Highlight-Bild

Autor

Weitere Artikel vom Autor

Informationen

566
Hype it!
Off. Seite: keine Angabe
Fansite: keine Angabe

OnlineWelten Kolumne

Artikel weiterempfehlen
46
Hype it!

Jörg Langers Mai

Wieso Age of Conan die PC-Version von Mass Effect hässlich und leer aussehen lässt. Wieso Age of Conan doch nur ein normales MMO geworden ist. Und wieso man sich als Deutscher in Europa manchmal als Barbar fühlt.

"Hatschi" sprach die Barbarin
Seit langem frage ich mich, wieso junge Frauen ganzjährig Hosen, Jäckchen und Pulloverchen tragen, die bei kleinsten Bewegungen (wie z.B. Atmen) vorne ihren Bauchnabel und hinten den Beginn ihrer Pofalte entblößen. Jetzt endlich weiß ich es: Es ist schlicht ein Abhärtungstraining! Denn wer all die Blasenentzündungen und Nierenerkrankungen überlebt, ist danach mental gerüstet für Age of Conan. Dort wandeln die Heldinnen bei Minusgraden mit Ledersandalen und seltsamen Fellrüstungen herum, die nur bei Frontalsicht den darunter befindlichen Brustkorb mühsam verdecken. Das hat durchaus seinen Reiz, ich selbst habe mich bei der Erstellung meiner Halunkin erstaunlich lange mit der Wölbung ihrer Pobacken und Brüste beschäftigt. Mir gefällt, dass es tatsächlich mal ein Spiel gibt, bei dem sich Männlein und Weiblein bis auf den Lederslip ausziehen können! Wobei, bei WoW-Orkdamen müsste ich das auch wirklich nicht haben...

Age of Conan gibt sich erwachsener, blutiger, ernsthafter als der Genreschnitt. Doch insbesondere das Kampfsystem ist trotz all der Vorschusslorbeeren auch nicht revolutionär anders als bei anderen MMOs: Wie bei jenen löse ich Buffs und Spezialattacken aus, nur mit wesentlich mehr Klicks. Gut, wen ich treffe, wird wohl per Kollisionsabfrage ermittelt. Aber gibt es irgendeinen Spieler da draußen, der ernsthaft die eigenen "Schilde" auf den jeweiligen Gegner hin optimiert? Oder der schaut, ob er links, rechts oder von oben mehr Schaden anrichtet? Ist nämlich alles nicht nötig: Wer fleißig seine Spezialattacken auslöst (meist durch eine Kombination mehrerer Tasten), macht soviel Schaden beim Gegner, dass die Feinheiten fast egal sind. Auch die Quests, obwohl teils mehrstufig, sind mal wieder die übliche Beschäftigungstherapie. Ich sammle bis zu 30 Aufträge gleichzeitig, ohne je den zugehörigen Text zu lesen. Ab und zu schaue ich auf der Karte, ob ich in der Nähe eines Questgegners bin, meist aber erfülle ich die Aufgaben nebenbei (den "x von 20 Y gefunden/getötet"-Meldungen
sei Dank). Dafür ist die Hauptquest sehr gelungen, zumindest bis Charakter-Level 24 (soweit habe ich bislang gespielt). Und, wie gesagt, die Stimmung ist eine andere als bei all den gerkömmlichen Bonbonfarben-Konkurrenten. Nicht nur die ersten Verkaufsrekorde bringen mich deshalb zu der Prophezeiung, dass wir über AoC auch in fünf Jahren noch sprechen werden.

