum lesen müssen, der Bethesda-Titel hätte entfernte Ähnlichkeiten zu "einem kleinen DOS-Spiel namens Wasteland". Und wenige Tage später traf ich einen Kollegen, der von dem EA-Klassiker noch nie was gehört hatte. Hallo, Wasteland "ein kleines DOS-Spiel"? Derselbe Mensch würde wohl Herr der Ringe als einen "kleinen Schreibschrift-Roman" abtun, weil er auf Papier und nicht im PC entstanden ist. Und ein PC-Spiele-Redakteur reifen Alters kennt Wasteland nicht? Wasteland ist eines der genialsten Computerrollenspiele ever, und dem von ihm inspirierten Fallout in Witz und Spieldesign überlegen. Natürlich kann man Fallout 3 mit Genuss spielen, wenn man denkt, es wäre schon immer ein Action-RPG gewesen. Aber interessanter ist es schon, wenn man etwas Hintergrundwissen besitzt. Mein Spiel des (über-)nächsten Monats: Drakensang Ich liebte Baldur's Gate, ich lieberte Neverwinter Nights 2 und ich liebstete Baldur's Gate 2 (nach einem unkreativen 0:1 muss man in Deutschland wenigstens sprachlich erfinderisch sein). Aber Drakensang wird sie alle in die Tüte packen! Netterweise habe ich eine Vorversion des überaus ambitionierten Radon-Labs-Rollenspiels nebst Bierkrug zugeschickt bekommen (letzteren verlose ich auf joergspielt.de, aber ihr müsst schnell sein!), was meine Arbeitsmoral in den drei folgenden Tagen zusammenbrechen ließ. Die Version war einen vollen, großen Schauplatz (Moorbrück) lang weiter spielbar als auf dem Beipackzettel angekündigt, und ich versuchte sogar, noch die Blutberge-Location zu spielen, obwohl ich da schon in einem weitgehend leeren Level auf einer fehlenden Bodentextur ca. 10 Meter unterhalb der bereits platzierten NPCs herumlief. Was für ein schönes Spiel!
Es sind nicht nur die liebevoll erdachten Nebenquests und die liebenswerten NPC- und Party-Charaktere: Schon die gute alte Papier-und-Bleistift-Vorlage Das Schwarze Auge gefiel mir besser als Dungeons & Dragons beziehungsweise AD&D. Denn während beim US-Original die Helden nur nach Stufenaufstiegen verbessert werden können, verdient man sich bei DSA und damit Drakensang mit jedem Abenteuerpunkt auch einen Steigerungspunkt, den man in neue Attribute, verbesserte Fertigkeiten oder besondere Kampfstile investieren kann. Mit anderen Worten: Nach fast jedem Kampf oder erfüllten Nebenauftrag kann ich mindestens einen meiner vier Haudegen wieder etwas besser machen. Das sorgt ebenso für Motivation wie die sich wirklich unterscheidenden Spezialfähigkeiten, Rüstungen und Waffen. Noch ein kleiner Tipp am Rande: Wählt eingangs nicht gerade, wie ich, einen weiblichen Streuner, denn weder Streuner (und verwandte Klassen) noch Frauen sind bei den möglichen Party-Mitgliedern eine Seltenheit... Ich freue mich auf einen sonnigen Juli, das fertige Drakensang und eine hoffentlich spannende E3 - viel Spaß beim Spielen! Jörg Langer / joerg@joergspielt.de Seiten: 1
KommentareUm Kommentare zu schreiben, musst du dich zuerst anmelden. |
02.07.2008 - 15:27 Uhr JoeLanger
Nachtrag zu "Drakensang steckt sie alle in die Tüte":
Das soll nicht heißen, dass ich finde, dass Drakensang
das bessere Spiel ist als es Baldur's Gate 2 zu seiner
Zeit gewesen ist. Aber es hat natürlich eine
Weiterentwicklung stattgefunden seit damals -- man
denke nur daran, dass man heutzutage den NPCs wirklich
ins Gesicht sehen kann, was nochmal eine ganz andere
Identifizierung mit der eigenen Gruppe erlaubt. Fairer
wäre es, einen relativ modernen Titel wie Neverwinter
Nights 2 mit Drakensang zu vergleichen --und da, soweit
möchte ich mich aus dem Fenster lehnen, wird es ab
August sehr eng für NWN2 (trotz des angekündigten
Addons mit echter "Überlandkarte", auf das ich mich
sehr freue)...
02.07.2008 - 08:56 Uhr Andhor
01.07.2008 - 15:27 Uhr Ghaleon
erwartende Hype, der mindestens die nächsten 14 Monate
jedes neue Detail wie die Hintergrundfarbe des
Pause-Buttons zum Top-Ereignis stilisieren wird." - lol
wie recht du hast :-)
Das war mal wieder ein Bericht wie ich es von dir aus
den alten Tagen gewöhnt bin ^_^ - klasse.