Der "fehlende Masse-Effekt"
Wenn man Mass Effect, wie ich, direkt nach einem langen Age-of-Conan-Wochenende spielt, fallen zwei Dinge auf: Erstens ist die Grafik "konsolig" und überwiegend detailarm. Und die Welt ist, zweitens, schrecklich leer. Hallo, da bin ich auf der Citadel, sozusagen das Brüssel der ganzen Galaxie - und sehe so viele Lebensformen um mich herum wie in meinem schwäbischen Heimatort nachts um halbvier! Wie Hohn wirkt da der Zufallskommentar einer Passantin, "Ich liebe die Aufregung und die Massen hier!". Auch die Galaxie selbst scheint ein trister Ort zu sein: Die meisten der anklickbaren Planeten können nicht besucht werden, und die Mehrzahl derjenigen, die besucht werden können, enthalten die immer selben drei Markierungen auf der Radarkarte, die zu einer engen Auswahl an "Encounters" (Festung, Wrack, Kiste etc.) führen. Und noch was muss ich bemängeln: Das Interface, obschon seit der Xbox-Version verbessert, hat immer noch einen Kapitalfehler: Während man "im Feld" zwischen den Inventaren der drei Gruppenmitglieder bequem wechseln kann, um ihre Ausrüstung zu optimieren, muss ich dafür auf der Normandy tatsächlich von einem Spind zum nächsten gehen. Bis ich so beim siebten Guppenmitglied bin, habe ich längst vergessen, was für ein Sturmgewehr das erste hatte. Und um das Gewehr zwischen beiden zu tauschen, muss ich zum ersten Spind zurück, das Inventar aufrufen, die Waffe ablegen, zum siebten Spind laufen, das Inventar aufrufen, die Waffe ausrüsten. Zeitfressende Bedienungssteinzeit! Soweit zum Negativen (wobei, habe ich schon die auch mit "exterrestrischer Schwerkraft"
schwer zu erklärenden spastischen Zuckungen des Bodenvehikels erwähnt?) -- das viele Positive zu Mass Effect würde den zehnfachen Platz benötigen und ist in diversen Spielemagazinen nachzulesen.

Immer diese Deutschen!
Vom Brüssel des Weltraums zur realen Heimat von EU-Kommission, europäischem Parlament, zehntausenden Lobbyisten und einigen der frechsten Hotelbars dieser Erde (neun Euro für einen kleinen Cappuccino?!). In Brüssel fand Anfang Mai die jährliche Sitzung der ISFE statt, dem europäischen Interessenverband der Spiele-Industrie. Während der Konferenz bekam ich mehrere Seitenhiebe gegen das bevölkerungsreichste und wirtschaftsstärkste EU-Mitglied zu hören ("und am Ende setzen sich die Deutschen durch!"). Und als ich nach ihrer Rede Viviane Reding, die Kommissarin (also quasi die europäische Ministerin) für Informationsgesellschaft und Medien fragte, was sie vom Alleingang Deutschlands bei der USK hält, antwortete sie unter anderem: "Wir wissen, dass die USK viel strenger ist als PEGI. Die Deutschen gelten eben als besonders... gründlich" (sie benutzte das deutsche Wort). Und sofort wieder hämisches Gelächter im Saal. Unser Image scheint echt nicht das Beste zu sein bei den lieben Nachbarn. Und auch auf Publisherseite reagieren, so verriet mir EAs European-Publishing-Chef Dr. Jens Uwe Intat, die ausländischen Kollegen gerne so: "Deutschland? Ist das nicht das Land mit dem komischen Altersfreigabesystem?" Intat möchte PEGI auch in Deutschland einführen - mal sehen, ob das noch in diesem Jahrhundert passieren wird...

Mit großer Sicherheit noch in diesem Jahrhundert lest ihr die nächste Kolumne von mir. Bis dahin:

Viel Spaß beim Spielen!

Jörg Langer

joerg@joergspielt.de
Seiten: 1

Kommentare

Um Kommentare zu schreiben, musst du dich zuerst anmelden.
Du besitzt noch keinen Account? Dann registriere dich im Forum!

Seiten: 1 2 3 >>
  • 03.06.2008 - 00:29 Uhr JoeLanger

    Ich kann ja verstehen, dass nicht jeder eine
    differenzierte Meinung über sein aktuelles
    Lieblingsspiel erträgt. Aber in meiner Welt heißt
    "professionell" unter anderem, ein Spiel sehr gut
    finden zu können, und trotzdem auf offensichtliche
    Mängel hinzuweisen. Nochmal: Wenn die Quests spannend
    wären, würde sie niemand wegklicken. Aber es geht in
    der überwiegenden Mehrzahl um die altbekannte
    Standardkost Marke "Sammle x-mal Y" oder "töte x-mal Z"
    oder "klicke x-mal X an" (Bierfässer, Vorratskisten,
    Leichen im Fluss, was auch immer). Das ist eine so
    klare Beschäftigungstherapie-Spielmechanik, dass mich
    das einfach nicht fesseln kann. Das ist bloße
    Variablen-Inkrementiererei, kein Spieldesign! Mir tun
    die Quest-Schreiber echt leid, weil nur ein Bruchteil
    der Spieler ihre mit viel Mühe ausgedachten
    Geschichtchen überhaupt bewusst wahrnehmen dürfte!

    Ich mach die Quests trotzdem, weil ich sie, wie
    beschrieben, wunderbar nebenbei erfüllen kann, und sie
    EXP bringen und ab und zu mal einen guten Gegenstand.
    Aber Spaß macht mir dabei nur, einen weiteren Marker
    von der Karte zu tilgen (quasi ein invertierter
    Sammeleffekt), und nur in Ausnahmefällen die Quest
    selber. Wohlgemerkt, siehe Kolumne, mit Ausnahme der
    Hauptquest, die finde ich gut erzählt.

  • 02.06.2008 - 18:50 Uhr Soulbutcher

    heyhey meine sind aber auch immer hoch qualifiziert!

  • 02.06.2008 - 14:36 Uhr Ghaleon

    @Duque joa... vielleicht bin ich auch einfach nur
    verwöhnt... Jörg Langer hat früher echt gute und
    qualfizierte Texte abgeliefert; da waren/sind meine
    Erwartungen dementsprechend hoch.

  • 02.06.2008 - 14:07 Uhr Duque

    Manche sollten ihr Hobby einfach nicht zum Beruf
    machen, es können dadurch ganze Berufsstände in
    Mitleidenschaft gezogen werden ...

  • 02.06.2008 - 14:01 Uhr Ghaleon

    @JoeLanger

    Mit Stufe 15 schon die Anfangsinsel verlassen ? Das
    festigt den eindruck, dass du dich nur

    oberflächlich damit beschäftigt hast. Da es "nur" eine
    kolumne ist ohne Wertung... kann man über die

    mangelnde Professionalität, eines früher so berühmten
    Redakteurs auch mal hinweg sehen.

    "augenwischerei ist, so zu tun, als müsse der Spieler
    kleine Storys "lösen""
    Augenwischerei ist es dann, wenn man den Text schnell
    wegwischt äh clickt.

    Ich habe selten ein mmopg gesehen wo die ganzen kleinen
    sogenannten "hole x bringe y"-quests mit

    einer kleinen und überraschend stimmigen Geschichte
    umrahmt wurden. Von den "großen" haben bisher nur Lotr,
    AoC und ein paar nette Instanzen in Guildwars
    geschafft.

    Questet Ihr mit Radarkarte ? - Wozu bitte ? - Ich
    finde die braucht man wircklich nur dann, wenn man
    nicht die Quests anhört/liest und dessen Beschreibung.
    Ansonsten durchstreife ich mit freunden die Gebiete und
    schaue bestenfalls um die Teammitglieder zu suchen
    darauf.

    @Waldgeist

    "aber wer es tut wird merken, dass die mehrteiligen
    Questen
    nicht nur sehr schöne Geschichten erzählen, die, wenn
    man sich die Texte auch durchliest anstatt
    wegzuklicken"

    Word! Außerdem hats den vorteil, dass man auf die
    Radarkarten-Hinweise für Dummies nicht achten muss ;-)

Seiten: 1 2 3 >>

Partner

  • Spellborn
  • Sevenload
  • Sevenload
  • Gametribe
  • GTAinside

Tools

WoW-Datenbank
LotRO-Datenbank